Point Reyes National Seashore (CA)
(Letzte Änderung: 6.07.2026 @ 9:52)Point Reyes Lighthouse und Pazifikküste in Kalifornien
Hollywood-Regisseur John Carpenter hat einige spannende Streifen gedreht: Christine (1983), Das Philadelphia Experiment (1984), Die Klapperschlange (1981) - das sind nur einige Beispiele. Ach halt, ein ganz grandioser Schocker der 1980er Jahre darf nicht fehlen, ein echter Carpenter-Klassiker: The Fog - Nebel des Grauens aus dem Jahr 1980.
Warum erzähle ich das? Weil ein nicht ganz unbedeutender Drehort bei The Fog das Point Reyes Lighthouse war, heute eine Top-Sehenswürdigkeit der gleichnamigen National Seashore, die Jahr für Jahr Touristen aus aller Welt anlockt, von denen bestimmt die wenigsten The Fog jemals gesehen haben. Dass Carpenter Point Reyes als Location für seinen Film erkor, ist nachvollziehbar, denn dieser Küstenabschnitt nördlich von San Francisco ist quasi das Welt-Epizentrum des Nebels, und wer den Leuchtturm besucht, hat gute Chancen auf totale Waschküche.
Der zähe Nebel irritiert nicht nur so manchen Urlauber, der sich auf ein paar schöne Sommersonnenstunden an den kalifornischen Pazifikgestaden freut und stattdessen in klammem, feuchtem Dauergrau landet, sondern hat schon früher vor allem die zur See fahrende Bevölkerung genervt. So meckert der Kaplan der Golden Hinde von Sir Francis Drake, die im Jahr 1579 bei Point Reyes zur Reparatur vor Anker musste, in seinem Logbuch über die allgegenwärtigen "stinking fogges".
Seinen Namen verdankt Point Reyes übrigens dem spanischen Seefahrer Sebastián Vizcaíno: Er sichtete die markanten Klippen im Jahr 1603 und taufte sie "la Punta de los Reyes" (Landspitze der Könige) – benannt nach den Heiligen Drei Königen der katholischen Tradition.
Die United States Coast Guard, und die sollte es eigentlich wissen, schreibt zu dem Thema 'Nebel': "Point Reyes is, by official records, the windiest and foggiest on the Pacific Coast. The station is frequently blanketed by week-long periods of fog and few years pass that do not see violent gales of 75 to 100 mph strike the area." Aha, Starkwinde (gales) gibt es also auch noch regelmäßig. Wie heimelig.
Das im Jahr 1870 in Betrieb genommene Point Reyes Lighthouse präsentiert sich dem Besucher häufig wie im oberen Bild (1991) und nur mit Glück wie unten (2015); dann sieht man auch das Wasser. Bis zum Leuchtturm selbst führen 308 Stufen hinunter – was bergab noch vertretbar klingt, kostet auf dem Rückweg bei Wind und Nebel durchaus Überwindung:
Nebel, Strände und Point Reyes Headlands
Ein paar letzte Worte zum Thema 'Nebel' und dann ist es auch gut: Laut NPS kann es am Lighthouse extrem nebelig und windig werden; bei dichter Suppe sieht man den Leuchtturm manchmal nicht einmal von oben, obwohl man die fast 300 Stufen noch vor sich hat.
Wer einigermaßen gute Sicht vorfindet, wird schnell erkennen, dass die Point Reyes Peninsula, die im Jahr 1962 von Präsident John F. Kennedy zur National Seashore erklärt wurde, mehr zu bieten hat als den zugegeben urigen Leuchtturm. Der blaue Pazifik mit weißen Schaumkronen und fantastische Strände (z.B. der sagenhafte Great Beach, Limantour Beach oder Wildcat Beach) sind in dieser den Elementen so exponierten Gegend die eigentlichen Hingucker. Von den Steilküsten der Halbinsel hat man einen fantastischen Ausblick.
Einen ganz besonderen, vielleicht etwas spröden Reiz haben die windgepeitschten baumlosen grasslands der coastal prairie. Diese bieten beste Voraussetzungen für die Rinderwirtschaft und lockten in der Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Farmer an, die hier Milchwirtschaftsbetriebe (dairy ranches) errichteten, die heute historischen Wert haben. Bei einer Fahrt über die Point Reyes Headlands kommt man an verschiedenen dieser Betriebe vorbei, die offenbar alphabetisch bezeichnet wurden (A-Ranch, B-Ranch, C-Ranch usw.).
Über alldem weht fast immer eine kräftige Brise, sodass man selbst an heißen Tagen nicht ins Schwitzen gerät – der Wind und die oftmals starke Brandung sorgen aber auch dafür, dass sich etwaige Ambitionen, baden zu gehen, bei den allermeisten Besuchern schnell in Luft auflösen.
Was viele Besucher nicht wissen: Die Point Reyes Peninsula liegt auf einer anderen tektonischen Platte als das Festland. Die San Andreas Fault verläuft genau durch das Gebiet – erkennbar am langen, schmalen Tomales Bay, der entlang der Verwerfungslinie entstanden ist. Beim großen Erdbeben von 1906 verschob sich die Halbinsel innerhalb von Sekunden rund 6 Meter nach Nordwesten. Am Earthquake Trail nahe dem Bear Valley Visitor Center kann man diesen Versatz heute noch an einem historischen Zaunverlauf ablesen, der damals aus dem Tritt geriet.
Hiking
Es gibt eine ganze Reihe schöner Wanderwege, drei davon sind besonders erwähnenswert.
Direkt beim Leuchtturm, keine zehn Autominuten entfernt, liegt der Chimney Rock Trail (ca. 2,9 km/1,8 Meilen hin und zurück, leicht, 40–90 Minuten). Er führt zum Elephant Seal Overlook, von wo aus man von Dezember bis März See-Elefanten am Strand beobachten kann, dazu im Frühjahr Wildblumen und von Januar bis Mai vorbeiziehende Grauwale – an Winterwochenenden stehen dort sogar ehrenamtliche wildlife docents mit Spektiven bereit.
Im Norden der Halbinsel lockt der Tomales Point Trail durch die Tule-Elch-Reserve. Schon die ersten 3,2 km bis Windy Gap (40–60 Minuten) reichen meist für gute Elch-Sichtungen; wer mag, geht weiter bis zur Lower Pierce Ranch (9,6 km, 2–3 Stunden) oder die volle Distanz bis zur Landspitze (15 km, 4–5 Stunden).
Für Ambitionierte: der berühmte, aber lange Weg zu den Alamere Falls ab Bear Valley Trailhead (ca. 23,8 km hin und zurück, mindestens 7,5 Stunden) – ein Wasserfall, der direkt auf den Sandstrand fällt.
Leider bin ich selbst noch keinen dieser Wege gelaufen, das steht für den nächsten Besuch ganz oben auf der Liste. Eine gute Übersicht bietet die offizielle Hiking-Seite des NPS.
Camping
Reguläre Campingplätze gibt es nicht, nur backcountry hike-in und boat-in Camping. Wer campen möchte, weicht am besten auf den Samuel P. Taylor State Park aus, aber dort kann es in der Hochsaison ganz schön voll werden und man muss Glück haben eine freie site zu erwischen.
Directions
Die Point Reyes National Seashore liegt in Kalifornien und deckt die gleichnamige Halbinsel ab, die zwischen dem offenen Pazifik und der Tomales Bay und der Bolinas Lagoon im Osten liegt.
GPS-Koordinaten Point Reyes National Seashore
(WGS84, Dezimalgrad, Umrechner: hier):
GPS Point Reyes Lighthouse: 37.996332, -123.020819
Good to know
Östlich des Point Reyes Light liegt die halbmondförmige Drakes Bay, wo Sir Francis Drake mutmaßlich im Juni 1579 an Land gegangen ist. Eine nicht-asphaltierte Stichstraße führt runter zum Drakes Beach. Leider war ich dort noch nie.
"Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung." Ein bekanntes Sprichwort, das nirgendwo so viel Berechtigung hat wie bei der Point Reyes National Seashore. Was ist aber die richtige Kleidung für eine Region, wo es vielleicht total nebelig, klamm und feucht ist, wo aber vielleicht auch die Sonne zum Vorschein kommt und es richtig warm wird, wo eine steife Brise durch Mark und Bein geht oder aber an einem windgeschützten Plätzchen nur ein laues Lüftchen weht und man ins Schwitzen kommt? Antwort: Zwiebelprinzip! Im Prinzip muss man auf alles gefasst sein und sollte mehrere Schichten Kleidung tragen, derer man sich ggf. nach und nach entledigen kann.
Der NPS warnt an den Stränden ausdrücklich vor sneaker waves, Rip Currents, Unterkühlung und fehlenden Lifeguards. Wer mit dem Pazifik liebäugelt, sollte vorher einen Blick in die Beach-Safety-Broschüre werfen.
Point Reyes ist ein sehr guter Ort für whale watching. Außerdem lebt bei Tomales Point eine heute wieder stattliche Herde seltener Tule-Elche (tule elk).
Wer von San Francisco kommt, verbindet Point Reyes gut mit Muir Woods – der Redwood-Wald liegt auf dem Weg und lässt sich als Halbtagsausflug problemlos kombinieren.
My Visits
Point Reyes haben wir 1991 und 2015 besucht. Dazwischen lagen einige "Annäherungsversuche", die wir wegen dichten Nebels abgebrochen haben.
My Rating
Die Point Reyes National Seashore liegt vor den Toren der Weltstadt San Francisco und doch ist man dort quasi in einer anderen Welt.
Die Natur wirkt weitgehend unberührt und der gewaltige Pazifik lässt den Besucher ganz klein und schwächlich erscheinen, wenn dieser am Strand steht und überlegt, ob er oder sie (abgesehen von der Kälte der See) bei einem Bad die Brandung überleben würde.
Einfach grandios.
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