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Glen Canyon National Recreation Area (UT)

(Letzte Änderung: 8.06.2017 @ 11:08)

Update 2015:

Die seit Jahren andauernde Dürre im Westen der USA, über die ich an anderer Stelle etwas ausführlicher geschrieben habe, hat auch vor den Gewässern der Glen Canyon National Recreation Area nicht halt gemacht.

Fast scheint es, als würde die Natur die Sache selbst in die Hand und späte Rache für die von Menschen gemachte Flutung des Glen Canyon nehmen. Der durch diesen Eingriff entstandene Lake Powell leidet schon seit langem unter immer größerer Wasserarmut und dürfte bald weitgehend versanden, wenn nicht endlich regenreiche Jahre kommen:

"Nach sechs niederschlagsarmen Jahren und intensiver Wasserentnahme (u.a. aus Las Vegas) ist der Pegel bis zum Sommer 2005 um etwa 45 m gesunken, was rund zwei Drittel des ursprünglichen Wasservolumens entspricht. Im September 2012 war (laut Auskunft im Staudamm Besucherzentrum) die Wassermenge auf nur 61% gesunken, voll wäre der See zuletzt vor elf Jahren (2001). Durch den Rückgang sind breite Strände entstanden, die Enden der äußeren Canyons sind trocken gefallen. Die Rainbow Bridge ist vom Ufer her nur über einen längeren Fußweg zu erreichen und es sind Felsformationen aus dem Wasser aufgetaucht, die seit 30 Jahren nicht mehr zu sehen waren." (Quelle: Wikipedia)


Wenn ich das tiefe Blau des Lake Powells in der Ferne aufblitzen sehe, schlagen zwei Herzen in meiner Brust.

Besonders im Hochsommer, wenn sich ganz Süd-Utah und erst recht Arizona in einen Backofen erster Güte verwandeln, hüpft das eine Herz vor Vorfreude auf eine Abkühlung. Was gibt es Schöneres, als im herrlich klaren und angenehm warmen See den Staub des Tages abzuspülen und die Körperkerntemperatur um gefühlte 10 Grad runterzukühlen?

Andererseits finde ich es immer wieder schade, dass unter den 33,3 Milliarden m³ Wasser des Lake Powells eine wahrscheinlich faszinierende Canyon-Landschaft vom Antlitz der Erde verschwunden ist. Was gäbe es dort alles zu entdecken? Welche scenic spots, Slot Canyons und Backroads könnte man auf die persönliche To-Do-Liste setzen?

Der Sachverhalt ist ja nicht einzigartig: Googeln Sie mal unter dem Stichwort "Hatch Hetchy Reservoir". Die Aufstauung des Tuolumne Rivers sollte der Trinkwassergewinnung für San Francisco dienen. Dass dabei ein bis dato wunderschönen Tals des Yosemite National Parks geflutet wurde, gilt bis heute als Umweltverschandlung ersten Ranges und es wird ernsthaft diskutiert die Stauanlagen zurückzubauen und der Natur das letzte Wort zu überlassen.

In Bezug auf den Lake Powell zeigen sich deutliche Parallelen. Im Jahr 1964 wurde der Glen Canyon durch die Stauung des Colorado Rivers unter den gewaltigen Wassermassen begraben. Dazu war ein architektonisches bzw. ingenieurwissenschaftliches Meisterwerk in Gestalt des Glen Canyon Dams notwendig. Dessen Motivation war die Stromerzeugung und Sicherung der Wasserversorgung der ariden Gegenden im Südwesten der USA.

Lake Powell ist das Kernstück der Glen Canyon National Recreation Area - da besteht kein Zweifel. Allerdings: Wenn dieser See die Füllfläche eines imaginären Riesentellers ist, lohnt sich auch ein Blick auf den Tellerrand und darüber hinaus. Dort findet man neben populären Touristenpunkten auch diverse Leckerbissen abseits des Mainstreams.

Einige interessante sites der Glen Canyon National Recreation Area stelle ich im Folgenden kurz vor.

Glen Canyon Dam (AZ)

Neben dem Lake Powell ist Glen Canyon Dam wohl die Hauptsehenswürdigkeit der gleichnamigen NRA. Der Damm staut den Colorado River im Bereich des (ehemaligen) Glen Canyons auf.

Die Staumauer wurde von 1956 bis 1964 gebaut. Es handelt sich um die fünfthöchste Talsperre der USA (178 m über dem ehemaligen Flussbett).

Abgesehen von der Aussichtsterasse beim Carl T. Hayden Visitor Center gibt es einen sehr schönen viewpoint um die Staumauer zu fotografieren (s. GPS-Koordinaten). Diesen erreichen Sie auf einem kurzen Spaziergang über ein paar Slickrock-Stufen.

Studhorse Point (AZ)

Haben Sie Lust auf ein paar relativ unkomplizierte Meilen abseits des Asphalts? (High Clearance sollte unbedingt vorhanden sein, auf 4x4 kann man verzichten.)

Der Studhorse Point ist eine fantastische Location, um einen - allerdings relativ entfernten - Blick von erhöhter Position auf Lake Powell zu werfen. Besonders schön ist es zur golden hour, wenn der Lone Rock von der Abendsonne beleuchtet wird und in warmem Licht erstrahlt.

Auch den Navajo Mountain, mit Abstand höchster Berg der Gegend (3166 m), kann man von hier oben in ca. 65 km Entfernung gut am Horizont erkennen.

Hoodoo-Freunde aufgepasst: Wenn Sie des Hoodoo-Jagens noch nicht überdrüssig sind und Locations, wie die Toadstool Hoodoos oder die Wahweep Hoodoos längst abeklappert haben, kann ich Ihnen den Studhorse Point wärmstens empfehlen. Dort stehen dort einige der schönsten Hoodoos, die ich kenne.

Studhorese Point Studhorse Point

Bei Fritz Zehrer findet man eine wie immer sehr exakte Wegbeschreibung zum Studhorse Point.

Horseshoe Bend (AZ)

Während der Studhorse Point immer noch eher etwas für Insider ist, erfreut sich der Horseshoe Bend größerer Bekanntheit.

Ich war zuletzt 2007 da, da haben nur ein paar Unerschrockene den Weg zum overlook durch tiefen Sand bei fürstlicher Hitze auf sich genommen. Zuletzt habe ich jedoch im Internet gelesen, dass es mittlerweile manchmal schwierig ist, auf dem kleinen Parkplatz unterzukommen. Ich muss mal wieder hin um das zu überprüfen.

Ein Tipp für die Fotografen: Sie benötigen hier ein richtiges Weitwinkel. 24mm auf den Kleinbild-Sensor gerechnet (Cropfaktor 1.0) sind nicht verkehrt. Sonst wird es schwierig den hufeisenförmigen Bogen des nirgendwo blau-grüner aussehenden Colorado Rivers in all seiner Pracht auf´s Bild zu bannen. Es sei denn, Sie verlegen sich auf´s Stitchen (Panorama).

Wenn Sie es nicht sein lassen können: Manche legen sich auf den Bauch und gucken über den Rand nach unten. Unten bedeutet hier übrigens so viel wie ganz unten. 300 Meter weit unten. Ohne Geländer senkrecht unten. Sie wissen schon...

(Im Jahr 2010 ist ein griechischer Tourist über Bord gegangen.)

Lee´s Ferry (AZ)

Lees Ferry ist eine historisch sehr interessante Stätte. Als der Wilde Westen noch richtig wild war, standen Reisende vor dem Problem den Colorado River an einer geeigneten Stelle zu überqueren. Der Fluss verläuft in einem tiefen Canyon mit beinahe senkrecht abfallenden Wänden und man musste schließlich beide Ufer von oben aus erreichen können. Da sind passable Zugänge rar gesät.

Der Mormone John D. Lee betrieb unter Auflage seiner Kirche ab 1871 einen Fährbetrieb an einer dieser seltenen Stellen, die bis heute seinen Namen trägt. Mister Lee war offenbar eine schillernde Persönlichkeit mit zweifelhaftem Lebenswandel, über die sich sich bei Wikipedia informieren können.

Heute ist Lees Ferry eine der wenigen Möglichkeiten, die ich kenne, wo man sich bequem von der Kälte des Wassers des Colorado Rivers auch im Hochsommer überzeugen kann. Kann aber auch sehr angenehm sein, die wegen brütender Sommerhitze vor sich hin qualmenden Füße ein wenig abzukühlen.

1996 habe ich auf dem Lees Ferry Campground übernachtet. Versucht zu übernachten um genau zu sein. Es war dermaßen heiß und zwar ca. morgens um 3.00 Uhr noch, dass ich das erste Mal in meinem Leben auf einem Tisch geschlafen habe. Der rohe Betontisch unserer campsite war der einzige Fleck, wo es einigermaßen auszuhalten war. Im Zelt herrschten gefühlte 50 Grad Celsius.

Antelope Point (AZ)

Antelope Point ist in erster Linie eine sehr populäre Lake Powell Marina. Für Bootsbesitzer ist diese ein beliebter Anlaufpunkt und ansonsten wenig spektakulär. Mich nervt der ewige Lärm, der von diesen Marinas ausgeht (Bootsmotoren). Auch bade ich nicht gerne in unmittelbarer Nähe zu boat launches wegen des Benzingehalts im Wasser, den man riechen und manchmal mit bloßem Auge sehen kann.

Interessant finde ich die Gegend dennoch wegen der hervorragenden Bademöglichkeiten. Die Slickrock-Felsen führen hier stellenweise plattenförmig bis ans Wasser. Leider hatten wir 2007 nicht perfektes Badewetter und haben uns nur kurz einen Überblick verschafft. Hier werde ich ganz bestimmt noch einmal gründlich recherchieren und entsprechende GPS-Daten veröffentlichen.

Achtung: Sonnenbrandgefahr. Wenn Sie sich auf den flachen Felsen in unmittelbarer Wassernähe räkeln oder am besten sogar halb im Wasser liegend sonnen, würde ich immer ein T-Shirt anlassen.

Lone Rock (UT)

Der Lone Rock ist unverkennbar. Einsam, wie sein Name verspricht, steht er als riesiger Felsmonolith im Wasser und ist ein schönes Fotomotiv.

Bekannt ist der Campingplatz am Ufer. Sie können direkt mit dem PKW ans Wasser fahren und dürfen dort ganz legal campen. Amerikaner lieben so etwas, dann brauchen sie nicht ihre geschätzten zwei Tonnen Campingausrüstung hin und her tragen. Ist aber wirklich praktisch.

2007 hatten wir die glorreiche Idee mit einem 25"-RV an den Strand zu fahren, was prinzipiell möglich ist. Man muss halt nur die richtige Route erwischen, sonst ergeht es einem wie uns. Wir sind ziemlich unbedarft irgendeiner Spur gefolgt und nach einigen Hundert Metern gnadenlos im tiefen Sand verreckt. Got stuck, wie die Amerikaner sagen. Festgefahren.

Das ist eine unschöne Sache, denn die Abschleppkosten dürften von Page aus bei ca. 500 USD liegen. Wir hatten Glück und konnten uns auf die Hilfsbereitschaft verlassen, die für so viele Amerikaner selbstverständlich ist. Scheinbar mühelos wurde diese Einstellung aus den Pioniertagen in die heutige Zeit rübergerettet. Wir sprachen eine amerikanische Großfamilie an, die einen Monster-Pickup Truck vor den Zelten stehen hatte. Es dauerte keine fünf Minuten, da saßen drei junge Männer neben ihrem Dad im Wagen, alle mit Spaten ausgerüstet und top-motiviert. Weitere 10 Minuten später war unser Wohnmobil freigeschaufelt und man schleppte uns aus lässig aus dem Sandkasten raus.

Wir konnten nicht mehr tun als staunen und uns bei unserem Lake Powell Rescue-Team bedanken. Nicht einmal einen Spaten nehmen und mit anpacken konnte ich. Die Jungs waren scheinbar froh, endlich mal etwas zu tun bekommen zu haben und wollten sich die Gelegenheit nicht nehmen lassen.

Auch das ist Amerika.

Glen Canyon Dam Lone Rock

Big Water Badlands & Alstrom Point (UT)

Alstrom Point ist vielen USA-Freunden, die sich für abgelegene Locations interessieren, mittlerweile ein Begriff. Trotz des beschwerlichen Weges, ist diese hoch über dem Lake Powell gelegene Aussichtsstelle längst kein Geheimtipp mehr.

Das ist natürlich relativ, denn Trubel und Hektik müssen Sie hier nicht befürchten. Die Chancen sind immer noch gut, dass Sie ganz alleine sind. Verglichen mit den Menschenmassen, die den nahegelegenen Antelope Canyon aufsuchen, herrscht hier gottgegebene Einsamkeit pur.

Um den Alstrom Point zu erreichen, fährt man in dem ein paar Meilen westlich von Page gelegenen Nest Big Water auf die Ethan Ellen Road. Weiter geht es auf der Smoky Mountain Road durch herrliche Badlands, denen ich für den "internen Gebrauch" den "Arbeitstitel" Big Water Badlands verpasst habe. Eine offizielle Bezeichnung ist mir nicht bekannt.

Die Badlands erinnern ein wenig an die Badlands in der Nähe von Caineville (UT). Grau, Gelb, Ocker, Rotbraun, Rostrot usw. - man findet so viele Farben. Ein toller Anblick.

Alstrom POint

Eine sehr gut nachvollziehbare und ausführliche bebilderte Wegbeschreibung zum Alstrom Point finden Sie auf der Website von Sandra Haak (www.canyonmurmel.de).

Camping

Es gibt verschiedene Campingplätze in der Glen Canyon National Recreation Area. Empfehlenswert finde ich Wahweep Campground, Lone Rock Campground und Lees Ferry Campground.

Weiter flussaufwärts gibt es noch Campingmöglichkeiten in Halls Crossing und direkt gegenüber am anderen Ufer in Bullfrog. Diese sind im Wesentlichen Marinas mit angeschlossenem campground.

Hite, ganz im Norden der Glen Canyon National Recreation Area, ist auf den Karten noch eingezeichnet und war ebenfalls eine Marina mit Campingmöglichkeit. Wegen der extremen Wasserarmut wurden die facilities aber vor einigen Jahren (ich glaube schon im Jahr 2003) abgezogen und flussabwärts verlagert.

Directions

Die Glen Canyon National Recreation Area erstreckt sich über ein 5076 km² (!) großes Gebiet im äußersten Süden Utahs bzw. im äußersten Norden Arizonas.

Auf der Karte sind die oben vorgestellten scenic spots eingezeichnet:

GPS-Koordinaten Glen Canyon NRA

(WGS84, Dezimalgrad, Umrechner: hier):

GPS Glen Canyon Dam: 36.933333, -111.483333
GPS Glen Canyon Dam Overlook: 36.937488, -111.484325
GPS Studhorse Point: 36.989167, -111.602222
GPS Studhorse Point (Abzweig von der UT 89): 37.0775, -111.662222
GPS Horseshoe Bend: 36.876139, -111.510625
GPS Antelope Point (Marina): 36.96351, -111.4307
GPS Lees Ferry: 36.865861, -111.587028
GPS Lone Rock: 37.010556, -111.530556
GPS Alstrom Point (Abzweig von der UT 89 in Big Water): 37.0775, -111.662222
GPS Alstrom Point: 37.058889, -111.364444

My Visits

In der Glen Canyon NRA war ich zuletzt im Herbst 2012: Studhorse Point, Alstrom Point und das Rainbow Bridge NM (von Wahweep aus) standen auf dem Zettel.

Zuvor gab es Besuche 1991 (bei unglaublicher Hitze), 1994 (bei unglaublicher Hitze), 1996 (bei unglaublicher Hitze), 2007 bei ... falsch ... bedecktem Wetter und 2008 im Herbst.

Im Sommer ist es mir schlichtweg zu heiß und es gibt am See weit und breit keinen Schatten, in den man flüchten könnte. Auch ein Wohnmobil heizt sich dermaßen auf, dass man es drinnen nur mit laufender Klimaanlage, über den Generator betrieben, aushalten kann. Der Herbst ist temperaturmäßig sicherlich eine sehr günstige Reisezeit für die Lake Powell/ Page Area. Allerdings ist das Wasser Ende Oktober u.U. schon empfindlich kühl.

My Rating

Die Glen Canyon National Recreation Area vereint sehr viele Sehenswürdigkeiten, wenn man bereit ist ein wenig danach zu suchen bzw. abseits des Mainstreams zu schwimmen.

Großartig: Studhorse Point und Alstrom Point!

Gallery

Diese Gallery besteht aus 118 Farbbildern. Die Bilder stammen aus den Jahren 1991, 1996, 2007 und 2012.