Coal Mine Canyon (AZ)
(Letzte Änderung: 25.10.2026)Coal Mine Canyon als Geheimtipp in Arizona
Eine Perle der Natur muss weder groß noch bekannt sein. Klein und vermeintlich unbedeutend, geradezu versteckt vor neugierigen Blicken und den Auswüchsen des Massentourismus ist manchmal besser.
Diese Einstufung dürfen im Westen der USA viele Locations für sich reklamieren. Ganz sicher auch der weithin unbekannte Coal Mine Canyon, dessen Schönheit mich zwar nicht gänzlich unvorbereitet traf (dem Internet sei Dank!), aber trotzdem überraschte.
Bei der Anfahrt (s.u.) rechnet man nicht damit, dass man inmitten einer auf den ersten Blick unspektakulären und unscheinbaren Landschaft plötzlich am Rand einer großartigen Schlucht steht, aus dem Staunen kaum mehr herauskommt und gar nicht weiß, was man zuerst fotografieren soll.
Hoodoos, Badlands und Navajo Nation
So ging es mir bei meinem Besuch im Jahr 2008.
Damals floh ich gerade vor den sintflutartigen Regenfällen in der Moab Area nach Süden, das Monument Valley war ebenfalls wolkenverhangen, und erst knapp hinter Tuba City riss die Wolkendecke auf und die Sonne kam zum Vorschein.
Bei meiner Frage an einer Tankstelle in Tuba City nach dem Weg zum Coal Mine Canyon schaute mich die indianische Angestellte misstrauisch an: "How come you know this place? Where ya from?"
Coal Mine Canyon scheint also wirklich noch so etwas wie ein Geheimtipp zu sein, auch wenn in deutschen Internetforen der Name relativ häufig fällt.
Wie dem auch sei. Nach all dem grottenschlechten Wetter der letzten Tage (ging schon im Capitol Reef NP los), lag der Coal Mine Canyon in bestem Licht und all seiner Fotogenität vor mir. Dazu streichelnd warmer Sonnenschein - herrliche Bedingungen für die Erkundung des Canyons.
Der Coal Mine Canyon ist wie eine Mischung aus Bryce Canyon National Park und dem entzückenden Sidestep Canyon im Grand Staircase-Escalante National Monument. Hoodoos und Felszinnen in allen möglichen Rot-, Braun- und Ockertönen, durchsetzt mit weißem Gestein unter einem unendlich weiten Himmel.
Genial!
Directions
Der Coal Mine Canyon liegt in Arizona, im nördlichen Teil des Staates auf Navajo- und Hopi-Land, südöstlich von Tuba City.
Bezüglich der (unproblematischen) Anfahrt verweise ich auf die Website von Steffen Synnatschke, die ein Klassiker unter den Südwest-Sites im Internet ist:
"Der Coal Mine Canyon liegt im nördlichen Arizona, etwa 16 Meilen südöstlich von Tuba City. Von der SR 160 ... kommend, biegt man im Ort auf die SR 264 ab. Dieser folgt man dann für 15 Meilen und biegt kurz vor Milepost 337 links auf eine Dirt Road ab. Schon von weitem ist das große Windrad ... sichtbar, das nur wenige Meter vom Canyonrand entfernt steht.
Die letzten 700 Meter von der Hauptstraße bis zum Parkplatz am Canyon verlaufen über eine relativ gut zu befahrende Dirt Road. Ein Allrad- bzw. Geländefahrzeug ist für diese kurze unbefestigte Strecke nicht notwendig.
Sollte die Piste aber aufgeweicht oder verschlammt sein, empfiehlt es sich den Wagen rechtzeitig zu parken und den Rest einfach zu laufen. Dieser minimale Zusatzaufwand lohnt sich garantiert. Nach etwa 10 Minuten Fußmarsch ist man am Ziel. Allerdings erkennt man den Canyon erst hinter dem Windrad. Also bitte nicht ungeduldig werden..." (Quelle: www.synnatschke.de)
GPS-Koordinaten Coal Mine Canyon
(WGS84, Dezimalgrad, Umrechner: hier)
GPS Coal Mine Canyon: 36.013005, -111.047058
Good to know
Der Coal Mine Canyon liegt auf zwei Reservaten: Laut dem zuständigen Navajo-Chapter gehört der westliche Teil zur Navajo Nation, der östliche zum Hopi-Reservat. Beide Stämme haben eigene Regeln – wer mehr als einen kurzen Blick vom Rand werfen will, sollte sie kennen.
Coal Mine Canyon – Navajo-Seite (Rim)
- Navajo Parks & Recreation stellt klar: Alle Gebiete der Navajo Nation sind für Nicht-Navajos geschlossen, wenn man kein gültiges Camping-, Hiking- oder Backcountry-Permit hat. Ohne Permit gilt das als unerlaubtes Betreten von Stammesland.
- Das Permit gibt es online bei Navajo Parks & Recreation oder im Cameron Visitor Center (Tel. 928-679-2303). Camping kostet 15 USD pro Person und Nacht; die Höhe der Backcountry-Gebühr nennt die offizielle Seite nicht.
- Ob schon der kurze Stopp am Aussichtspunkt ein Permit erfordert, regeln die offiziellen Seiten nicht ausdrücklich. Wer am Rim wandern will oder auf Nummer sicher gehen möchte, besorgt sich vorher das Backcountry-Permit.
- Regeln des Coalmine Canyon Chapter: auf markierten Wegen bleiben, Hunde nur an der Leine, nichts mitnehmen (Steine, Pflanzen, Artefakte), Wohngebiete meiden, kein Alkohol, kommerzielle Fotos und Videos nur mit Permit.
Coal Mine Canyon – Hopi-Seite (in den Canyon)
- Auf Hopi-Land darf man nur mit einem zertifizierten Hopi-Guide wandern.
- Experience Hopi fährt den Coal Mine Canyon im Rahmen der Standard-Tour ab dem Moenkopi Legacy Inn in Tuba City an: 145 USD pro Person (Senioren ab 65: 129 USD, Kinder bis 12 Jahre: 89 USD), mindestens zwei Personen, Reservierung mindestens 24 Stunden im Voraus bis 17 Uhr Arizona-Zeit unter Tel. 928-283-4500.
- Wo Fotografieren erlaubt ist, braucht man auf Hopi-Land ein Kamera-Permit.
Blue Canyon
- Der Blue Canyon liegt auf Hopi-Land – auf eigene Faust ist ein Besuch also nicht erlaubt, man braucht einen zertifizierten Hopi-Guide.
- Hopi Tours (Micah Loma’omvaya, Hopi-Anthropologe und Archäologe) bietet eine „Blue Canyon Geology Tour“ an: rund 4 Stunden inklusive Transport, Start am Hopi Cultural Center auf der Second Mesa, 160 USD für eine Person und 20 USD für jede weitere. Laut Experience Hopi finden die Touren von Hopi Tours nur am Wochenende statt.
- Ein zusätzliches Permit neben dem Guide habe ich in offiziellen Quellen nicht gefunden; geregelt wird der Zugang über den Guide.
Quellen: Navajo Parks & Recreation, Rules & Regulations; Coalmine Canyon Chapter, Rules & Regulations; Experience Hopi, Visitors Center und Tours; Experience Hopi, Authorized Hopi Guides; American Indigenous Tourism Association, Hopi Tours (abgerufen am 25.10.2026). Preise und Regeln können sich ändern – vor der Reise am besten direkt nachfragen.
Navajo und Hopi: eine schwierige Nachbarschaft
Eine Insel im Navajo-LandDas Hopi-Reservat ist rundum von der Navajo Nation umschlossen – seit der Kongress 1934 das Navajo-Reservat so erweiterte, dass es das Hopi-Land vollständig umgibt. Der Coal Mine Canyon liegt genau an dieser Grenze, und auch bei Tuba City (Navajo) liegt mit Moenkopi ein Hopi-Dorf.
Wie der Streit entstand1868 erhielten die Navajo per Vertrag ein Reservat von rund 3,5 Millionen Acres, 1882 wurden per Executive Order etwa 2,5 Millionen Acres in Arizona für die Hopi reserviert, und 1934 erweiterte der Kongress das Navajo-Reservat. Sowohl die Order von 1882 als auch das Gesetz von 1934 ließen aber ausdrücklich auch „andere Indianer“ auf dem jeweiligen Land zu – und so lebten Angehörige beider Stämme auf Land, das eigentlich dem anderen zugedacht war. Seitdem streiten Navajo und Hopi über Besitz und Nutzung.
Gericht, Teilung, Umsiedlung1962 sprach ein Bundesgericht den Hopi rund 631.000 Acres exklusiv zu; die übrigen etwa 1,9 Millionen Acres des Reservats von 1882 sollten beide Stämme gemeinsam nutzen („Joint Use Area“). Das funktionierte nicht. Nach dem Navajo-Hopi Settlement Act von 1974 teilte ein Gericht das gemeinsame Gebiet 1977 in zwei gleich große Hälften – wer auf der „falschen“ Seite lebte, musste umziehen. Bis Ende 2017 wurden über 3.600 Navajo- und Hopi-Familien mit etwa 16.700 Menschen umgesiedelt. Manche Navajo-Familien weigerten sich zu gehen; nach einer Einigung von 1996 dürfen sie mit Pachtverträgen über 75 Jahre auf Hopi-Land bleiben. Die eigens geschaffene Umsiedlungsbehörde soll inzwischen aufgelöst werden, ihre Aufgaben hat 2025 das US-Innenministerium übernommen.
Der „Bennett Freeze“ – auch rund um den Coal Mine Canyon1966 erhob die Hopi Tribe Anspruch auf rund 1,5 Millionen Acres Navajo-Land. Daraufhin verhängte der Commissioner of Indian Affairs, Robert Bennett, für etwa 1,6 Millionen Acres im Westen der Navajo Nation einen Baustopp: Ohne Zustimmung beider Stämme durfte dort nicht mehr gebaut werden. Zu den neun betroffenen Navajo-Gemeinden gehörte auch das Coalmine Canyon Chapter. Erst 2006 hoben die Stämme den Baustopp per Vertrag auf, 2009 strich ihn auch der Kongress. Die Folgen sind bis heute spürbar: 2022 waren nach Angaben der Navajo Nation nur 24 % der Häuser im früheren Freeze-Gebiet bewohnbar, fast 60 % hatten keinen Strom und die meisten kein Trinkwasser.
Quellen: Congressional Research Service, „The Office of Navajo and Hopi Indian Relocation“, Stand 14.10.2026; Bureau of Indian Affairs, Former Bennett Freeze Area, Programmatic Environmental Assessment (2021).
My Visits
2008, auf der Flucht vor Wind und Wetter (s.o.), hat es mich zum Coal Mine Canyon verschlagen.
Angesichts des vielen Lobes weiter oben kann ich mich hier kurz fassen: klarer Fall von drei Sternen.
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