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Paderquellen - Bär ermittelt

Bücher von Dirk Möller

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Point Reyes National Seashore (CA)

(Letzte Änderung: 6.10.2026)
Auf einen BlickDie Point Reyes National Seashore nördlich von San Francisco gilt als einer der windigsten und nebligsten Küstenabschnitte der US-Pazifikküste – das stimmungsvolle Point Reyes Lighthouse (313 Stufen) war Drehort für John Carpenters „The Fog“. Abseits des Nebels locken weite Strände, Steilküsten, historische Milchranches und die auf einer eigenen tektonischen Platte (San-Andreas-Verwerfung) liegende Halbinsel mit Tule-Elchen und Walbeobachtung.
Beste Reisezeit: ganzjährig; Grauwale Dez.–Mai, Wildblumen im Frühjahr, im Sommer oft neblig
Zeitbedarf: ein Tag
Eintritt: kostenlos, auch das Parken
Anfahrt: ca. 50 km ab San Francisco bis zum Bear Valley Visitor Center, von dort noch ca. 45 Minuten bis zum Leuchtturm

Warum sich Point Reyes nördlich von San Francisco lohnt

Wer an der kalifornischen Küste nicht nur einen schnellen Fotostopp, sondern einen ganzen Tag für Strände, Aussichtspunkte, Wanderungen und Tierbeobachtungen einplanen möchte, ist hier richtig. Die Point Reyes National Seashore verbindet Lighthouse, wilde Pazifikküste, Tule-Elche, historische Ranches und mit dem Earthquake Trail sogar ein Stück anschauliche Geologie – und das alles gut erreichbar von San Francisco aus.

Hollywood-Regisseur John Carpenter hat einige spannende Streifen gedreht: Christine (1983), Das Philadelphia Experiment (1984), Die Klapperschlange (1981) - das sind nur einige Beispiele. Ach halt, ein ganz grandioser Schocker der 1980er Jahre darf nicht fehlen, ein echter Carpenter-Klassiker: The Fog - Nebel des Grauens aus dem Jahr 1980.

Warum erzähle ich das? Weil ein nicht ganz unbedeutender Drehort bei The Fog das Point Reyes Lighthouse war, heute eine Top-Sehenswürdigkeit der gleichnamigen National Seashore, die Jahr für Jahr Touristen aus aller Welt anlockt, von denen bestimmt die wenigsten The Fog jemals gesehen haben. Dass Carpenter Point Reyes als Location für seinen Film erkor, ist nachvollziehbar, denn dieser Küstenabschnitt nördlich von San Francisco ist quasi das Welt-Epizentrum des Nebels, und wer den Leuchtturm besucht, hat gute Chancen auf totale Waschküche.

Der zähe Nebel irritiert nicht nur so manchen Urlauber, der sich auf ein paar schöne Sommersonnenstunden an den kalifornischen Pazifikgestaden freut und stattdessen in klammem, feuchtem Dauergrau landet, sondern hat schon früher vor allem die zur See fahrende Bevölkerung genervt. So meckert der Kaplan der Golden Hinde von Sir Francis Drake, die im Jahr 1579 bei Point Reyes zur Reparatur vor Anker musste, in seinem Logbuch über die allgegenwärtigen "stinking fogges".

Seinen Namen verdankt Point Reyes übrigens dem spanischen Seefahrer Sebastián Vizcaíno: Er sichtete die markanten Klippen im Jahr 1603 und taufte sie "la Punta de los Reyes" (Landspitze der Könige) – benannt nach den Heiligen Drei Königen der katholischen Tradition.

Die United States Coast Guard, und die sollte es eigentlich wissen, schreibt zu dem Thema 'Nebel': "Point Reyes is, by official records, the windiest and foggiest on the Pacific Coast. The station is frequently blanketed by week-long periods of fog and few years pass that do not see violent gales of 75 to 100 mph strike the area." Aha, Starkwinde (gales) gibt es also auch noch regelmäßig. Wie heimelig.

Lighthouse, Strände und die offene Pazifikküste

Das im Jahr 1870 in Betrieb genommene Point Reyes Lighthouse präsentiert sich dem Besucher häufig wie im oberen Bild (1991) und nur mit Glück wie unten (2015); dann sieht man auch das Wasser. Bis zum Leuchtturm selbst führen 313 Stufen hinunter – was bergab noch vertretbar klingt, kostet auf dem Rückweg bei Wind und Nebel durchaus Überwindung:

Point Reyes Lighthouse im dichten Nebel (1991) Point Reyes Lighthouse bei klarer Sicht auf den Pazifik (2015)

Ein paar letzte Worte zum Thema 'Nebel' und dann ist es auch gut: Laut NPS kann es am Lighthouse extrem nebelig und windig werden; bei dichter Suppe sieht man den Leuchtturm manchmal nicht einmal von oben, obwohl man die 313 Stufen noch vor sich hat. Der NPS rechnet mit 5–10 Minuten für den Abstieg und 10–20 Minuten für den Aufstieg. Die Treppe schließt um 16 Uhr und wird bei Windgeschwindigkeiten über 64 km/h (40 mph) komplett gesperrt; die Aussichtsplattform oben bleibt dann trotzdem zugänglich. Aktuelle Öffnungstage nennt die Visitor-Center-Seite des NPS.

Wer einigermaßen gute Sicht vorfindet, wird schnell erkennen, dass die Point Reyes Peninsula, die im Jahr 1962 von Präsident John F. Kennedy zur National Seashore erklärt wurde, mehr zu bieten hat als den zugegeben urigen Leuchtturm. Der blaue Pazifik mit weißen Schaumkronen und fantastische Strände (z.B. der sagenhafte Great Beach, Limantour Beach oder Wildcat Beach) sind in dieser den Elementen so exponierten Gegend die eigentlichen Hingucker. Von den Steilküsten der Halbinsel hat man einen fantastischen Ausblick.

Point Reyes South Beach - endloser Sandstrand unterhalb der Steilküste

Einen ganz besonderen, vielleicht etwas spröden Reiz haben die windgepeitschten baumlosen grasslands der coastal prairie. Diese bieten beste Voraussetzungen für die Rinderwirtschaft und lockten in der Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Farmer an, die hier Milchwirtschaftsbetriebe (dairy ranches) errichteten, die heute historischen Wert haben. Bei einer Fahrt über die Point Reyes Headlands kommt man an verschiedenen dieser Betriebe vorbei, die offenbar alphabetisch bezeichnet wurden (A-Ranch, B-Ranch, C-Ranch usw.).

Über alldem weht fast immer eine kräftige Brise, sodass man selbst an heißen Tagen nicht ins Schwitzen gerät – der Wind und die oftmals starke Brandung sorgen aber auch dafür, dass sich etwaige Ambitionen, baden zu gehen, bei den allermeisten Besuchern schnell in Luft auflösen.

Was viele Besucher nicht wissen: Die Point Reyes Peninsula liegt auf einer anderen tektonischen Platte als das Festland. Die San Andreas Fault verläuft genau durch das Gebiet – erkennbar am langen, schmalen Tomales Bay, der entlang der Verwerfungslinie entstanden ist. Beim großen Erdbeben von 1906 verschob sich die Halbinsel innerhalb von Sekunden rund 6 Meter nach Nordwesten. Am Earthquake Trail nahe dem Bear Valley Visitor Center kann man diesen Versatz heute noch an einem historischen Zaunverlauf ablesen, der damals aus dem Tritt geriet.

Point Reyes North Beach - Brandung mit Schaumkronen am Pazifikstrand

Hiking

Es gibt eine ganze Reihe schöner Wanderwege, drei davon sind besonders erwähnenswert.

Direkt beim Leuchtturm, keine zehn Autominuten entfernt, liegt der Chimney Rock Trail (ca. 2,9 km/1,8 Meilen hin und zurück, leicht, 40–90 Minuten). Er führt zum Elephant Seal Overlook, von wo aus man von Dezember bis März See-Elefanten am Strand beobachten kann, dazu im Frühjahr Wildblumen und von Dezember bis Mai vorbeiziehende Grauwale – an Winterwochenenden stehen dort sogar ehrenamtliche wildlife docents mit Spektiven bereit. Zum Schutz der Jungtiere sind vom 15. Dezember bis 31. März der Strand zwischen der alten Lifeboat Station und Chimney Rock sowie die Straße zum Fish Dock gesperrt.

Im Norden der Halbinsel lockt der Tomales Point Trail durch das Revier der Tule-Elche. Schon die ersten 3,2 km bis Windy Gap (40–60 Minuten) reichen meist für gute Elch-Sichtungen; wer mag, geht weiter bis zur Lower Pierce Ranch (9,6 km, 2–3 Stunden) oder die volle Distanz bis zur Landspitze (15 km, 4–5 Stunden).

Für Ambitionierte: der berühmte, aber lange Weg zu den Alamere Falls ab Bear Valley Trailhead (ca. 23,8 km hin und zurück, mindestens 7,5 Stunden) – ein Wasserfall, der direkt auf den Sandstrand fällt.

Leider bin ich selbst noch keinen dieser Wege gelaufen, das steht für den nächsten Besuch ganz oben auf der Liste. Eine gute Übersicht bietet die offizielle Hiking-Seite des NPS.

Camping

Reguläre Campingplätze gibt es nicht, nur backcountry hike-in und boat-in Camping. Wer campen möchte, weicht am besten auf den Samuel P. Taylor State Park aus, aber dort kann es in der Hochsaison ganz schön voll werden und man muss Glück haben eine freie site zu erwischen.

Wer ohne Zelt übernachten möchte, findet in den kleinen Orten am Rand der National Seashore, etwa Point Reyes Station, Olema und Inverness, Inns, B&Bs und Ferienhäuser. Das Angebot ist überschaubar, an Wochenenden und in der Hauptsaison lohnt es sich, früh zu buchen. Alternativ lässt sich Point Reyes als Tagesausflug von San Francisco aus besuchen.

Directions

Die Point Reyes National Seashore liegt in Kalifornien und deckt die gleichnamige Halbinsel ab, die zwischen dem offenen Pazifik und der Tomales Bay und der Bolinas Lagoon im Osten liegt.

Von San Francisco geht es auf der US-101 über die Golden Gate Bridge und durch die Golden Gate National Recreation Area nach Norden, nach rund 9 Meilen nimmt man die Ausfahrt 450B (Sir Francis Drake Blvd/San Anselmo). Der Sir Francis Drake Boulevard führt etwa 21 Meilen westwärts durch San Anselmo, Fairfax und den Samuel P. Taylor State Park nach Olema; dort kurz rechts auf den Highway 1 und gleich wieder links in die Bear Valley Road zum Bear Valley Visitor Center. Insgesamt sind das rund 31 Meilen (ca. 50 km). Bis zum Leuchtturm kommen laut NPS noch einmal etwa 20 Meilen (ca. 32 km) hinzu, für die man rund 45 Minuten einplanen sollte. Der Parkplatz am Lighthouse hat nur 38 Stellplätze und ist besonders nachmittags schnell voll; Wohnmobile und Gespanne müssen an der Straße parken.

Eine gute Übersicht bieten die offizielle Park-Karte und die Regionalkarte.

GPS-Koordinaten Point Reyes National Seashore

(WGS84, Dezimalgrad, Umrechner: hier):

GPS Point Reyes Lighthouse: 37.996332, -123.020819
GPS Bear Valley Visitor Center: 38.0412, -122.8002
GPS Tomales Point Trailhead: 38.1889, -122.9540

Good to know

Östlich des Point Reyes Light liegt die halbmondförmige Drakes Bay, wo Sir Francis Drake mutmaßlich im Juni 1579 an Land gegangen ist. Eine nicht-asphaltierte Stichstraße führt runter zum Drakes Beach. Leider war ich dort noch nie.

"Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung." Ein bekanntes Sprichwort, das nirgendwo so viel Berechtigung hat wie bei der Point Reyes National Seashore. Was ist aber die richtige Kleidung für eine Region, wo es vielleicht total nebelig, klamm und feucht ist, wo aber vielleicht auch die Sonne zum Vorschein kommt und es richtig warm wird, wo eine steife Brise durch Mark und Bein geht oder aber an einem windgeschützten Plätzchen nur ein laues Lüftchen weht und man ins Schwitzen kommt? Antwort: Zwiebelprinzip! Im Prinzip muss man auf alles gefasst sein und sollte mehrere Schichten Kleidung tragen, derer man sich ggf. nach und nach entledigen kann.

Der NPS warnt an den Stränden ausdrücklich vor sneaker waves, Rip Currents, Unterkühlung und fehlenden Lifeguards. Wer mit dem Pazifik liebäugelt, sollte vorher einen Blick in die Beach-Safety-Broschüre werfen.

Point Reyes ist ein sehr guter Ort für whale watching. Außerdem lebt bei Tomales Point eine heute wieder stattliche Herde seltener Tule-Elche (tule elk). Jahrzehntelang lebte sie hinter einem Zaun; seit Dezember 2024 baut der NPS diesen rund 3,5 km langen Zaun ab, damit sich die Tiere frei bewegen können.

Der Eintritt zur Point Reyes National Seashore ist komplett kostenlos, auch fürs Parken an Trailheads, Stränden und Visitor Centern. Gebühren fallen nur für Übernachtungs-Camping sowie für Sondernutzungen (z.B. Gruppenpicknicks über 25 Personen) an.

Wer von San Francisco kommt, verbindet Point Reyes gut mit Muir Woods – der Redwood-Wald liegt auf dem Weg und lässt sich als Halbtagsausflug problemlos kombinieren. Wer Zeit hat, fährt gleich weiter auf den Mount Tamalpais mit seinem Blick über die Bay Area. Und wer Point Reyes in einen Roadtrip einbaut, landet fast zwangsläufig auf dem Highway One, der die Halbinsel an ihrer Ostseite streift.

Häufige Fragen zu Point Reyes

Wie weit ist Point Reyes von San Francisco entfernt?

Bis zum Bear Valley Visitor Center sind es rund 50 km über die US-101 und den Sir Francis Drake Boulevard. Zum Leuchtturm kommen laut NPS noch etwa 32 km bzw. 45 Minuten Fahrt hinzu.

Was kostet der Eintritt?

Nichts. Eintritt und Parken sind kostenlos, Gebühren fallen nur fürs Camping und für Sondernutzungen an.

Kann man zum Leuchtturm hinunterlaufen?

Ja, über 313 Stufen. Die Treppe schließt um 16 Uhr und ist bei Wind über 64 km/h gesperrt. Die aktuellen Öffnungstage stehen auf der NPS-Seite.

Wann sieht man Wale und See-Elefanten?

Grauwale ziehen von Dezember bis Mai vorbei, Mutter-Kalb-Paare vor allem Ende April und Anfang Mai. See-Elefanten liegen von Dezember bis März am Strand unterhalb des Elephant Seal Overlook am Chimney Rock Trail.

Kann man in Point Reyes baden?

Eher nicht. Das Wasser ist kalt, es gibt Rip Currents und sneaker waves und keine Rettungsschwimmer. Der NPS rät ausdrücklich zur Vorsicht.

Wie viel Zeit sollte man einplanen?

Einen ganzen Tag. Allein die Fahrt zum Leuchtturm und zurück dauert ab Bear Valley rund anderthalb Stunden, dazu kommen Stopps an Stränden, Chimney Rock oder Tomales Point.

My Visits

Point Reyes haben wir 1991 und 2015 besucht. Dazwischen lagen einige "Annäherungsversuche", die wir wegen dichten Nebels abgebrochen haben.

My Rating

Die Point Reyes National Seashore liegt vor den Toren der Weltstadt San Francisco und doch ist man dort quasi in einer anderen Welt.

Die Natur wirkt weitgehend unberührt und der gewaltige Pazifik lässt den Besucher ganz klein und schwächlich erscheinen, wenn dieser am Strand steht und überlegt, ob er oder sie (abgesehen von der Kälte der See) bei einem Bad die Brandung überleben würde.

Einfach grandios.

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