mississippi (ms)
(Letzte Änderung: 22.05.2026 @ 17:10)
Ich dachte, ich lese nicht richtig: "Mississippi schafft erst jetzt die Sklaverei ab". Der Artikel ist vom 20. Februar. Das Jahr: 2013!
Das ist kein schlechter Witz, sondern Ergebnis einer peinlichen Bürokratiepanne, die von einem juristischen Amateur aufgedeckt wurde und einem düsteren Aspekt der Vergangenheit ungewollte Aktualität verleiht.
Offenbar wurde vergessen "... das Ergebnis einer Abstimmung zum formalen Ende der Sklaverei an höhere US-Behörden weiterzuleiten ... Die fehlende Akte sei am 7. Februar offiziell nachgereicht worden – 148 Jahre nachdem der Besitz von Sklaven im Rest des Landes für illegal erklärt wurde." (Quelle: www.welt.de)
Klar, dass damit immer noch weit verbreitete Vorurteile, die von "Alles Landeier da unten!" (harmlose Variante) bis hin zu "Immer noch erzkonservative Rassisten" (weniger harmlose Variante) reichen, befeuert werden. Leider trägt Mississippi in dieser Hinsicht Altlasten mit sich herum, die man nicht so einfach los wird, und die noch immer ein paar Schlagzeilen wert sind.
Das gesamte ökonomische System des amerikanischen Südens basierte historisch betrachtet auf der Plantagenwirtschaft mit Tabak, Zuckerrohr und später vor allem Baumwolle als dominierenden Erzeugnissen. Dieses feudalistische System war für einige Großfamilien, die in Saus und Braus lebten, hochprofitabel, weil Hunderttausende im Prinzip kostenlose Arbeitskräfte (Sklaven) verfügbar gemacht wurden.
Dieses System überdauerte die Jahrhunderte und bestand schon zur Zeit der Gründung der Vereinigten Staaten im Jahr 1776. Selbst Thomas Jefferson, von 1801-1809 der dritte Präsident, hielt Sklaven. Erst mit Präsident Lincolns Amtsantritt im Jahr 1860 kam nachhaltig Bewegung in die Sklavenfrage. Bereits am 1. Januar 1863 hatte Lincoln die Emancipation Proclamation erlassen, mit der er allen Sklaven die Freiheit mit diesen Worten verkündete:
"Dass vom 1. Tag des Januar im Jahre des Herrn 1863 an alle Personen, die in einem Staat oder dem bestimmten Teil eines Staates, dessen Bevölkerung sich zu diesem Zeitpunkt in Rebellion gegen die Vereinigten Staaten befindet, als Sklaven gehalten werden, fortan und für immer frei sein sollen." (zit. nach Wikipedia)
Mississippi steht historisch oft im Brennpunkt, weil dort zentrale Konflikte der US-Bürgerrechtsgeschichte besonders sichtbar wurden. Wichtig ist aber: Rassismus war und ist kein reines Südstaaten-Phänomen. Neben offener Segregation im Süden gab es auch in anderen Landesteilen strukturelle Benachteiligung, z.B. bei Wohnen, Krediten und Bildung (Stichwort: Redlining).
Wichtige Stationen:
1954: Brown v. Board of Education erklärt staatlich verordnete Rassentrennung an Schulen für verfassungswidrig.
1955: Der Mord an Emmett Till in Mississippi wird landesweit zum Schockmoment und beschleunigt die Bürgerrechtsbewegung.
1963: Medgar Evers (NAACP) wird in Jackson ermordet; der Fall wird zum Katalysator für den Civil Rights Act von 1964.
1964: Freedom Summer in Mississippi bringt das Thema Wahlrechtsunterdrückung national auf die Agenda.
1965: Die Selma-Märsche unter maßgeblicher Führung von Martin Luther King Jr. erhöhen den Druck, den Voting Rights Act zu verabschieden (siehe auch Alabama).
Zur Einordnung der Leitfiguren: Martin Luther King Jr. stand für gewaltfreien Massenprotest und zentrale Bundesgesetze gegen Segregation. Malcolm X betonte Selbstbestimmung, Würde und die schonungslose Analyse strukturellen Rassismus – auch außerhalb der Südstaaten. Beide Perspektiven haben die Debatte in den USA dauerhaft geprägt.
Quellen: Britannica: Emmett Till, Britannica: Medgar Evers, NPS: Medgar & Myrlie Evers Home, Britannica: Civil Rights Act (1964), Britannica: Voting Rights Act (1965), NPS: Selma to Montgomery National Historic Trail, Britannica: Martin Luther King Jr., Britannica: Malcolm X, Britannica: Redlining, Wikipedia: Freedom Summer
Damals tobte aber noch der Sezessionskrieg zwischen Nord- und Südstaaten (1831-1865), der sich maßgeblich an der Frage der Rechtmäßigkeit der Sklavenhaltung entzündete. Erst mit der Ratifizierung des 13. Zusatzartikels zur Verfassung am 18. Dez. 1865 wurde die Sklaverei in den USA offiziell abgeschafft.
Nun also auch in Mississippi.