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Everglades National Park (FL)

(Letzte Änderung: 1.09.2018 @ 13:04)

Der Gesichtsausdruck unseres Gegenübers sprach Bände. Es war eine Mischung aus Verwunderung, Belustigung über so viel Greenhornismus und echter Besorgnis.

"You sure you wanna do this? I can´t recommend."

Weiter ging´s mit dem dezenten Hinweis, dass er prinzipiell gerne unser Geld nehmen, uns jedoch nahelegen würde, vielleicht in vier, besser sechs, Wochen wiederzukommen. Dann dürften wir gerne einige Dollars bei ihm abliefern.

Das war im Oktober 1994.

Unsere Idee ein Boot zu mieten um auf eine Wasserwanderung incl. Campingaufenthalt im Everglades National Park zu gehen, war in den Augen des Park-Rangers offenbar vollkommen absurd angesichts der unfassbaren Mengen stechwütiger bugs, die besonders das backcountry des Parks immer noch unsicher machten.

Die wet season war noch nicht überstanden, was wir gleich bei unserer Ankunft in Florida zu spüren bekommen hatten. Wir waren mit Donnergrollen, tiefschwarzen Wolken und heftigen Regengüssen begrüßt worden und diese hatten uns nahezu die gesamte Fahrt durch den Panhandle und die Golfküste runter begleitet. Hinzu kamen extreme Schwüle und südländische stechende Hitze. Mosquitoes lieben das. Menschen eher nicht.

Die letzte Nacht im Zelt war schlimmer als der schlimmste Alptraum. Es war unfassbar heiß und drückend, ich lag nahezu nackt auf dem Schlafsack und mein Körper glänzte vor Schweiß wie ein silberner Fisch im Wasser. Man konnte keinen Schritt vors Zelt tun, ohne Opfer außer Kontrolle geratener Blutsauger zu werden.

Kennen Sie das Gefühl, wenn man absolut nicht auf Toilette gehen kann und dann erst Recht muss? Irgendwann konnte ich es nicht länger aushalten und bin aus dem Zelt gehechtet, zur Toilette gesprintet, zurück ins Zelt und dann folgte die angstvolle Inventur: "Nur" ca. 30 mosquitoes reingeladen. Waidmanns Heil!

Damals hatte ich mit dem Everglades National Park, ja ganz Florida, abgeschlossen, bevor ich irgendetwas zu sehen bekam. Wir machten zwar einige Pflichtbesichtigungen und tagsüber ging es auch mit den bugs. Aber richtig Freude kam nicht auf, zumal sich auch keine Tiere blicken ließen, auf die ich mich so gefreut hatte. Einen einzigen mickrigen Alligator hatte ich gesehen und den auch nur aus der Ferne. Absolut megaschlappe Ausbeute.

Dabei kann man nirgendwo besser Alligatoren in freier Wildbahn und aus nächster Nähe erleben als im Everglades National Park, wenn man zur richtigen Tages- und vor allem Jahreszeit da ist. Das wurde mir erst 18 Jahre später klar, dieses Mal Anfang April. Es ist schon ein wenig bizarr, dass diese Respekt einflößenden, einst vom Aussterben bedrohten,Tiere hier einfach so posieren, manchmal Wege kreuzen oder im Wasser wie Baumstämme auf willfährige Beute lauern.

Die Artenvielfalt der Everglades ist einzigartig. "Der Park beherbergt die einzigen wildlebenden Flamingos in den USA. Daneben gibt es an Vögeln noch eine Reihe Watvögel sowie Ibisse, Pelikane, Kormorane und Störche. In den Everglades leben auch Waschbären, Schwarzbären, Schlangen, Alligatoren, Spitzkrokodile, Seekühe, Spinnenarten, Pumas und weitere Tierarten [darunter der vom Aussterben bedrohte Florida Panther; d. Verf.]. Die Everglades sind die einzige Region auf der Erde, in der sowohl Alligatoren als auch Krokodile leben." (Quelle: Wikipedia)

Wussten Sie, dass die Everglades ein Fluss sind? Mit ca. einem Meter pro Stunde fließt dieser allerdings so schnarchlangsam, dass er nicht als solcher zu erkennen ist. Auch die geringe Wassertiefe - häufig sind es nur wenige Zentimeter - und der dichte Bewuchs mit Gräsern (sawgrass) lassen eher an ein weitläufiges Marsch- oder Sumpfgebiet denken als an ein fließendes Gewässer. Nicht von ungefähr kommt die Bezeichnung River of Grass.

Everglades National Park

Im Küstenbereich gibt es einen dichten Mangrovengürtel. Der River of Grass hat hier die Endstation seiner im Norden am Lake Okechobee begonnenen Reise erreicht und mündet in die Florida Bay. Hier gibt es Salzwasser und noch einige Exemplare des akut vom Aussterben bedrohten amerikanischen Krokodils.

Die mit zahllosen Untiefen, Sandbänken und kleinen Inselchen durchsetzte grünlich-türkis schimmernde Florida Bay ist auch der Lebensraum vieler Wasservögel. Sie wird im Süden durch die Florida Keys begrenzt.

Florida Bay

Die Everglades sind ein fragiles und seit vielen Jahren geschädigtes Ökosystem. Der gleichnamige Nationalpark schützt den südlichen Teil dieses Gebiets und verhindert, dass weitere Sumpfgebiete zum Zwecke ökonomisch motivierter Landgewinnung, landwirtschaftlicher Bewässerung oder Trinkwassergewinnung (Miami!) trocken gelegt oder mit Düngemitteln belastet werden.

Den Everglades National Park bewerte ich mit zwei Sternen. Davon entfällt einer auf die zur richtigen Zeit sehr guten Möglichkeiten zur Tierbeobachtung. Wenn Sie zur falschen Jahreszeit da sind, ist schon ein Stern leicht dekadent.

 

Fact Sheet

Location: Southern Florida
Established: 1947
Visitation: 1.077.427 (2015; 75/368) 1
Size: 6.104 km²
Elevation: lowest 0 ft (0 m)
highest 20 ft (6 m)
Information:official NPS site
Wikipedia
My Visits: 1994, 2012, 2017
My Rating:
Highlights: Anhinga Trail
Pa-hay-okee Overlook
Shark Valley Obs. Tower 
Ten Thousand Islands
Quelle: NPS Reports

1 Absolute Besucherzahlen sowie Rangplatz unter allen erhobenen 368 National Park Sites (Jahr 2015)

Climate

Normal Daily Max (Max) and Normal Daily Min (Min) in Degrees Fahrenheit

Hiking

Im Everglades National Park gibt es zwei sehr empfehlenswerte trails, die ich kenne. Beide befinden sich in der Nähe des Royal Palm Visitor Centers: Anhinga Trail und Gumbo Limbo Trail.

Besonders auf dem Anhinga Trail haben wir vormittags im April 2012 extrem viele Tiere gesehen. Alligatoren ohne Ende. Hier finden Sie eine genauere Beschreibung dieses kurzen Weges. Auch bei protrails.com gibt es eine gute Zusammenfassung.

Der Gumbo Limbo Trail ist auch ganz nett, kann aber nicht mit dem Anhinga Trail mithalten. Er führt auf einer Länge von 0,4 Meilen durch einen dichten, fast schon düster wirkenden Wald mit tropischen Gumbo Limbo Bäumen (Bursera simaruba). Am Ende des trails wartet ein kleiner Tümpel, in dem wir 2017 einen Alligator gesehen haben.

Auf der offiziellen Park-Website finden Sie diverse Download-Links zu weiteren trail guides. Eine besondere Variante stellen Wasser-Wanderwege dar. Dazu finden Sie z.B. auf dieser Seite nähere Informationen.

Camping

Camping im Everglades National Park bleibt für mich auf immer und ewig ein No-Go. Ist mir egal, ob in der trockensten dry season kaum Stechmücken unterwegs sind oder nicht. Alleine die Erinnerung an die eine Nacht 1994 (s.o.) reicht mir.

Diese persönliche Traumatisierung muss Sie natürlich nicht weiter beeindrucken.

Folgende Campingplätze sind vorhanden: Long Pine Key Campground und Flamingo Campground. Außerdem stehen diverse backcountry Campingmöglichkeiten zur Verfügung.

Directions

Der Everglades National Park erstreckt sich über ein riesiges Gebiet. Grob gesagt gibt es drei Bereiche: Flamingo (Florida Bay), Ten Thousand Islands (Westküste) und das Landesinnere.

Bei Wikipedia finden Sie die offizielle Park-Map.

Im Nationalpark gibt es nur eine nennenswerte Straßenverbindung. Das ist die FL 9336, die Florida City mit Flamingo verbindet. Der weitaus größte Teil des Parks ist weitgehend unerschlossenes backcountry.

Entlang der Nordgrenze des Parks verläuft der Tamiami-Trail. Diese Schnellstraße verbindet Tampa mit Miami, daher der Name.

GPS-Koordinaten Everglades NP

(WGS84, Dezimalgrad, Umrechner: hier)

GPS Royal Palms Visitor Center: 25.383, -80.609833
GPS Flamingo Campground: 25.137275,-80.940077
GPS Shark Valley Observation Tower: 25.656168,-80.766276

Good to know

Nehmen Sie den Hinweis mit der Reisezeit (s.o.) besser ernst. Es gibt eine Menge Leute, die vollkommen uninformiert im Hochsommer nach Florida fahren. Entsprechend gruselige Reiseberichte gibt es im Net.

Die beste Reisezeit ist Ostern, wenn Ostern relativ früh im Jahr ist. Ende März ist es noch relativ trocken und gleichzeitig sind die Tage nicht so kurz. In den Wintermonaten lassen sich am meisten Tiere blicken.

Die in den 1980er Jahren aus Asien eingeschleppte Tigerpython hat sich so vermehrt, dass die Population der Waschbären, Rotluchse und Opossums eingebrochen ist. Mittlerweile eine echte Bedrohung!

Wie schützt man sich vor mosquitoes? Längere Kleidung, was bei der schwülen Hitze im Sommer kaum auszuhalten ist. Außerdem stechen die Viecher durch Socken. Trotz aller Bedenken: DEET muss ran!

Keine Angst vor Alligatoren. Für den Menschen sind die Tiere i.d.R. ungefährlich, wenn Sie Respekt zeigen. Achtung: Krokodile (Salzwasser) sind eine ganz andere Hausnummer.

Wirklich gefährlich ist die Kombination aus Hitze, Schwüle und intensiver Sonneneinstrahlung vor allem im Sommer. Aufgekratzte Stiche können sich leicht infizieren. Hatte ich 1994 extrem an beiden Füßen.

Vorsicht auf dem Tamiami-Trail. Da wird extrem geblitzt, wie ich 2012 leidvoll erfahren durfte.

Kurz vor dem Eingang zum Everglades NP gibt es seit 1960 (!) einen legendären Obststand, der sich zu einem richtigen Obst- und Smoothiesupermarkt gemausert hat: Robert is here Fruit Stand and Farm.

Ich bin in Bezug auf geführte Touren prinzipiell zurückhaltend. Lieber erkunde ich auf eigene Faust als in einer Gruppe. Ausnahme: Everglades NP. Auf eigene Faust ist im Hinterland schwierig.

Gallery

Diese Gallery besteht aus 107 Farbbildern. Die Bilder stammen aus den Jahren 1994, 2012 und 2017.