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Okefenokee NWR (GA)

(Letzte Änderung: 26.01.2023 @ 8:23)

1.627 km² Sumpf sind schon eine Hausnummer, finde ich.

Das ist so groß wie knapp 230.000 Fußballfelder. Oder viermal Köln. Oder knapp doppelt so groß wie Berlin. Oder siebenmal so groß wie der Nationalpark Bayerischer Wald. Nur so zum Vergleich.

1.627 km² Okefenokee National Wildlife Refuge - das sind riesige Sumpfwälder durchsetzt mit düster wirkenden moorartigen Wasserflächen und Inseln so weit das Auge reicht. Die Indianer nannten die Region bubbling water oder Land of the Trembling Earth. Von der sprichwörtlichen Südstaaten-Romantik ist hier rein gar nichts zu sehen. Okefenokee ist Wildnis und auf eigene Faust schwer zugänglich.

Die Sümpfe wirken an einem nebligen Tag mit Nieselregen, wie ich ihn 2014 erlebt habe, geheimnisvoll und abweisend. Sogar ein wenig feindselig. Als wollten sie dem Eindringling bedeuten: "Halt. Keinen Schritt weiter." Zu Fuß ist abgesehen von einem boardwalk, der zu einem Aussichtspunkt auf Chesser Island führt, und ein paar anderen kurzen befestigten hiking trails kein Durchkommen. Straßen gibt es kaum und nicht eine einzige durchquert das gesamte Gebiet. Wer Okefenokee näher erkunden möchte, kann eine mehrtägige Kayaktour entlang ausgewiesener water trails machen oder die bequeme Variante an Bord eines Tourboots wählen.

Okefenokee

An manchen Stellen ragen abgestorbene und langsam vor sich hinfaulende Baumstumpen wie knöcherne Mahnmale aus Tümpeln hervor, die die Farbe zu lange gezogenen schwarzen Tees haben und für das Auge undurchdringlich sind. Man sieht keine zwei Zentimeter in die Tiefe, obwohl das Wasser glasklar ist. Das liegt an bestimmten pflanzlichen Gerbstoffen (Tannine), die sich im Wasser auflösen und für die mahagoniähnliche Färbung sorgen.

Okefenokee

Kaum vorstellbar, dass man freiwillig in dieser unwirtlichen Gegend leben und den Myriaden Mosquitoes in den Sommermonaten trotzen möchte. Von den geschätzt 15.000 Alligatoren und den vielen Schlangen (rattlesnakes, king snakes, copperheads, grass snakes, coral snakes) ganz zu schweigen. Eignen sich allesamt kaum als Haustiere.

Auch das Klima lädt nicht gerade zum längeren Verweilen ein. Im Sommer dampfen die Wälder in der schwülen Hitze und die Körperkerntemperatur der hoffentlich mit mosquitoe repellant der Marke Extra-Strong ausgerüsteten Besucher nähert sich der roten Zone. Hmm, in Strömen fließender Schweiß und Mückenspray - eine göttliche Kombination.

Von solchen Dingen offenbar unbeeindruckt gab es eine besondere Spezies Einsiedler, die sich ausgerechnet hier - in einem der abgelegensten Sumpfgebiete des amerikanischen Südens - dauerhaft niederließen. W.T. Chesser war so ein Hartgesottener, der seit den späten 1880er Jahren am südöstlichen Rand des swamps mit seiner Familie lebte. Hoffentlich auch mit dem Segen der Gattin.

In der Nähe des Hauses von Chesser Senior baute im Jahr 1927 einer seiner Söhne, Tom Chesser, zusammen mit seiner Frau Iva ein Holzhaus. Die beiden pflanzten Mais, Zuckerrohr und Tabak und lebten von dem, was ihre Farm hergab. Ihr Anwesen - das Chesser Homestead - blieb in nahezu unverändertem Zustand bis heute erhalten und kann besichtigt werden. Drinnen sieht es aus wie in einem Museum.

Der Hof vor dem Haus wurde von sämtlicher Vegetation befreit, um die Feuergefahr so reduzieren und dafür zu sorgen, dass Schlangen besser sichtbar sind.

Okefenokee Okefenokee

Directions

Das Okefenokee NWR liegt im äußersten Südosten von Georgia. Angesichts der riesigen Dimensionen des Schutzgebiets, verwundert es nicht, dass es mehrere Eingänge gibt: Fünf, um genau zu sein. Der am häufigste benutzte Eingang (East Entrance) liegt 11 Meilen südwestlich von Folkston.

Weitere Infos mit Wegbeschreibungen finden sich auf der Website des U.S. Fish & Wildlife Service.

GPS-Koordinaten Okefenokee NWR

(WGS84, Dezimalgrad, Umrechner: hier)

GPS Chesser Boardwalk Lookout Tower: 30.710583 -82.17165
GPS Chesser Homestead: 30.715390, -82.155384
GPS Richard S. Bolt Visitor Center: 30.738701, -82.140006

My Visits

1994 waren wir im Norden des Parks. 2014 haben wir dann die südöstliche Ecke besucht.

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Man muss ja nicht gleich für immer bleiben, aber ein Besuch des Okefenokee Swamps ist sicherlich einer der Höhepunkt einer Rundreise durch den amerikanischen Süden.

Aber bloß nicht die Anti-Mosquitoe-Kampfausrüstung vergessen.