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alabama (al)

(Letzte Änderung: 17.08.2018 @ 18:04)

"Alabama is geographically the Heart of Dixie, Alabama is industrially the Heart of Dixie, Alabama is, in fact, the Heart of Dixie."

Große Worte, die nur von einem Politiker oder Marketing-Experten stammen können. In diesem Fall trifft beides zu. Der Spruch wurde in den 1940er und 1950er Jahren vom Alabama Chamber of Commerce in Anlehnung an die legendäre Hymne der konföderierten Südstaaten kreiert.

Fehlt nur noch ein dazu passender Hochglanzprospekt. (Gab es so etwas damals schon?)

Ideen dafür kommen mir sofort. Leitmotiv ist eine Vision blühender (industrieller) Landschaften der Moderne, die gleichzeitig kaum verhohlen den Zeiten der Rebellion huldigt. Natürlich müssen die zahlreichen schwülstigen Südstaatenklischees bedient werden: Strahlend weiß getünchte Herrenhäuser vor einer Kulisse knorriger Eichen, von deren Ästen das spanish moss in langen Tentakeln herunterhängt, Menschen mit Ehre und Tradition umgeben von einer elitär-arroganten Aura.

Summa summarum ein verklärtes Bild verflossener Südstaatenromantik in Farbe auf 25 Seiten. All das ist der Süden der USA. The deep south.

Mehr Süden, mehr Dixie, als Alabama geht kaum. Hier war das Epizentrum der Sezession, als elf Südstaaten gegen die Wahl von Abraham Lincoln zum Präsidenten und die sich damit abzeichnende Abschaffung der Sklaverei rebellierten und sich für unabhängig erklärten.

Montgomery, heute Hauptstadt Alabamas, war zwischen dem 4. Februar und dem 29. Mai 1861 die erste Hauptstadt der Konföderierten Staaten von Amerika. Hier wurde deren Verfassung verabschiedet und hier legte Jefferson Davis, einziger Präsident der Konföderierten, seinen Amtseid ab.

Eine Menge Geschichte atmet der Besucher in Alabama. Allerdings gibt es auch ein paar Seiten, die in dem oben erwähnten Prospekt wohl eher nichts zu suchen hätten. Alabama ist der Bundesstaat, in dem sich Rassismus und Segregation besonders hartnäckig hielten und es immer wieder zu gewaltsamen Übergriffen gegen Schwarze kam. 1963 starben z.B. vier schwarze Mädchen bei einem Bombenanschlag des Ku-Klux-Klans auf eine Baptistenkirche in Birmingham (AL).

Ebenfalls in Birmingham ging die Jugend im Jahr 1963 bei ihrer Children`s Crusade auf die Straße um gegen die Ausgrenzung und Benachteiligung von Schwarzen zu protestieren. Traurig aber wahr: Die Kundgebung wurde von den Ordnungshütern unter der Leitung von dem Commissioner of Public Safety, Eugene "Bull" Connor, mit äußersters Gewalt aufgelöst. Dabei wurden sogar Kampfhunde auf Kinder losgelassen.

Mit der Unterstützung zuvor indifferenter oder tendenziell ablehnender Teile der Bevölkerung - z.B. Geschäftsleute, die um den guten Ruf von Birmingham besorgt waren - setzte Martin Luther King ("I have a dream."), der große Bürgerrechtler, Frontmann der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung (Civil Rights Movement) und spätere Friedensnobelpreisträger, 1963 in Birmingham die formale Aufhebung der Rassentrennung durch. Dabei bediente er sich nach dem Motto "Steter Tropfen höhlt den Stein" der von ihm propagierten Methode des zivilen Ungehorsams und gewaltlosen Widerstands.

1964 wurde von Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson ein Bürgerrechtsgesetz unterzeichnet, das ebenfalls darauf abzielte die schwarze Bevölkerung in ihrem Bestreben nach Gleichberechtigung zu unterstützen. Papier ist bekanntlich geduldig und war es in Alabama in Bezug auf die Bürgerrechtsfrage von Schwarzen besonders.

Nur ein Jahr später, am 7. März 1965, kam es zu einem Protestmarsch von 600 Menschen, die das Wahlrecht für den schwarzen Teil der Bevölkerung einforderten. Der Marsch sollte von Selma nach Montgomery führen. Bereits nach wenigen Hundert Metern wurden die Demonstranten gewaltsam zurückgedrängt. Polizisten trieben die friedfertigen Demonstranten mit Knüppeln und Tränengas sowie mit Stacheldraht umwickelten Gummischläuchen und Bullenpeitschen nach Selma zurück. Dieses traurige Tag schrieb als "Bloody Sunday" ein weiteres düsteres Kapitel in der Geschichte Alabamas.

Noch heute gerät Alabama über Bürgerrechts- und Rassismusfragen in die Schlagzeilen. Für helle Empörung sorgte ein neues Einwanderungsgesetz mit dem dürren Namen HB 56. Dieses wurde von erzkonservativen kreationistischen Republikanern auf den Weg gebracht und ist gegen "Illegale" gerichtet. Darin wird die Polizei ermächtigt quasi wahllos Personen zu kontrollieren, selbst bei einem nur vagen Verdacht, dass diese keine Einwanderungspapiere haben. Die Beförderung von Menschen ohne Papiere wird unter Strafe gestellt. Angesichts der problematischen Vergangenheit Alabamas in Menschenrechtsfragen sind diese und weitere durch das Gesetz verbriefte Repressalien mehr als heikel.

Sogar das von Lyndon B. Johnson im Jahr 1965 erlassene historische Wahlrechtgesetz (Voting Rights Act) mit dem verhindert werden sollte, das Schwarze beim Urnengang benachteiligt werden, wurde unlängst ausgehöhlt. In Calera (AL) wollten weiße Kommunalpolitiker die Grenzen der Wahlkreise so manipulieren (redistricting), dass schwarze Kandidaten keine Chance mehr haben. Genau dagegen war der Voting Rights Act von 1965 gerichtet, auf dessen Grundlage das US-Justizministerium die Vorgehensweise rückgängig machten. Vor dem Supreme Court (Oberster Gerichtshof) gab es dann letztinstanzlich die Rolle rückwärts, als dieser die Entscheidung des US-Justizministeriums kurzerhand kassierte.

"Das Urteil sei ein 'vernichtender Schlag', sagte der Bürgerrechtler Al Sharpton im TV-Sender MSNBC: Das Gericht habe Martin Luther Kings 'Traum storniert'. Sharptons trübe Diagnose: 'Der Patient ist weiter krank.' (Quelle: www.spiegel.de)

Unbeschwert von alldem kann man in Alabama prima relaxen. Die Golfküste hat pulsierende Ferienorte (z.B. Orange Beach) und klasse Strände mit pulverfeinem Sand, die man eher Florida oder Kalifornien zutraut.

Über dieser Idylle flattert stolz die schnörkellose Landesflagge mit dem roten Andreaskreuz in kaum verhohlener Anlehnung an die Kriegsflagge der Konföderierten. Immer noch ein wenig trotzig. Wir sind schließlich im Süden. Im Heart of Dixie.

"I wish I was in de land of cotton,
Old times they are not forgotten;
Look away! Look away! Look away! Dixie Land.
In Dixie Land where I was born in,
Early on one frosty mornin, Look away!
Look away! Look away! Dixie Land."

 

State Info

Nickname: Cotton State

Gulf State Park

Population: 4.858.979 (rank 24/50)
Capital: Montgomery
Largest City:Birmingham
Size:50.645 square miles
Featured Sites: Dauphin Island
Gulf SP
Quellen: Wikipedia sowie U.S. Census Bureau


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