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Glen Canyon National Recreation Area (AZ)

(Letzte Änderung: 20.02.2019 @ 14:55)

Wenn ich das tiefe Blau des Lake Powells in der Ferne aufblitzen sehe, schlagen zwei Herzen in meiner Brust.

Besonders im Hochsommer, wenn sich ganz Süd-Utah und erst recht Arizona in einen Backofen erster Güte verwandeln, hüpft das eine Herz vor Vorfreude auf eine Abkühlung. Was gibt es Schöneres, als im herrlich klaren und angenehm warmen See den Staub des Tages abzuspülen und die Körperkerntemperatur um gefühlte 10 Grad runterzukühlen?

Andererseits finde ich es immer wieder schade, dass unter den 33,3 Milliarden m³ Wasser des Lake Powells eine wahrscheinlich faszinierende Canyon-Landschaft vom Antlitz der Erde verschwunden ist. Was gäbe es dort alles zu entdecken? Welche scenic spots, Slot Canyons und Backroads könnte man auf die persönliche To-Do-Liste setzen?

Der Sachverhalt ist ja nicht einzigartig: Googeln Sie mal unter dem Stichwort "Hatch Hetchy Reservoir". Die Aufstauung des Tuolumne Rivers sollte der Trinkwassergewinnung für San Francisco dienen. Dass dabei ein bis dato wunderschönen Tals des Yosemite National Parks geflutet wurde, gilt bis heute als Umweltverschandlung ersten Ranges und es wird ernsthaft diskutiert die Stauanlagen zurückzubauen und der Natur das letzte Wort zu überlassen.

In Bezug auf den Lake Powell zeigen sich deutliche Parallelen. Im Jahr 1964 wurde der Glen Canyon durch die Stauung des Colorado Rivers unter den gewaltigen Wassermassen begraben. Dazu war ein architektonisches bzw. ingenieurwissenschaftliches Meisterwerk in Gestalt des Glen Canyon Dams notwendig. Dessen Motivation war die Stromerzeugung und Sicherung der Wasserversorgung der ariden Gegenden im Südwesten der USA.

Lake Powell ist das Kernstück der Glen Canyon National Recreation Area - da besteht kein Zweifel. Allerdings: Wenn dieser See die Füllfläche eines imaginären Riesentellers ist, lohnt sich auch ein Blick auf den Tellerrand und darüber hinaus. Dort findet man neben populären Touristenpunkten auch diverse Leckerbissen abseits des Mainstreams.

Einige interessante sites der Glen Canyon National Recreation Area stelle ich im Folgenden kurz vor.

Glen Canyon Dam (AZ)

Neben dem Lake Powell ist Glen Canyon Dam wohl die Hauptsehenswürdigkeit der gleichnamigen NRA. Der Damm staut den Colorado River im Bereich des (ehemaligen) Glen Canyons auf.

Die Staumauer wurde von 1956 bis 1964 gebaut. Es handelt sich um die fünfthöchste Talsperre der USA (178 m über dem ehemaligen Flussbett).

Abgesehen von der Aussichtsterasse beim Carl T. Hayden Visitor Center gibt es einen sehr schönen viewpoint um die Staumauer zu fotografieren (s. GPS-Koordinaten). Diesen erreichen Sie auf einem kurzen Spaziergang über ein paar Slickrock-Stufen.

Stud Horse Point (AZ)

Dem Stud Horse Point habe ich eine eigene Seite gewidmet.

Horseshoe Bend (AZ)

Dem Horseshoe Bend habe ich ebenfalls eine eigene Seite gewidmet.

Hite Overlook (UT)

Gleiches gilt für den Hite Overlook.

Lee´s Ferry (AZ)

Lees Ferry ist eine historisch sehr interessante Stätte. Als der Wilde Westen noch richtig wild war, standen Reisende vor dem Problem den Colorado River an einer geeigneten Stelle zu überqueren. Der Fluss verläuft in einem tiefen Canyon mit beinahe senkrecht abfallenden Wänden und man musste schließlich beide Ufer von oben aus erreichen können. Da sind passable Zugänge rar gesät.

Der Mormone John D. Lee betrieb unter Auflage seiner Kirche ab 1871 einen Fährbetrieb an einer dieser seltenen Stellen, die bis heute seinen Namen trägt. Mister Lee war offenbar eine schillernde Persönlichkeit mit zweifelhaftem Lebenswandel, über die sich sich bei Wikipedia informieren können.

Heute ist Lees Ferry eine der wenigen Möglichkeiten, die ich kenne, wo man sich bequem von der Kälte des Wassers des Colorado Rivers auch im Hochsommer überzeugen kann. Kann aber auch sehr angenehm sein, die wegen brütender Sommerhitze vor sich hin qualmenden Füße ein wenig abzukühlen.

1996 habe ich auf dem Lees Ferry Campground übernachtet. Versucht zu übernachten um genau zu sein. Es war dermaßen heiß und zwar ca. morgens um 3.00 Uhr noch, dass ich das erste Mal in meinem Leben auf einem Tisch geschlafen habe. Der rohe Betontisch unserer campsite war der einzige Fleck, wo es einigermaßen auszuhalten war. Im Zelt herrschten gefühlte 50 Grad Celsius.

Antelope Point (AZ)

Antelope Point ist in erster Linie eine sehr populäre Lake Powell Marina. Für Bootsbesitzer ist diese ein beliebter Anlaufpunkt und ansonsten wenig spektakulär. Mich nervt der ewige Lärm, der von diesen Marinas ausgeht (Bootsmotoren). Auch bade ich nicht gerne in unmittelbarer Nähe zu boat launches wegen des Benzingehalts im Wasser, den man riechen und manchmal mit bloßem Auge sehen kann.

Interessant finde ich die Gegend dennoch wegen der hervorragenden Bademöglichkeiten. Die Slickrock-Felsen führen hier stellenweise plattenförmig bis ans Wasser. Leider hatten wir 2007 nicht perfektes Badewetter und haben uns nur kurz einen Überblick verschafft. Hier werde ich ganz bestimmt noch einmal gründlich recherchieren und entsprechende GPS-Daten veröffentlichen.

Achtung: Sonnenbrandgefahr. Wenn Sie sich auf den flachen Felsen in unmittelbarer Wassernähe räkeln oder am besten sogar halb im Wasser liegend sonnen, würde ich immer ein T-Shirt anlassen.

Lone Rock (UT)

Der Lone Rock ist unverkennbar. Einsam, wie sein Name verspricht, steht er als riesiger Felsmonolith im Wasser und ist ein schönes Fotomotiv.

Bekannt ist der Campingplatz am Ufer. Sie können direkt mit dem PKW ans Wasser fahren und dürfen dort ganz legal campen. Amerikaner lieben so etwas, dann brauchen sie nicht ihre geschätzten zwei Tonnen Campingausrüstung hin und her tragen. Ist aber wirklich praktisch.

2007 hatten wir die glorreiche Idee mit einem 25"-RV an den Strand zu fahren, was prinzipiell möglich ist. Man muss halt nur die richtige Route erwischen, sonst ergeht es einem wie uns. Wir sind ziemlich unbedarft irgendeiner Spur gefolgt und nach einigen Hundert Metern gnadenlos im tiefen Sand verreckt. Got stuck, wie die Amerikaner sagen. Festgefahren.

Das ist eine unschöne Sache, denn die Abschleppkosten dürften von Page aus bei ca. 500 USD liegen. Wir hatten Glück und konnten uns auf die Hilfsbereitschaft verlassen, die für so viele Amerikaner selbstverständlich ist. Scheinbar mühelos wurde diese Einstellung aus den Pioniertagen in die heutige Zeit rübergerettet. Wir sprachen eine amerikanische Großfamilie an, die einen Monster-Pickup Truck vor den Zelten stehen hatte. Es dauerte keine fünf Minuten, da saßen drei junge Männer neben ihrem Dad im Wagen, alle mit Spaten ausgerüstet und top-motiviert. Weitere 10 Minuten später war unser Wohnmobil freigeschaufelt und man schleppte uns aus lässig aus dem Sandkasten raus.

Wir konnten nicht mehr tun als staunen und uns bei unserem Lake Powell Rescue-Team bedanken. Nicht einmal einen Spaten nehmen und mit anpacken konnte ich. Die Jungs waren scheinbar froh, endlich mal etwas zu tun bekommen zu haben und wollten sich die Gelegenheit nicht nehmen lassen.

Auch das ist Amerika.

Glen Canyon Dam Lone Rock

Big Water Badlands & Alstrom Point (UT)

Auch der Alstrom Point hat eine eigene Seite verdient.

The Coves (UT)

In den kleinen Buchten knapp nördlich der stateline kann man herrlich baden.

Lone Rock

Wahweep Overlook (AZ)

Einer der schönsten Aussichtspunkte am Lake Powell - und vor allem leicht zugänglich.

Lone Rock

Update II 2017:

Am 07.04.2017 geschah etwas Bemerkenswertes. Nach sechsjähriger Dürre und eines mehr als dreijährigen offiziellen drought emergency erklärte Kaliforniens Gouvernor Jerry Brown selbigen für beendet (zumindest für den weitaus überwiegenden Teil des Golden State).

Gleichzeitig war diese Proklamation das Ende der formalen Wasserkürzungsmaßnahmen in Kalifornien.

Überblick über die aktuellen (Stand: 07/2017) Dürreregionen in Kalifornien.

Update I 2017:

Im Westen der USA hat es im Winter 2016/17 massig Niederschläge gegeben und die Füllstände diverser Gewässer sind relativ hoch.

Lake Tahoe beispielsweise "...received 8.7 billion gallons of water in 48 hours", d.h. vom 9. bis 10. Dezember 2016 (Quelle: www.sfgate.com; Artikel vom 10.02.2017). Weiter heißt es dort: "The height of the lake reached 6,222.97 feet by Dec. 11, just short of its natural rim of 6,223 feet. This year [2017; Anm. d. Verf.] is looking just as good. While it's not 8.6 billion gallons over two days, Lake Tahoe did add about 33.6 billion gallons of water from Jan. 1 to 9, raising the water level of the lake by about one foot. Meanwhile, the Sierra snowpack is also seeing great numbers, which showed 173 percent of normal for this point in the year."

Interessant ist auch ein Blick auf den offziellen U.S. Drought Monitor für Kalifornien. Die Karte für den 07.02.2017 zeigt, dass es südlich der San Francisco Bay Area noch immer (viel) zu trocken ist. Allerdings offenbart ein Blick in die tabellarische Übersicht, dass noch immer fast 60% von Kalifornien mindestens abnormally dry sind und in 47% des Staates Dürre (drought) unterschiedlichen Schweregrades herrscht. Von einer vollständigen Entspannung kann also noch keine Rede sein. Im Vergleich zu den korrespondierenden Daten aus dem Vorjahr z.B. ist jedoch eine spürbare Besserung eingetreten, was ein wenig optimistisch stimmt.

In der Bay/Sacramento Area hat es Anfang Februar 2017 so stark geregnet, dass es zu Überschwemmungen gekommen ist und viele Häuser evakuiert werden mussten. Der Oroville-Staudamm nördlich von Sacramento, die höchste Talsperre der USA überhaupt, drohte wegen heftiger Regenfälle zeitweilig zu brechen, was vermutlich in einer größeren Katastrophe geendet hätte.

Auch Lake Isabella bekam Anfang 2017 eine Menge Regen. "The rain has been great for Lake Isabella with water levels going up 20 percent in the most recent weeks. At this time last year, there was only a little more than 32,000 acre feet of water and today, January 18, 2017, the California Department of Water is reporting there are now 189,000 acre feet of water." (Quelle: www.turnto23.com) Es gab zeitweise sogar Befürchtungen, dass der Staudamm brechen könnte. Eine entsprechende Task Force informiert die Öffentlichkeit auf einer Facebook-Seite.


Update 2016:

Kalifornien hatte im Frühjahr 2016 ingesamt viel Regen zu verzeichnen, was u.a. dem Wetterphänomen El Nino zugeschrieben wurde. Wissenschaftler wiesen aber frühzeitig darauf hin, dass die Auswirkungen der nunmehr fünfjährigen Dürre vor allem auf die Vegetation (Stichwort: Baumsterben) so gravierend sind, dass von einer nachhaltigen Erholung keine Rede sein kann und außerdem die trockenen Monate 2016 erst noch bevorstünden. (Quelle: www.spiegel.de)

Wie recht man mit dieser düsteren Prognose hatte, zeigen die im Juli/August 2016 verheerend wütenden Buschfeuer Bluecut bei San Bernardino, Soberanes bei Carmel sowie leider auch bei Lake Isabella.

Update 2015:

Die seit Jahren andauernde Dürre im Westen der USA, über die ich an anderer Stelle etwas ausführlicher geschrieben habe, hat auch vor den Gewässern der Glen Canyon National Recreation Area nicht halt gemacht.

Fast scheint es, als würde die Natur die Sache selbst in die Hand und späte Rache für die von Menschen gemachte Flutung des Glen Canyon nehmen. Der durch diesen Eingriff entstandene Lake Powell leidet schon seit langem unter immer größerer Wasserarmut und dürfte bald weitgehend versanden, wenn nicht endlich regenreiche Jahre kommen:

"Nach sechs niederschlagsarmen Jahren und intensiver Wasserentnahme (u.a. aus Las Vegas) ist der Pegel bis zum Sommer 2005 um etwa 45 m gesunken, was rund zwei Drittel des ursprünglichen Wasservolumens entspricht. Im September 2012 war (laut Auskunft im Staudamm Besucherzentrum) die Wassermenge auf nur 61% gesunken, voll wäre der See zuletzt vor elf Jahren (2001). Durch den Rückgang sind breite Strände entstanden, die Enden der äußeren Canyons sind trocken gefallen. Die Rainbow Bridge ist vom Ufer her nur über einen längeren Fußweg zu erreichen und es sind Felsformationen aus dem Wasser aufgetaucht, die seit 30 Jahren nicht mehr zu sehen waren." (Quelle: Wikipedia)

Camping

Es gibt verschiedene Campingplätze in der Glen Canyon National Recreation Area. Empfehlenswert finde ich Wahweep Campground, Lone Rock Campground und Lees Ferry Campground.

Weiter flussaufwärts gibt es noch Campingmöglichkeiten in Halls Crossing und direkt gegenüber am anderen Ufer in Bullfrog. Diese sind im Wesentlichen Marinas mit angeschlossenem campground.

Hite, ganz im Norden der Glen Canyon National Recreation Area, ist auf den Karten noch eingezeichnet und war ebenfalls eine Marina mit Campingmöglichkeit. Wegen der extremen Wasserarmut wurden die facilities aber vor einigen Jahren (ich glaube schon im Jahr 2003) abgezogen und flussabwärts verlagert.

Directions

Die Glen Canyon National Recreation Area erstreckt sich über ein 5076 km² (!) großes Gebiet im äußersten Süden Utahs bzw. im äußersten Norden Arizonas.

Auf der Karte sind die oben vorgestellten scenic spots eingezeichnet:

GPS-Koordinaten Glen Canyon NRA

(WGS84, Dezimalgrad, Umrechner: hier):

GPS Glen Canyon Dam: 36.933333, -111.483333
GPS Glen Canyon Dam Overlook: 36.937488, -111.484325
GPS Studhorse Point: 36.989194, -111.602111
GPS Studhorse Point (Abzweig von der UT 89): 36.983806, -111.552111
GPS Horseshoe Bend: 36.876139, -111.510625
GPS Antelope Point (Marina): 36.96351, -111.4307
GPS Lees Ferry: 36.865861, -111.587028
GPS Lone Rock: 37.010556, -111.530556
GPS Alstrom Point (Abzweig von der UT 89 in Big Water): 37.0775, -111.662222
GPS Alstrom Point: 37.058889, -111.364444
GPS The Coves: 37.007847, -111.521577
GPS Wahweep Overlook: 36.969198, -111.498789

Good to know

Ein Bad gefällig? Vor allem im Hochsommer eine grandiose Idee - wenn da nur nicht die Sonnenbrandgefahr wäre. Das kann ganz böse enden bei 38° C im Schatten, der nicht vorhanden ist.

Ansonsten kann ich Lone Rock empfehlen. Oder The Coves. Auch der "offizielle" Wahweep Swimming Spot geht (GPS 37.004178, -111.492659).

Hausbootmiete - mal was Anderes. Geht auf dem Lake Powell. Man kann auch mehrtägige Touren machen. Auftanken auf dem See geht auch: Dangling Rope Marina. Hier ein Reisebericht.

Touren zum Rainbow Bridge National Monument sind teuer und dauern mehr als einen halben Tag. Nähere Infos z.B. hier.

My Visits

In der Glen Canyon NRA war ich zuletzt im Herbst 2018. Damals habe ich nur den Horseshoe Bend besucht.

Zuvor gab es Besuche 1991 (bei unglaublicher Hitze), 1994 (bei unglaublicher Hitze), 1996 (bei unglaublicher Hitze), 2007 bei ... falsch ... bedecktem Wetter, 2008 im Herbst und 2012 ebenfalls im Herbst (Glen Canyon Dam, Lone Rock, Alstrom Point und Stud Horse Point).

Im Sommer ist es mir schlichtweg zu heiß und es gibt am See weit und breit keinen Schatten, in den man flüchten könnte. Auch ein Wohnmobil heizt sich dermaßen auf, dass man es drinnen nur mit laufender Klimaanlage, über den Generator betrieben, aushalten kann. Der Herbst ist temperaturmäßig sicherlich eine sehr günstige Reisezeit für die Lake Powell/Page Area. Allerdings ist das Wasser Ende Oktober u.U. schon empfindlich kühl.

My Rating

Die Glen Canyon National Recreation Area vereint sehr viele Sehenswürdigkeiten, wenn man bereit ist, ein wenig danach zu suchen bzw. abseits des Mainstreams zu schwimmen.

Großartig: Stud Horse Point und Alstrom Point!