Red Rock Country (Sedona) (AZ)
(Letzte Änderung: 28.07.2026 @ 23:27)Sedona und NEW AGE
Sedona ist die Stadt der Spinner!
Was ich schon lange vermutet hatte, erschien 2011 Schwarz auf Weiß im MERIAN-Magazin (Link nicht mehr auffindbar). Hier eine Kostprobe: "UFO-Center, Auraleser, energiegeladene Kristalle und ein übersinnliches Medium an fast jeder Straßenecke: Agent Fox Mulder aus der Mystery-Fernsehserie "Akte X" hätte sich in Sedona extrem wohl gefühlt."
Natürlich sehen das die Protagonisten ganz anders und sprechen entrückt von New Age. Sedona sei gewissermaßen ein Zentrum der New Age Bewegung, denn man befindet sich hier - ich zitiere weiter - "... in einem spirituellen Paradies. Vier sogenannte Vortices [sic!] soll es in und um Sedona geben. Den mystischen Energiestrudeln werden kraftvolle Eigenschaften zugerechnet. So sollen die Vortices nicht nur beim Meditieren und bei der Kontaktaufnahme zu jedweder Gottheit behilflich sein, sondern auch Visionen auslösen."
Aha.
Jetzt mal ganz sachlich - NEW AGE!
Die New-Age-Bewegung ist eine facettenreiche spirituelle Strömung, die Elemente aus westlicher Esoterik (u. a. Theosophie) mit östlichen Religionen wie Hinduismus und Buddhismus verbindet. Sie geht von einem bevorstehenden oder bereits begonnenen "neuen Zeitalter" erweiterten Bewusstseins aus - oft als "Zeitalter des Wassermanns" (Age of Aquarius) bezeichnet. Erste Vordenkerin war die Theosophin Helena Blavatsky, die bereits Ende des 19. Jahrhunderts ein kommendes neues Zeitalter verkündete; als breite internationale Bewegung formierte sich New Age in den 1970er- und 1980er-Jahren, mit Ursprung in theosophischen Gruppen in Großbritannien (Quelle: Encyclopaedia Britannica).
Sedonas Ruf als New-Age-Zentrum geht auf die Hellseherin Page Bryant zurück, die hier ab Ende der 1970er-Jahre lebte und 1980 den Begriff "Vortex" für bestimmte Orte im roten Felsgestein prägte - Stellen, denen sie besondere energetische Eigenschaften zuschrieb, darunter Bell Rock, Cathedral Rock und Boynton Canyon. Die Idee verbreitete sich in der wachsenden New-Age-Szene der USA und machte Sedona zum Wallfahrtsort. Endgültig gefestigt wurde dieser Ruf durch die "Harmonic Convergence" 1987, ein weltweit koordiniertes Meditationsereignis, zu dem laut Berichten mehr als 5.000 spirituell Suchende nach Sedona kamen (Quellen: KJZZ, Arizona Public Radio, Arizona Highways).
Ob die postulierten energetischen Effekte der Vortices wissenschaftlich nachweisbar sind, ist unter Naturwissenschaftlern nicht anerkannt. Unbestritten ist aber, dass die vier Vortex-Stätten seit den 1980er-Jahren fester Bestandteil des Sedona-Tourismus sind - mit eigenen geführten Touren, Kristallläden und spirituellen Zentren mitten in Uptown Sedona.
Ob das alles Quatsch ist oder nicht, ist gar nicht so wichtig, denn, New Age hin oder her, die Fans strömen in Scharen in die im Jahre 1902 von Carl und Sedona Schnebly gegründete Ortschaft. Manche auf spirituellen Selbstfindungs-Abwegen, manche, weil Sedona einfach hip ist, manche auf der Suche nach kreativem Input (Sedona ist auch in Künstler- und Schriftstellerkreisen sehr beliebt), die meisten aber doch wohl wegen der Landschaft, die - darüber herrscht ausnahmsweise Einigkeit - betörend schön und beinahe einzigartig ist.
Die Stadt liegt mitten im red rock country, umgeben von Felsmonolithen, die im Abendlicht oder morgens in knallig-kitschigen Orange- und Rottönen leuchten. Wenn das Licht gut ist, herrscht eine geradezu magische Atmosphäre, der man sich kaum entziehen kann.
Ein Beispiel: Bell Rock (frühmorgens fotografiert)
Red Rock Country: Aussichtspunkte zwischen Bell Rock und Cathedral Rock
Eine beliebte Kulisse für Hochzeitsfotos ist der Cathedral Rock, den man am besten von der Crescent Moon Picnic Area ablichtet. In der Nähe des Eingangsbereichs geht man zu den stepping stones an der Red Rock Crossing und hat dann den Oak Creek im Bildvordergrund. (Ich darf nicht verschweigen, dass die Crescent Moon Picnic Area, genauer gesagt Buddha Beach, auch eine der besagten vier New Age Vortex Sites Sedonas ist.)
Die landschaftlichen Vorzüge Sedonas sind auch den Filmemachern Hollywoods nicht verborgen geblieben. Seit den 1920er Jahren wurden in und um Sedona zahlreiche Western und andere Filme gedreht, was der Entwicklung der Stadt bzw. dem Stadtsäckel kaum zum Nachteil gereicht haben dürfte.
Extravaganzen gibt es in Sedona viele und so wundert es nicht, dass die in gewagter Manier in eine steile Felswand gebaute Chapel of the Holy Cross durch das Empire State Building inspiriert wurde. Hierzulande werden Kirchen gotisch, barock oder weiß der Kuckuck in welchem Stil gebaut, in Sedona nach dem Vorbild eines Wolkenkratzers. Der Blick aus dem Mittelschiff der Kirche ist jedenfalls spektakulär.
Geologie und bekannte Felsformationen
Die Gesteinsschichten um Sedona gehören zur selben Abfolge wie im Grand Canyon und dokumentieren rund 330 Millionen Jahre Erdgeschichte – von der Redwall-Kalkstein-Schicht am tiefsten Punkt (ca. 330 Mio. Jahre, abgelagert auf einem tropischen Meeresboden) bis zur Basaltkappe am Rand des Colorado Plateaus (9–15 Mio. Jahre alte Lavaflüsse) (Quelle: sedona.net). Die charakteristischen roten Felsen bestehen größtenteils aus der Schnebly-Hill-Formation: ein 240–300 m dicker, dunkelroter Sandstein aus der Permzeit (vor rund 286–273 Millionen Jahren), entstanden aus Küstendünen am Rand des urzeitlichen Pedregosa-Meeres. Die rote Färbung stammt von Hämatit, also Eisenoxid (Quelle: Wikipedia). Darüber liegt der hellere, windverwehte Coconino-Sandstein – im Grunde versteinerte Sanddünen. Einige der bekanntesten Landmarken wie Bell Rock und Courthouse Butte bestehen dagegen aus der noch älteren Supai-Formation, die unter der Schnebly-Hill-Schicht liegt.
In den Karten unten stehen zu jeder Formation zwei Höhenangaben: die Höhe über dem Meeresspiegel und die Prominenz. Prominenz ist der Höhenunterschied zwischen dem Gipfel und dem höchsten Sattelpunkt, den man überqueren müsste, um zu einem noch höheren Berg zu gelangen. Einfacher gesagt: Sie zeigt, wie eigenständig und markant ein Fels aus seiner Umgebung herausragt – unabhängig davon, wie hoch er in absoluten Metern über dem Meer liegt.
Prominenz: 87 m (284 ft)
Gestein: Schnebly-Hill-Formation
Eine der meistfotografierten Sehenswürdigkeiten Arizonas. Die markanten Spitzen entstanden entlang natürlicher Gesteinsklüfte, zusätzlich geformt durch einen längst erodierten Vulkan aus einer ca. 12,8 Mio. Jahre alten Ganggesteins-Phase (Quellen: Wikipedia, Arizona Geological Survey).
Prominenz: 146 m (479 ft)
Gestein: Supai-Formation
Freistehende Butte nördlich von Village of Oak Creek, benannt nach der glockenartigen Form. Ein moderater Trail führt auf ein Plateau; der eigentliche Gipfel erfordert unmarkiertes, anspruchsvolleres Gelände (Quelle: Wikipedia).
Prominenz: 296 m (971 ft)
Gestein: Supai-Formation
Direkter Nachbar von Bell Rock, beliebtes Rock-Climbing-Ziel (Routen von 5.6 bis 5.11+). Erste dokumentierte Besteigung bereits Anfang des 20. Jahrhunderts (Quelle: Wikipedia).
Prominenz: 443 m (1.455 ft)
Gestein: Coconino-Sandstein über Schnebly-Hill-Formation
Höchste markante Erhebung direkt über West Sedona. Offizieller Name seit 1971, unter Einheimischen aber meist „Thunder Mountain“ genannt (Quelle: Wikipedia).
Am rutschigen Wasser-Chute im Slide Rock State Park im Oak Creek Canyon ist die Glätte übrigens keine Slickrock-Erosion, sondern kommt schlicht von Algenbewuchs auf dem Sandstein. Der Begriff Slickrock für freiliegende, glatt erodierte Sandsteinflächen wird trotzdem für Teile des Geländes rund um Sedona verwendet – etwa in Beschreibungen der Mountainbike-Trails, die neben Singletrack immer wieder über genau solche Slickrock-Passagen führen (Quelle: Singletracks).
Hiking
Sedona ist ein Wanderparadies. Nicht umsonst wird Sedona als America’s Day Hike Capital bezeichnet. Große Worte, aber wahre Worte. Mit deutlich über 100 Trails in der Region ist die Auswahl jedenfalls riesig.
Getreu dem Motto "Was man nicht mit dem Kleingeld von Schritten bezahlt hat, hat man nicht wirklich gesehen." (frei nach Erich Kästner) wäre es schade nur die vielen Restaurants, Galerien Souvenir- oder Schnickschnackläden von Uptown Sedona spazierengehend zu erkunden. Es gibt so viele schöne Wanderwege. Ein paar kenne ich persönlich:
Chuckwagon Trail/Devil's Bridge Trail (via Mescal Parking Area):
Von der Mescal Parking Area an der Long Canyon Road führt ein schmaler Trampelpfad Richtung Süden, der nach kurzer Zeit auf den Chuckwagon Trail stößt. Diesem folgt man nach links und dann den Schildern, die den Devil's Bridge Trail anzeigen.
Der Devil's Bridge Trail geht auf einer Länge von gut einer Meile zunächst sanft bergauf und wird dann richtig steil mit einigen in den Fels gehauenen Stufen. Spätestens hier fließt der Schweiß in Strömen. Man erreicht eine ridge und die Devil's Bridge liegt vor einem.
Fay Canyon Trail:
Ungefähr 1,25 Meilen lang führt dieser Weg vom Parkplatz an der Boynton Pass Road in den Fay Canyon. Interessante Vegetation, schöne views auf den Bear Mountain am Ende des trails.
Bell Rock Trail:
Der Weg zweigt vom Bell Rock Pathway ab (Parkplatz: Courthouse Vista Parking) und geht dann an der Westflanke des Bell Rocks hoch. Der trail ist hier mit cairns markiert, allerdings hatte ich einige Schwierigkeiten die richtige Route zu finden. Nähere Infos.
Bei thewave.info gibt es eine hervorragende Übersicht über mehr als 100 trails in der Sedona Area. Das Ganze mit KML- und GPX-Tracks zum Download!
Directions
Sedona liegt in Arizona, ungefähr 30 Meilen südlich von Flagstaff. Der 23 Meilen lange, nicht durchgehend asphaltierte, Red Rock/Sycamore Canyon Loop Scenic Drive führt entlang spektakulärer Felsformationen.
Hier der Streckenverlauf:
GPS-Koordinaten Red Rock Country (Sedona)
(WGS84, Dezimalgrad, Umrechner: hier)
Fay Canyon Parking: 34.901900, -111.857209
Chapel of the Holy Cross: 34.831979, -111.766732
Mescal Parking Area: 34.901777, -111.826782
Courthouse Vista Parking: 34.806108, -111.766506
Red Rock Crossing: 34.8249, -111.81
Good to know
Im Norden Sedonas bietet der dicht bewaldete Oak Creek Canyon mit seinem satten Grün einen schönen farblichen Kontrast zu den roten Felsen. Hier gibt es einige sehr schöne State Parks, z.B. den Slide Rock State Park. Im Süden, Richtung Cottonwood, liegen diverse National Monuments (z.B. Montezuma Castle NM, Tuzigoot NM) in Reichweite für einen Ausflug.
Nicht den Verkehr in Sedona unterschätzen! Von Norden kommend gibt es auf Highway 89A gerne mal einen Stau, bevor man überhaupt in Sedona ist. Viele beliebte Trailheads sind außerdem an Wochenenden früh voll und brauchen einen Red Rock Pass oder einen Interagency Pass. An einzelnen concessionaire sites gilt stattdessen der Coconino Pass. Bloß nicht auf den letzten Drücker losfahren, wenn man zum Sonnenuntergang den Cathedral Rock fotografieren möchte.
Bei hohem Andrang lohnt ein Blick auf das Sedona-Shuttle-System mit Park-&-Ride-Konzept für stark frequentierte Trailheads: sedonashuttle.com.
My Visits
In Sedona war ich 1994, 2007 und 2016.
Die Gegend ist malerisch schön - um das zu erkennen muss man nicht mal New Age sein. Old School reicht vollkommen.
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