Steins Ghost Town (NM)
(Letzte Änderung: 10.10.2026)Ghost towns sind irgendwie cool.
Ich liebe diese längst verlassenen Überbleibsel der vielleicht aufregendsten Epoche in der Entwicklung der Vereinigten Staaten von Amerika zu der Weltmacht, so wie wir sie heute kennen. Damals, als der gesamte Kontinent - vornehmlich von Ost nach West - erschlossen wurde und sich die frontier, die Grenze zwischen Zivilisation und Wildnis, immer weiter Richtung Pazifik verlagerte.
Geisterstädte faszinieren mich mehr als Museen, denn sie sind das authentische Setting der geschichtlichen Zusammenhänge, um die es geht. Unter der morbiden Patina einer staubigen ghost town in der knochentrockenen Dürre und Hitze Arizonas oder New Mexicos schimmert mehr Atmosphäre durch als ein noch so gutes Museum mit seinen zusammengetragenen Exponaten vermitteln kann. Meine bescheidene Meinung...
Geisterstädte gibt es in Amerika wie Sand am Meer. Viele davon stammen aus der Zeit der großen Gold- und Silberfunde und der Eisenbahnentwicklung des 19. Jahrhunderts. So auch Steins Ghost Town.
Steins: Name, Gründung und Aufschwung
Steins liegt rund 19 Meilen westlich der heutigen Kleinstadt Lordsburg (NM). Im Westen liegen die unwegsamen Chiricahua Mountains, östlich davon erstreckt sich das riesige Ödgebiet der Chihuahuan Desert. Summa summarum: Steins liegt in the middle of nowhere. Da, wo man nicht tot über dem Zaun hängen möchte.
Wieso kommen Menschen auf die aberwitzige Idee, mitten im Nirgendwo eine Stadt zu gründen? Insbesondere, wenn dieses Nirgendwo im Sommer mit völlig absurden Temperaturen glänzt und der Gesamteindruck der Gegend irgendwo zwischen trost- und hoffnungslos angesiedelt ist? Die Stichworte lauten auch hier: Silber und Eisenbahn.
Die Entwicklung von Steins begann allerdings vor dem großen Silber- und Eisenbahnboom. Bereits im Jahr 1857 entstand hier eine Postkutschen-Station auf der Birch Stage Line Route von San Antonio nach San Diego. (Die Betreiberfirma Birch wurde ein Jahr später durch die Butterfield Overland Stage Company abgelöst.) Die Station trug den unheilschwangeren Namen Doubtful Canyon in Anlehnung an einen durch Apachen-Angriffe latent bedrohten nahegelegenen Pass durch die Peloncillo Mountains.
Seinen Namen hat der Ort von U.S. Army Major (später Lieutenant Colonel) Enoch Steen, der die Gegend 1853 im Rahmen einer Eskorte für Gouverneur William Carr Lane von Fort Webster zum Gila River durchquerte – danach wurde Doubtful Canyon in Stein's Peak bzw. Stein's Pass umbenannt. Getötet wurde Steen dabei nicht, er starb 1880 eines natürlichen Todes in Missouri. Blutig endete dagegen die 1858 von der Butterfield Overland Mail errichtete Stein's-Peak-Station: 1861 wurde sie von Apachen zerstört, die Stationswärter kamen dabei ums Leben.
Als in den Peloncillo Mountains Gold, Silber und Kupfer gefunden wurden, wuchs Stein's Pass zu einer kleinen Stadt heran, und diese Entwicklung bekam dadurch weiteren Auftrieb, dass die Southern Pacific Railroad im Jahr 1878 vor Ort einen Steinbruch eröffnete und Stein's Pass an das Schienennetz anschloss.
1919 lebten ca. 1000 Menschen in Stein's Pass und der näheren Umgebung, doch als der Steinbruch 1925 die Pforten schloss, begann der schleichende Niedergang. 1944 strich die Southern Pacific Company Stein's Pass als Eisenbahnstation und lieferte fortan kein Trinkwasser mehr. Das war das endgültige Todesurteil und alle Einwohner verließen die Stadt.
Eisenbahngeschichte an der Arizona-Grenze
Für den 1878 eröffneten Steinbruch der Southern Pacific Railroad schufteten laut überlieferten Zahlen rund 1.000 chinesische Arbeiter, die das Gestein für den Gleisbau der neuen Bahnlinie brachen. 1880 war die Strecke durch die Region fertiggestellt, 1888 bekam die kleine Siedlung eine eigene Poststation. Ab 1905 baute die Southern Pacific einen neuen Bahnhof etwas weiter östlich, die Post zog mit um, und der Ort wuchs auf rund 100 Einwohner mit Gemischtwarenladen, Restaurant und Saloon.
Wasser gab es vor Ort keins – jeder Tropfen musste per Bahn herangeschafft werden und kostete zeitweise bis zu einem Dollar pro Fass, weshalb der Ort so komplett von der Eisenbahngesellschaft abhing. Als die Southern Pacific den Wasserservice 1944 einstellte, bot sie den verbliebenen Bewohnern kostenlose Bahntickets zum Wegzug an, die fast alle annahmen. Ein Brand im Jahr 1964 zerstörte anschließend zahlreiche der zurückgelassenen Gebäude – ein Grund, warum von der einstigen Bahnstadt heute nur noch ein Bruchteil steht.
Directions
Steins Ghost Town liegt in New Mexico, an der I-10 nahe der Grenze zu Arizona.
GPS-Koordinaten Steins Ghost Town
(WGS84, Dezimalgrad, Umrechner: hier)
GPS Steins Ghost Town: 32.22859, -108.989966Anfahrt
Steins Ghost Town liegt 19 Meilen westlich von Lordsburg (NM).
Good to know
Steins Ghost Town ging 1988 in Privatbesitz über und war seitdem nur im Rahmen von Touren durch die Eigentümer Larry und Linda Link zugänglich. Die Links zogen sich 2008 zurück, danach gab es noch einige Jahre Touren nach Vereinbarung. Im Juni 2011 wurde Larry Link bei einem bis heute ungeklärten Verbrechen erschossen; seitdem bietet die Familie keine regelmäßigen öffentlichen Führungen mehr an.
Eine Besichtigung ist damit im Regelfall nicht möglich, das Gelände ist abgezäunt. Ob einzelne Familienmitglieder gelegentlich noch Termine nach Vereinbarung anbieten, ist unklar und schwankt je nach Quelle – verlassen sollte man sich darauf nicht. Trotzdem lohnt es sich, von der I-10 runterzufahren. Vom Seitenstreifen des Zubringers hat man einen guten Fotoblick (s.o.).
My Visits
2014 bin ich einmal kurz von der I-10 runtergefahren und habe ein paar Fotos von Steins Ghost Town gemacht. 2016 das gleiche Spiel.
Jede ghost town bekommt aus Prinzip mindestens einen Stern - auch wenn es im Falle von Steins eigentlich kaum etwas zu sehen gibt.
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