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   Mein Amerika-Roman: Im Westen ist Amerika

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Off-the-beaten-Track 2012

(Letzte Änderung: 9.07.2017 @ 10:04)

11. Tag: 16.10.2012

Gegen halb acht sind wir schon wieder auf Achse. Mit dem Lange schlafen haben Ralf und ich es beide nicht so, was ja auch bei einem gemeinsamen Urlaub eine gute Konstellation ist. Wäre blöd, wenn einer morgens schon früh in den Startlöchern ist und der andere nicht aus dem Quark kommt.

Nach dem verpflegungstechnisch eher suboptimalen gestrigen Tag nutzen wir die Gelegenheit bei Denny´s erstmal ordentlich zu frühstücken. Moons over my Hammy lieben wie beide und bestellen eine Riesenportion.

Außerdem müssen wir ja noch Basketball-Tickets reservieren. Denny´s hat ein stabiles WLAN, was uns dabei gute Dienste leisten soll. Leider ist der Notebook-Akku fast leer und wir fragen die sehr nette Bedienung, ob wir das Notebook an eine Steckdose hängen können, was natürlich kein Problem ist. Diesmal klappt die Buchung. Das wäre also erledigt.

Wir fahren ungefähr 20 Meilen nach Süden und biegen dann rechts ab zum White Sands National Monument. Die Gipsdünen sind immer wieder beeindruckend. Eine geradezu gespenstische Stille liegt über der Wüste. Außer uns ist kein Mensch weit und breit zu sehen.

Endlich finden wir die Gelegenheit mal beide gleichzeitig auf´s Foto zu kommen.

Wir fahren die Parkstraße bis zum Ende und kommen zum Heart of the Sands. Wohin man auch blickt nichts als hellgraue, fast schon weiße Gipsdünen. Der Gips-Sand ist angenehm kühl und es macht Spaß barfuß die hohen Dünen raufzukraxeln. Kein Vergleich zu den atemberaubenden Temperaturen, die hier im Sommer herrschen, und Barfuß-Ausflüge zu einem ziemlich schmerzhaften Unterfangen machen.

Auf dem Rückweg machen wir noch den einen oder anderen Fotostopp. Dass sich in dieser öden Gegend Pflanzen halten, finde ich sehr beeindruckend. Anpassungs-Künstler par excellence.

Etwas nördlich von Alamogordo fahren wir über die NM 82 nach Osten. Highway 82 beginnt hier und führt über mehr als 2500 Kilometer bis zur Atlantikküste in Georgia.

Ganz so weit wollen wir heute nicht - der Carlsbad Caverns Nationalpark ist das nächste Ziel. Die Straße führt hoch hinauf in die Sacramento Mountains und den Mexican Canyon. Die Ausblicke auf die im Westen nur noch als schmales helles Band zu erkennenden weißen Gipsdünen sind sehr schön und wir machen eine kurze Fotopause.

Nach dem Reinfall mit Lotaburger in Alamogordo (wobei wir allerdings das Essen gar nicht beurteilen können, da wir ja vorher schon Reißaus genommen haben), starten wir in Carlsbad einen neuen Versuch mit einer uns unbekannten Restaurantkette.

Sonic heißt diese und das Besondere daran ist, dass es sich um einen reinen Fast-Food-Drive-In handelt. Ein Restaurant gibt es nicht. Auch keine Ausgabeschalter, sondern das Essen wird ans Auto gebracht. Die Auswahl ist riesig und ich bestelle einen sehr leckeren Hot Dog New York Style.

Nach dieser kulinarischen Horizonterweiterung fahren wir weiter zum Carlsbad Caverns Nationalpark. Wir zahlen den Eintritt und fahren mit dem Aufzug nach unten in die Höhle. So bequem hätten es die Entdecker des riesigen Höhlensystems damals wohl gerne gehabt. Natürlich fragt der Ranger im Aufzug alle Besucher, woher sie kommen. Das ist in den USA nun einmal so üblich. Schweigend aneinander vorbei gucken gilt tendenziell als rude. Ralf und ich haben wieder einmal den Sonderpreis für die weiteste Anreise gewonnen.

Im Carlsbad Caverns NP war ich zuletzt 1994 und kann mich daran erinnern, dass ich damals mit in speziellen Schutzbeuteln verpackten 1000 ASA-Diafilmen unterwegs war um in der Finsternis der Höhle wenigstens irgendetwas schemenhaft auf´s Bild zu bekommen.

Heute sind wir technisch um Lichtjahre weiter und auf der self-guided Big Room Tour gelingt so manches Foto aus der Hand. Dem genialen Bildstabilisator meiner OM-D E-M5 sei Dank.

Für Höhlen konnte ich mich allerdings noch nie so richtig erwärmen, was vielleicht den für Fotos ungünstigen Lichtverhältnissen geschuldet ist. Nach einer guten Stunde haben wir genug gesehen und fahren wieder mit dem Aufzug über Tage.

Das Visitor Center des Nationalparks liegt relativ hoch und von oben hat man einen schönen Blick auf das sich vor einem ausbreitende Flachland. Wir machen ein paar Fotos und fahren dann durch den schönen Walnut Canyon zurück Richtung Carlsbad.

Durch sehr eintönige vegetationsarme Landschaft geht es weiter Richtung Süden. Hin und wieder ein paar Kakteen links und rechts der kerzengeraden Straße und ansonsten Weite, Langeweile, Weite, Langeweile. Das einzige Gute an der Fahrt ist, dass wir ziemlich laut Musik hören: Manchester Orchestra lassen es so richtig krachen und wir überschreiten bereitwillig jede Geschwindigkeitsbegrenzung.

Wir erreichen Pecos am späten Nachmittag und sind wenig beeindruckt. Eher erschrocken. Hatten wir zuvor mit dem Gedanken gespielt eventuell hier zu übernachten, streichen wir diesen Plan spontan. Ehrlich gesagt möchte ich hier nicht tot über dem Zaun hängen geschweige denn lebend mehr Zeit als unbedingt nötig verbringen.

Wir fahren auf den Interstate 20 Richtung Osten. Richtung Dallas, um genau zu sein, denn bis dorthin wollen wir die I 20 nicht mehr verlassen. Der letzte Teil unserer Tour bricht an.

Nachdem wir Pecos rigoros aus unseren Plänen und Gedächtnissen gestrichen haben, nehmen wir uns vor in Midland, ungefähr eine Autostunde östlich von Pecos, ein Motel zu suchen.

Midland ist keine kleine Stadt und die Auswahl an Motel und Hotels ist relativ groß. Wo wir auch fragen, schallt uns jedoch ein entschlossenes No vacancy! entgegen. Das gibt´s doch gar nicht. Absolut nichts zu machen. Ok, gehen wir erst einmal essen und zwar im Outback Steakhouse.

Anschließend checken wir noch zwei Hotels und überall das gleiche Resultat - abgesehen davon, dass eine wenig luxuriös aussehende Herberge für 250 USD noch ein Zimmer frei hätte. Wäre bestimmt nicht die Präsidentensuite gewesen und wir lehnen dankend ab.

Wir suchen eine Alternative und haben Erfolg. Denken wir jedenfalls. Ein heruntergekommen aussehendes Billigmotel, welches selbst unglaublicher Weise voll belegt ist, vermietet offenbar noch ein paar Zimmer woanders im Ort. Man händigt uns einen Schlüssel aus um das Zimmer, dessen Lage uns beschrieben wurde, zu inspizieren. Ganz geheuer ist uns diese Geschäftspraxis nicht, aber wir fahren hin.

Was wir sehen, spottet jeglicher Beschreibung. Das "Zimmer" spricht dieser Bezeichnung Hohn und soll aber selbstbewusste 75 USD kosten. Plus Tax selbstredend. Keine Ahnung, ob die Drogen inklusive sind, oder ob wir die in einer der dunklen Ecken des Parkplatzes separat erwerben sollen. Nichts wie weg hier! So verzweifelt kann man gar nicht sein, um hier zu bleiben. Zur Not pennen wir eben im Auto.

Wir liefern den Schlüssel wieder ab, was achselzuckend aber nicht wirklich überrascht zur Kenntnis genommen wird. Vermutlich passen wir nicht so recht in die Zielgruppe dieser Herberge und man ist froh uns wieder los zu sein.

Langsam dämmert mir, was hier los ist. Vor jedem Motel stehen massenweise Pick-Ups. Die sehen alle sehr ähnlich aus, die meisten sind weiß. Manche haben die Aufschrift irgendeiner drilling company. Klar, wir sind hier quasi im Epizentrum des Ölbohrens auf amerikanischem Boden.

Es ist unter der Woche und genau das ist das Problem. Viele Ölarbeiter werden von ihren Arbeitgebern zu den Förderstellen geschickt und blockieren sämtliche Übernachtungsmöglichkeiten. Wegen der riesigen Entfernungen bleiben die Leute mehrere Tage an Ort und Stelle und quartieren sich irgendwo ein. Den Ölgesellschaften scheinen die nicht gerade zimperlichen Preise im westlichen Texas entlang der Interstates dabei wenig Kopfschmerzen zu bereiten.

Uns schon. Wenn wir denn mal irgendwo irgendetwas finden würden. Mittlerweile ist es spät am Abend und nachdem wir die Uhren um eine Stunde auf Central Time Zone vorstellen, geht es auf 23.00 Uhr zu. Wir sind müde und wollen ins Bett.

In Big Spring starten wir noch einige Versuche und bekommen unisono zu hören, dass in der ganzen Region an Werktagen nichts zu machen sei. Oil industry eben. Wir sollen weiter nach Osten fahren, da würde es dann nach und nach besser werden.

Also geht es weiter Richtung Abilene. Überall sehen wir rote Blinklichter am Horizont. Das sind die Förderanlagen, die nachts beleuchtet werden wir die Landebahn eines Großflughafens. Um uns herum ist alles schwarz aber Tausende kleine rote Lämpchen senden Zeichen menschlicher Zivilisation in die öde Landschaft. Ein interessanter Anblick.

In Sweetwater schließlich werden wir fündig. Es ist schon kurz nach Mitternacht und die Vermieter des schwer nach Absteige aussehenden Motels liegen schon in seligen Träumen. Wir machen sie wach und können ein Zimmer beziehen. Dieses liegt direkt neben einer defekten und ohrenbetäubenden Lärm veranstaltenden Eismaschine und ist daher absolut inakzeptabel. Keine Minute würde ich hier ein Auge zumachen können.

Also muss unser Herbergsvater bzw. -mutter noch mal dran glauben und aus den Federn. Diesmal bekommen wir ein besseres Zimmer, welches zwar einen spartanischen Eindruck macht aber wenigstens sauber ist.

Dumm nur, dass ich in dem anderen Zimmer offenbar meinen Brustbeutel vergessen habe. Also muss ich nochmal zurück zum Nachtschalter und klingele: Langsam ist es mir peinlich, aber die Vermieterin nimmt äußerlich gelassen hin, dass ich sie wieder aus dem Bett schmeiße. Sie verschwindet wortlos, nachdem ich ihr mein Problem geschildert habe. Wo ist sie bloß hin? Wehe die kassiert mein Hab und Gut ein. Ich warte und als sie zurückkehrt, händigt sie mir meinen Brustbeutel wortlos aus.

Gute Nacht allerseits.