headerbildmobil1 headerbildmobil2 headerbildmobil3 headerbildmobil4 headerbildmobil1
Logo

Golden Gate National Recreation Area (CA)

(Letzte Änderung: 11.09.2018 @ 18:10)

Vielleicht erwarten Sie an dieser Stelle eine der üblichen Elogen auf eines der berühmtesten Bauwerke der Welt - und gleichzeitig eines der größten Wahrzeichen Amerikas. Da muss ich Sie leider enttäuschen.

Klar, die Golden Gate Bridge ist fantastisch, man sollte sie gesehen haben. Ein Spaziergang bei dichtem Nebel über die Brücke ist genauso ein Erlebnis wie der Blick vom Nordende auf Downtown am späten Nachmittag. Dann steht die Sonne rechter Hand in perfektem Winkel über dem glitzernden Pazifik und beleuchtet die gewaltigen roten Brückenpfeiler, die so schön mit dem dunklen Blau des Ozeans kontrastieren. Die Skyline...

Stopp. Sonst wird es doch noch eine Eloge.

Leider ist die Golden Gate Bridge hier nicht Thema, denn trotz der Namensverwandtheit gehört sie nicht zur Golden Gate NRA. Die Brücke steht unter kommunaler Verwaltung San Franciscos, was Sie spätestens dann merken, wenn Sie hier mautmäßig zur Kasse gebeten werden. Auch der weltbekannte Golden Gate Park ist nicht Teil der Golden Gate National Recration Area, sondern städtischer Grund und Boden.

Das ist zwar etwas ernüchternd, aber kein Grund zum Jammern. Es bleiben noch genügend Sehenswürdigkeiten übrig, die rechtfertigen, dass die Golden Gate NRA mit fast 15 Mio. Besuchern im Jahr 2015 auf Platz 2 der Besucher-Bestenliste des National Park Service rangierte (was natürlich auch an der unmittelbaren Nähe zum großen Touristenmagneten San Francisco liegt).

Einige dieser Sehenswürdigkeiten, die ich selbst besucht habe, stelle ich kurz vor:

Alcatraz Island

Wenn Ihnen der Sinn nach einem klasse Knast-Thriller steht: Flucht von Alcatraz (1979, Don Siegel) mit Clint Eastwood in der Hauptrolle ist für mich nachwievor unerreicht. Wahrscheinlich kennen Sie den Film sogar. Der Streifen war ein absoluter Blockbuster und ist heute ein Klassiker.

Kurz zur Handlung: Frank Morris, seines Zeichens Ausbrecherkönig erster Güte, wird in das unausbrechbare Hochsicherheitsgefängnis der Insel Alcatraz verlegt. Alcatraz liegt vor den Toren San Franciscos in der San Francisco Bay. Von dort ist noch niemandem die Flucht gelungen.

Im Knast herrschen raue Sitten, Häftlinge werden vom Gefängnisdirektor schikaniert und für ganz besonders hartnäckige Fälle wurde die Isolationshaft im berüchtigten D-Block erfunden. Die Rangordnung der Häftlinge erkennt man daran, wie hoch diese bei den Freigängen auf den Treppenstufen im Gefängnisinnenhof sitzen.

All dieses, den D-Block, die berühmten Hoftreppen, die normalen Zellen usw. können Sie im Rahmen einer viel und zurecht gerühmten ('award winning') geführten Audiotour besichtigen. Als ich diese im Jahr 1991 zum ersten Mal gemacht habe, kam der morbide Charme Alcatraz´ wunderbar zur Geltung. Auch 2015 hat mir die Tour hervorragend gefallen (war es eigentlich exakt die gleiche?). Ein tolles Erlebnis nicht nur für Eastwood-Fans, denn die Erzählungen kommen aus der Perspektive ehemaliger Insassen und Wärter. Sehr spannend und höchst authentisch.

Selbst wenn man der Alcatraz-Story nichts abgewinnen kann: Ein Besuch der Insel lohnt sich alleine wegen der grandiosen Ausblicke auf die Skyline von Bord des Tourbootes und auch von der Alcatraz-Südseite. Allerdings ist es in den Sommermonaten fast unmöglich ohne frühzeitige Reservierung von Deutschland aus einen Termin zu bekommen. 2009 wollte mussten wir diese Erfahrung machen und unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Alcatraz Island Alcatraz Island

Cliffhouse/Sutro Baths/Ocean Beach

Am Nordende des spektakulären Ocean Beach liegt das Cliff House. Über dessen wechselhafte Geschichte - genau genommen reden wir mittlerweile von der Version Cliffhouse 5.0 - können Sie sich bei Wikipedia informieren.

Restaurantbetrieb und Museum (Camera Obscura z.B.) in einem ist es heute jedem Bewohner von San Fran ein Begriff - und auch sehr vielen Touristen. Das ist kein Wunder, denn der Ausblick, den Sie von hier auf den Pazifik mit seiner kräftigen Brandung haben, ist sagenhaft.

Manche kommen aber auch wegen der Seelöwen, die auf dem vorgelagerten Seal Rock rumlümmeln. Andere wissen, dass es wohl kaum bessere Locations gibt, um einen Sonnenuntergang über dem Pazifik zu erleben.

Das Cliff House liegt zwischen dem Ocean Beach im Süden und den Ruinen der Sutro Baths im Norden.

Ocean Beach

Die Sutro Baths waren ein privates Badeparadies, das im Jahr 1896 von dem damaligen Bürgermeister, Adolph Sutro, gebaut wurde. Das Luxusbad, welches mit allem möglichen Schnickschnack ausgestattet war, hat zu damaliger Zeit wahrscheinlich ein wenig dekadent gewirkt.

Im Jahr 1966 machte ein Großbrand die Suthro Baths dem Erdboden gleich. Die Überreste verfielen, bieten aber auch in halb verrottetem Zustand schöne Fotomotive.

Suthro Baths

Baker Beach/China Beach

Baden können Sie in San Francisco im Prinzip vergessen. Auch an knallheißen Tagen, die hier sowieso absolut die Ausnahme sind, ist der Ozean eiskalt und nur Leute, die mit sich selbst auf Kriegsfuß stehen, nehmen einen freudlosen Schluck aus dieser Pulle.

Sonnenbaden, Spazierengehen oder einfach den grandiosen Ausblick auf die Golden Gate Bridge genießen kann man hingegen am Baker Beach vom Feinsten. Baker Beach liegt südwestlich der berühmten Brücke. Man kann den Strand vom Cliffhouse über den Lands End Trail erreichen und kommt dabei am China Beach Park vorbei. China Beach ist ein weiteres Strandhighlight der Golden Gate National Recreation Area.

Was hat der Strand mit dem Reich der Mitte zu tun? Seit den kalifornischen Goldrauschzeiten war die Bucht eine Campingstelle für chinesische Fischer, die in der San Francisco Bay ihrer Arbeit nachgingen.

Wer Baker Beach aufsucht, sollte großzügig über die Exhibitionisten hinwegsehen, die den nördlichen Teil des Strandes zur textilfreien Zone erklärt haben. Für amerikanische Verhältnisse ist das absolut gewagt, aber San Francisco hätte nicht einen Ruf wie Donnerhall, wenn es nicht spätestens seit den Sechzigern ein Epizentrum der Auflehnung gegen etablierte Normen gewesen wäre. Diese Haltung schimmert auch heute hier und da noch durch.

Baker Beach Baker Beach

Presidio

1988 klärte Lt. Colonel Caldwellder einen bizarren Mordfall im Militärstützpunkt Presidio im Herzen von San Francisco auf. Die Militärpolizistin Patti Jean Lynch war ermordet worden. Das passierte allerdings nicht tatsächlich, sondern nur auf der Kinoleinwand, und der Held war kein Geringerer als der unverwüstliche Sean Connery.

Ob Fiktion oder nicht spielte für mich kaum eine Rolle. Presidio, der Film, war einer der Hauptgründe, warum ich 1991 bei meiner ersten USA-Reise überhaupt San Francisco sehen wollte. In meiner damaligen Vorstellung war das echte Presidio eine der größten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Die Realität war dann etwas ernüchternd. Von Außen wirkt der historische Militärstützpunkt, 1776 von den Spaniern errichtet und damit der älteste seiner Art in Amerika, wenig spektakulär. Manche Szenen des Films konnte ich zwar einigermaßen zuordnen, aber richtige Popcorn-Stimmung kam nicht auf.

Damals konnte man sich dem Areal noch relativ ungehindert nähern, obwohl hier bis 1994 echte Streitkräfte stationiert waren. Bei einem späteren Besuch, ich glaube, es war 2007, sah das schon anders aus. 9/11 lässt grüßen.

Fort Point

Ich reite weiter auf der Hollywood-Schiene. Der legendäre Alfred Hitchcock befand im Jahr 1958 das historische Fort Point für würdig in seinem Klassiker Vertigo - aus dem Reich der Toten mitzuspielen. Die spektakuläre Lage am südlichen Fuß der Golden Gate Bridge wird sicherlich bei der Wahl des Sets keine ganz unbedeutende Rolle gespielt haben.

Wenn Sie bei Fort an eine Festung aus dem Wilden Westen mit Holz-Palisaden und heranstürmenden Indianern denken, liegen Sie falsch. Fort Point ist zwar eine militärische Befestigungsanlage aber eine aus rotbraunen Lehmziegeln. Die Anlage wirkt wie eine Trutzburg in spanischem Stil, was kein Wunder ist. Wie Presidio einstand auch Fort Point unter spanischer Federführung und zwar im Jahr 1794.

Fort Point ist Teil der Golden Gate National Recreation Area und zugleich eine eigenständige National Historic Site.

Fort Baker

Ein ehemaliger Stützpunkt der U.S. Army in unmittelbarer Nähe zum Nordende der Golden Gate Bridge. Der gute Ausblick auf die Brücke dürfte für die meisten Touristen auch der Hauptgrund sein, das Gelände zu besuchen.

Für jüngere Kinder (bis ca. 8 Jahre) könnte auch das Children's Museum und Learning Center eine Überlegung wert sein, vor allem, wenn das Wetter nicht so gut ist.

Auch der schöne Battery Trail mit klasse Ausblicken auf Downtown und Angel Island lohnt sich.

Marin Headlands

Kommen wir zum Höhepunkt der Golden Gate NRA. Die Marin Headlands sind ein hügeliges Küstengebiet, das unmittelbar nördlich an die Golden Gate Bridge anschließt. Die Steilküsten sind herrlich, von den Ausblicken auf San Francisco ganz zu schweigen.

Golden Gate Bridge

Es gibt hier noch mehr als nur schöne views. Strandfreunde kommen ebenfalls auf ihre Kosten (z.B. am Rodeo Beach), viel frische Luft wird ebenfalls geboten und es gibt einen sehr abgelegenen Leuchtturm (Point Bonita Lighthouse).

Um diesen zu sehen, musste ich bis zum Jahr 2015 und meinem gefühlt 15. San Francicso-Besuch warten. Als ich dann endlich dort war, war Point Bonita Light wegen Renovierung geschlossen, aber wenigstens gelangen mir ein paar schöne Fotos mit dem Tele.

Golden Gate Bridge

Hiking

Am Südende der Golden Gate Bridge gibt es zwei trails, die ich kenne: Lands End und Battery to Bluffs. Beide Wege bieten spektakuläre Ausblicke auf das Goldene Tor.

Speziell beim Battery to Bluffs Trail hatte ich (2005 und 2007) den Eindruck, dass hier kaum jemand herläuft. Mir kam es vor, als wäre ich vom Ballungszentrum San Francisco in unberührte Natur gebeamt worden.

Man kann beide trails kombinieren, indem man z.B. am Cliffhouse startet (Parkmöglichkeiten vorhanden), entlang der Suthro Bath Ruinen auf den Lands End Trail einschwenkt, am China Beach Park und am Baker Beach rechter Hand vorbei läuft und dann später auf den Battery to Bluffs Trail gelangt.

Es gibt hier allerdings ein ziemliches Gewirr kleiner Trampelpfade, die es manchmal schwer machen auf der richtigen Route zu bleiben. Ein GPS-Gerät mit heruntergeladenen Topo-Karten ist eine große Hilfe.

Über den Battery to Bluffs Trail können Sie sich bei EveryTrail weitergehend informieren. Zum Lands End Trail kann ich diese Quelle empfehlen.

In den Marin Headlands kann man ebenfalls wunderbar wandern. Für nähere Informationen bietet sich z.B. diese Website an.

Fort Baker verfügt ebenfalls über den schönen Battery Trail.

Camping

Die einzigen Campingplätze befinden sich in den Marin Headlands: Bicentennial Campground, Hawk Camp Campground, Haypress Campground und Kirby Cove Campground.

Nähere Informationen finden Sie auf der offiziellen Website des NPS. Es gibt auch eine downloadbare Broschüre zum Thema, die Sie von dieser Seite ansteuern können.

Directions

Die Golden Gate National Recreation Area liegt in unmittelbarer Nähe zum Stadtgebiet San Franciscos bzw. teilweise sogar darin.

Eine einfache, aber informative Übersichtskarte der Golden Gate National Recreation Area findet sich bei Wikipedia. Ein ausführliche Broschüre gibt es im PDF-Format.

GPS-Koordinaten Golden Gate NRA

(WGS84, Dezimalgrad, Umrechner: hier):

GPS Cliffhouse: 37.778397,-122.513925
GPS Suthro Baths: 37.78046,-122.513731
GPS Baker Beach: 37.790605,-122.485875
GPS Fort Point: 37.810647,-122.476911
GPS Presidio: 37.795833, -122.454167
GPS Alcatraz Island: 37.826576,-122.4228
GPS Kirby Cove Campground: 37.827478,-122.489845
GPS Rodeo Beach: 37.829022, -122.536055
GPS Battery Mendell: 37.822034, -122.531487
GPS Point Bonita Lighthouse: 37.815605, -122.529585
GPS Fort Baker: 37.83576, -122.47896

Good to know

Herrliche Ausblicke auf die atemberaubend schöne Point Bonita Steilküste südlich der Rodeo Cove gibt es, wenn man den Wagen bei der Battery Mendell stehen lässt und dann einem schmalen Pfad folgt, der hier beginnt: 37.821704, -122.531297. Der Weg führt direkt an der Abbruchkante der Steilküste entlang und ist nichts für Nicht-Schwindelfreie. Endpunkt ist ein verlassener und mit Grafitti übersäter Militär-Beobachtungsposten. Man kann bis hierher gehen: 37.819653, -122.530943. Super views von Point Bonita Lighthouse im Süden und der Golden Gate Bridge im Osten.

Fort Point hat mittwochs ganztägig geschlossen. Mittwochs! Nicht am Montag, wie in Deutschland bei Museen üblich.

My Visits

Bei nahezu allen meinen Reisen, konkret in den Jahren 1991, 1994, 1996, 1999, 2005, 2007, 2009 und 2015, habe ich Teile der Golden Gate NRA besucht.

My Rating

Wenn man San Francisco liebt, kommt man an der Golden Gate National Recreation Area kaum vorbei.

Beide sind wie die Protagonisten eines Pas de deux untrennbar miteinander verbunden und ergänzen sich auf perfekte Art und Weise. Weltstädtisches Flair auf der einen und landschaftliche, historische und kulturelle Sehenswürdigkeiten auf der anderen Seite.

Geht es besser? (Geht es nicht!)

Gallery

Diese Gallery besteht aus 123 Farbbildern. Die Bilder stammen aus den Jahren 1991, 2005, 2007 und 2015.