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Paderquellen - Bär ermittelt

Bücher von Dirk Möller

Paderquellen - Bär ermittelt Neu

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Tombstone (AZ): O.K. Corral, Allen Street und Boot Hill

(Letzte Änderung: 10.10.2026)
Auf einen BlickTombstone – „the town too tough to die“ – ist die bekannteste Westernstadt in Arizona: O.K. Corral samt Gunfight-Reenactment, Allen Street, Boot Hill Graveyard, historische Saloons und viel Wildwest-Bühne auf engem Raum. 1879 als Silberminenstadt gegründet, sieben Jahre später bereits auf 14.000 Einwohner angewachsen, lebt der Ort heute von Geschichte, Legende und einer sehr bewusst gepflegten Westernkulisse.
Beste Reisezeit: Herbst bis Frühjahr (Südost-Arizona im Sommer heiß)
Zeitbedarf: halber Tag; in der Region auch Geisterstädte wie Steins

Lohnt sich Tombstone als Westernstadt in Arizona?

Wer nach Tombstone fährt, will meist nicht bloß irgendein historisches Städtchen sehen, sondern ganz konkret den Mythos vom Wilden Westen anfassen: O.K. Corral, Allen Street, Saloons, Staub, Holzfassaden und das Gefühl, dass Wyatt Earp und Doc Holliday gleich um die Ecke auftauchen könnten. Genau das liefert Tombstone auch – touristisch geschniegelt, aber keineswegs völlig leblos.

"The town too tough to die."

Klingt ganz schön markig. Richtig westernmäßig. Und natürlich wird dieser Slogan von den Stadtvätern Tombstones bis aufs Mark zur Vermarktung ausgeschlachtet. Allerdings geschieht das mit einer gewissen Berechtigung, denn ein Blick in die Geschichte von Tombstone zeigt, dass diese Stadt wirklich besonders ist.

Viele mining towns der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden rasend schnell. Da, wo eben noch nichts als Staub und Wüste war, entstanden quasi über Nacht frontier boomtowns mit Saloons, noch mehr Saloons, zwielichtigen Gestalten, einem hohen Gewaltpotential und der alles überlagernden Sehnsucht nach dem schnellen Glück. In der Blütezeit dieser Städte kam häufig ein Eisenbahnanschluss hinzu und fast genauso schnell, wie alles begann, nahm kurze Zeit später der Niedergang seinen Lauf, wenn die Silber- oder Goldvorräte zur Neige gingen oder sich als weniger ergiebig als erhofft entpuppten. Einige dieser Wüstenkäffer verschwanden ganz von der Bildfläche, andere mutierten zu ghost towns, die heute nur noch eine Ahnung von dem vermitteln, was sich dort einmal abgespielt hat. Beispiele: Shakespeare, Steins, Lake Valley.

Mit Tombstone verhält es sich in vielen Punkten genauso, wie ein kurzer Faktencheck zeigt.

Minenstadt? Ja, sicher. Silber spielte die Hauptrolle.

Zweite Hälfte 19. Jahrhundert? Passt. Die Stadt wurde 1879 gegründet.

Schneller Boom? Und ob! In weniger als sieben Jahren wuchs die Bevölkerung von 100 auf stattliche 14000. Städte dieser Größenordnung haben in Südost-Arizona selbst heutzutage Seltenheitswert. In diesen sieben Jahren lieferten die Silberminen den Gegenwert von 40-85 Millionen US-Dollar. Und besonders beeindruckend finde ich: zwei Jahre nach Gründung gab es 110 (!) Saloons und 14 Spielhallen in Tombstone. Das ist mal eine ordentliche Stadt!

Zwielichtige Gestalten? Oh ja! Davon gab es reichlich und so manch einer endete am Galgen oder starb durch eine Kugel. Stellvertretend für die ganzen Schurken und Halunken sei eine Bande von Outlaws genannt, die damals unter dem Namen The Cowboys berühmt-berüchtigt waren. Mitglieder dieser Bande waren an der berühmtesten Schießerei im Wilden Westen überhaupt beteiligt.

O.K. Corral und Silberminen-Geschichte

Am 26. Oktober 1881 standen sie sich am O.K. Corral gegenüber: in der roten Ecke die Bösen, nämlich Billy Claiborne, Ike und Billy Clanton sowie Tom und Frank McLaury und in der blauen Ecke die Guten - Marshal Virgil Earp, Special Policeman Morgan Earp, Special Policeman Wyatt Earp, und ein quasi vom Gesetz aushilfsweise angeheuerter Doc Holliday.

Vier kostümierte Darsteller als Cowboys und Marshals vor dem Gunfight-Reenactment in Tombstone

Dabei wurden Billy Clanton und beide McLaury-Brüder getötet. Virgil Earp, Morgan Earp und Doc Holliday wurden verwundet, während Wyatt Earp unbeschadet blieb.

Nachgestellte Schießerei vor dem Oriental Saloon und C.S. Fly's Photographic Studio in Tombstone

Schneller Niedergang? Auch den gab es. Nachdem die Stadt zuvor schon Rückschläge durch mehrere Großfeuer erlitten hatte, kam es 1886 besonders schlimm. Die Pumpenstation, die dafür zuständig war, das Grundwasser aus den Minenschächten fernzuhalten, brannte nieder. Die Silbermine, wirtschaftliche Existenzgrundlage Tombstones und der Grund, dass es den Ort überhaupt gab, wurde unbrauchbar. Gleichzeitig rutschte der Silberpreis ab, sodass die meisten Leute das Weite und ihr Glück woanders suchten. Die Stadt degenerierte beinahe zur ghost town, und nur die Tatsache, dass Tombstone bis 1929 Bezirkshauptstadt des Cochise County war, hielt sie halbwegs über Wasser.

Trotz aller Rückschläge durch Feuer, Wasser und allgegenwärtige Gewalt: Tombstone was too tough to die. Und Tombstone gibt es immer noch. Und wie. Die Stadt ist heute eine große Touristenattraktion, was nicht zuletzt auf geschicktes Marketing zurückzuführen ist.

Mehrmals täglich wird der legendäre gunfight im Hinterhof des O.K. Corral an der Allen Street dem geneigten Publikum zu Gemüte gereicht (s. Bilder oben). Das geschieht ganz amerikaüblich mit großer Anteilnahme des Publikums. Treten die Guten auf, wird gejubelt, kommen die Bösen auf die Bildfläche, bricht lautes Buuuuuh-Rufen aus. Dabei hat die Ballerei eigentlich gar nicht exakt beim O.K. Corral stattgefunden, sondern ein paar Häuser weiter bei C. S. Fly's Photographic Studio an der Fremont Street.

Damit sich Tombstone trotz der vielen Souvenirshops noch ein wenig Authentizität erhält, präsentiert sich die Allen Street hübsch rausgeputzt wie in besten Zeiten. Flankiert wird sie von historischen und nachgebauten Saloons, die ein wenig von dem alten Flair der Westernstadt vermitteln.

Die herausgeputzte Allen Street mit historischen Holzfassaden, Flaggen und schattenspendenden Bäumen

Halten wir also fest: Tombstone war schon mehrere Male durch Naturkatastrophen und übergeordnete wirtschaftliche Zusammenhänge dem Ende geweiht, hat es aber trotzdem immer geschafft, das Kinn über'm Wasser zu halten. Dann erkannten aufgeweckte Leute das touristische Potenzial, das in dem verschlafenen Nest schlummert und - tadaaa - heute ist Tombstone sogar eine der am stärksten frequentierten Touristenattraktionen im an Sehenswürdigkeiten wahrlich nicht armen Arizona. Die Stadt scheint putzmunter und quietschlebendig zu sein.

Abgesehen davon ist Tombstone nicht bloß ein hübsches Freilichtmuseum für Touristen. In der Stadt leben heute immerhin rund 1.300 Menschen (Volkszählung 2020). Tombstone ist eine living historical community mit einer Infrastruktur aus Schulen, Polizei, Feuerwehr, Geschäften (nicht nur für Touristen) etc.

Da haben sie schon Recht: The town too tough to die...

Boot Hill Graveyard: die Gräber der Outlaws

Zur Vollständigkeit fehlt noch der Friedhof. Der Boot Hill Graveyard liegt am nördlichen Ortsrand an der AZ 80, einen kurzen Fußmarsch vom O.K. Corral entfernt, und war zu Boomzeiten genau das, was man einem Ort wie diesem ansieht: Begräbnisstätte für die, die das Zeitliche gesegnet hatten, bevor sie eines natürlichen Todes sterben konnten. Der Name „Boot Hill“ kommt vom Frontier-Slang „he died with his boots on“ – er starb mit den Stiefeln an, also gewaltsam.

Hier liegen Billy Clanton sowie Tom und Frank McLaury, die am 26. Oktober 1881 beim Gunfight getötet wurden – die einzigen wirklichen Prominenten des Ortes sind also die Verlierer von damals. Weniger bekannt: In Boot Hill ruhen keineswegs nur Revolverhelden, sondern auch Geschäftsleute, Witwen und angesehene Bürger der Stadt. Und weil Boot Hill wie jeder Friedhof einer Grenzstadt auch die anonymen und mittellosen Todesfälle sammeln musste, übersteigt die Zahl der unmarkierten Gräber die der markierten deutlich; im angrenzenden Abschnitt des Geländes sollen mehr als 450 nicht gekennzeichnete Grabhügel liegen.

Zwei Klarstellungen, weil sie ständig falsch kolportiert werden: Wyatt Earp liegt hier nicht, sondern wurde 1929 in Kalifornien beerdigt, und Doc Holliday starb 1887 in Glenwood Springs, Colorado. Wer also nach ihrem Grab sucht, ist in Tombstone an der falschen Adresse – die Grabsteine der drei gefallenen Cowboys dagegen stehen hier.

Den Rundgang über den Boot Hill Graveyard macht man auf eigene Faust (6 USD, Zeiten siehe Good to know). Abgesehen von Corral und Courthouse stehen an der Allen Street weitere historische Lokale: das Crystal Palace Saloon an der Ecke 5th Street, das Bird Cage Theatre – seinerzeit Saloon, Spielhölle und Bordell in einem – und der Wyatt Earp Rowdy Club am östlichen Ende der Straße. In den Studios lässt man sich in historischer Tracht im Stil von 1880 fotografieren.

Directions

Tombstone liegt in Arizona, im Südosten des Staates, etwa 70 Meilen südöstlich von Tucson.

GPS-Koordinaten Tombstone

(WGS84, Dezimalgrad, Umrechner: hier)

GPS Tombstone: 31.713573, -110.067828

Good to know

Woher kommt der Name Tombstone? Ein Freund prophezeite dem Stadtgründer und Entdecker der Silbermine Edward Lawrence Schieffelin, er würde dort nichts weiter als seinen eigenen Grabstein (tombstone) finden.

Es gibt in Tombstone noch mehr historische Sehenswürdigkeiten als nur den O.K. Corral und die Allen Street. Allen voran das Tombstone Courthouse, das immerhin ein State Historic Park ist. Auch die City Hall ist sehenswert.

O.K.-Corral-Komplex: Eintritt 10 USD/Person (inkl. Gunfight-Reenactment, Historama-Show und Nachdruck der Tombstone Epitaph von 1881), eine günstigere Variante ohne Gunfight kostet 6 USD; Kinder bis 5 Jahre frei (Quelle: okcorral.com).

Zeiten (Stand: Oktober 2026, Quellen: okcorral.com und discoverboothill.com): Der O.K. Corral ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet, nur an Thanksgiving und Weihnachten zu. Die nachgestellte Schießerei läuft dreimal täglich um 11, 13 und 15 Uhr, dafür ist die 10-USD-Karte nötig. Der Boot Hill Graveyard öffnet bereits um 8 Uhr (bis 17 Uhr). Praktische Folge für die Tagesplanung: vormittags das Courthouse, pünktlich um 11 Uhr der Gunfight, danach Allen Street und Historama – ein halber Tag reicht.

Die Show über die Entstehungsgeschichte der Stadt im Tombstone Historama ist sehenswert. Sie ist eine Mischung aus Puppenspiel und Film. In dem kleinen Theatersaal hängen historische Plakate von Filmen, in denen Tombstone eine Hauptrolle gespielt hat (s. Gallery unten): Tombstone Terror, Geronimo, The Last Outpost und wie sie alle heißen.

Das Tombstone Courthouse State Historic Park verlangt separaten Eintritt: 10 USD (Erwachsene ab 14), 5 USD (7-13 Jahre), unter 7 Jahren frei (Quelle: Arizona State Parks).

In der Region lässt sich Tombstone gut mit weiteren Zielen kombinieren: Fort Bowie National Historic Site im Apache Pass, das Chiricahua National Monument mit seinen Felstürmen und die Geisterstädte Steins und Shakespeare im benachbarten New Mexico. Bei Tucson liegt der Saguaro National Park.

My Visits

Über Tombstone habe ich schon oft sinniert. Wie passt das noch in die Reiseplanung? Lohnt der Schlenker nach Süden? Zu viel Touri-Nepp?

2016 habe ich dann endlich mal Nägel mit Köpfen gemacht und bin im Rahmen der NewZona-Rundreise hingefahren.

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Ist Tombstone sehr touristisch? Mit Sicherheit! Gibt es dort jede Menge Kitsch und Klamauk? Irgendwie schon. Lohnt sich ein Abstecher trotzdem? Ja, finde ich schon.

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