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Paderquellen - Bär ermittelt

Bücher von Dirk Möller

Paderquellen - Bär ermittelt Neu

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Salt Lake City (UT)

(Letzte Änderung: 22.05.2026 @ 18:13)

Mormonen, Exodus und Stadtgründung

"This is the place!"

Nach einer fast anderthalbjährigen Odyssee schwang bestimmt eine tiefempfundende Erleichterung mit, als Brigham Young im Juli 1847 mit diesen Worten die Suche für beendet erklärte und der Treck endlich am Ziel war.

Kurze Rückblende:

Im Jahr 1820 behauptete ein gewisser Joseph Smith, dass ihm bei einem Gebet über die Frage, welche Kirche die wahre sei, Jesus Christus und sogar Gott höchstpersönlich erschienen seien. Diese hätten ihm erhellt, dass alle zu jener Zeit bestehenden Kirchen im Irrtum seien und er sich keiner anschließen solle.

Neben dieser sog. Ersten Vision hatte Smith im Jahr 1823 die Vision, dass ihm ein himmlischer Bote mit dem Namen Moroni Gottes Auftrag überbracht hätte, ein Buch von Goldplatten zu übersetzen, welche ein neues Evangelium, genauer die "die Fülle des immerwährenden Evangeliums", enthalten und in einem Hügel mit dem Namen Cumorah in der Nähe von Manchester aufbewahrt seien (zit. nach Wikipedia). Vier Jahre später habe Smith die Platten an sich nehmen dürfen und in das Buch Mormon übersetzt.

Das Buch Mormon ist das richtigste aller Bücher auf Erden und der Schlussstein unserer Religion.“ (Joseph Smith, zit. nach www.mormonentum.de).

Beseelt durch diese Visionen gründete Smith im Jahr 1830 mit nur sechs Mitgliedern die "Kirche Christi" (Church of Christ), die am 3. Mai 1834 in "Die Kirche der Heiligen der Letzten Tage" und schließlich am 26. April 1838 letztmalig in "Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" (The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints) umgenannt wurde.

Im Zuge ihrer Ausbreitung wurde die Kirche rigoros verfolgt, sodass sie ihr Hauptquartier zunächst von Fayette (NY) nach Kirtland (OH) und weiter nach Far West (MO) und schließlich Nauvoo (IL), nahe der Westgrenze der damals besiedelten Vereinigten Staaten, verlegen musste.

Auch in Illiinois kam es zu Ausschreitungen gegen die Andersgläubigen, in deren Verlauf Joseph Smith am 27. Juni 1844 verhaftet und bei dem Versuch aus einem Fenster seines Gefängnisses zu springen, von einem bewaffneten Mob erschossen wurde. Die Mitglieder der Kirche beschlossen daraufhin die Vereinigten Staaten ganz zu verlassen und weiter nach Westen in menschenleere Regionen zu ziehen, wo sie vor Verfolgung sicher wären.

Ihr Anführer wurde Brigham Young, zu der Zeit Präsident des zweithöchsten leitenden Gremiums der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Kollegium der Zwölf Apostel). Young hatte sich nach dem Tod von Smith in den Nachfolgestreitigkeiten durchsetzen können und galt seinen Anhängern von nun an als zweiter Prophet, Seher und Offenbarer.

Unter der Führung von Brigham Young begann im Jahr 1846 die Umsiedlung von 600 Mitgliedern der Kirche in das damals formal noch zu Mexiko gehörende, praktisch aber von durch keine Staatsgewalt reglementierte heutige Utah. Nach einem mehr als 2000 Kilometer langen beschwerlichen Marsch erreichte die Gruppe im Juli 1847 das Tal des Großen Salzsees, wobei sich bei Wikipedia folgende Überlieferung findet:

"As the account goes, Brigham Young was very sick with Rocky Mountain Spotted Fever and was riding in the back of a wagon. After exiting Emigration Canyon and cresting a small hill, he asked to look out of the wagon. Those with him opened the canvas cover and propped him up so he could see the empty desert valley below. He then proclaimed, 'It is enough. This is the right place. Drive on.' The words, 'this is the place,' were soon heard throughout the wagon train as the Mormon pioneers descended into the valley, their long journey having come to an end."

Der Exodus der Anhänger der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage hatte ein Ende gefunden. Sie waren die ersten dauerhaften mormonischen Siedler im Tal des Großen Salzsees, und am 24. Juli 1847 gründeten sie die Stadt Great Salt Lake City, die später in Salt Lake City umbenannt wurde.

Heute ist die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage weltweit verbreitet und mit Abstand die größte mormonische Kirche. In Utah und speziell in Salt Lake City ist ihr historischer und kultureller Einfluss weiterhin unübersehbar, auch wenn die Stadt selbst inzwischen pluraler geworden ist, als viele Außenstehende annehmen.

Temple Square und weitere Highlights in Salt Lake City

Wer Salt Lake City (SLC) besucht, kommt in eine moderne Großstadt, deren Metroregion weit über die eigentliche Stadt hinausreicht. Am Mormonentum kommt man bei einem Stadtrundgang kaum vorbei, es ist historisch nach wie vor das beherrschende Thema. Die größten Sehenswürdiglkeiten haben einen entsprechenden Bezug, allen voran der Temple Square.

Dabei handelt es sich um den zentralen Gebäudekomplex der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage mit dem Salt Lake Tempel und seinen sechs neugotischen Granittürmen als Herzstück und wohl bekanntesten Bauwerk Salt Lake Citys. Seit 2019 wird der Tempel jedoch umfassend erdbebensicher umgebaut und saniert. Je nach Besuchszeit bedeutet das vor Ort: Gerüste, Kräne, Absperrungen und teils eingeschränkte Sicht auf das eigentliche Wahrzeichen.

Salt Lake Temple

Zum Temple Square gehören ferner diverse Funktionsgebäude der Mormonenkirche, vor allem das Salt Lake Tabernacle, die Salt Lake Assembly Hall, das Latter-day Saints Conference Center und zwei Besucherzentren. Im North Visitors´ Centre ist neben christlichen Themenwänden mit angenehm zurückhaltend mormonischer Diktion die kunstvolle Christus-Statue des dänischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen einen Besuch wert - nicht nur für Anhänger der Mormonenkirche.

Christus Statue Salt Lake City

Wenn man über den Temple Square schlendert, wird man sehr wahrscheinlich einigen jungen, gut aussehenden Menschen begegnen, die freundlich und unaufdringlich grüßen. Bestimmt kann man mit den Damen und Herren schnell ins Gespräch kommen, wenn man Interesse signalisiert - bei einem Unternehmen der freien Wirtschaft würde man von PR-Mitarbeitern sprechen, die vor allem eines machen sollen: einen guten Eindruck. Kommt am Ende eine Geschäftsbeziehung, pardon Gesinnungsübereinkunft, zustande, soll es nur Recht sein, und das neue Schäfchen wird gerne in die Herde aufgenommen.

Wie der geschildete Exodus der Smith´schen Anhänger belegt, war die Mormonenkirche noch nie unumstritten und sie ist es auch heute nicht. Bis heute wird sie von mancher Seite als suspekter Kult angesehen, wobei vor allem Totentaufen (damit die Familien im Himmel vereint sind) und die schon von Joseph Smith vorgelebte Polygamie (die Zahl seiner Ehefrauen wird je nach Quelle zwischen 30 und 40 angegeben) gerne exemplarisch als befremdliche Auswüchse angeführt werden.

Es gibt auch Kritik an der Strenge und dem nicht mehr zeitgemäßen Ultrakonservatismus der Mormonen, der überzogene Ansprüche an Konformität und Selbstdisziplin stellt, an rigiden hierarchischen Strukturen und mangelnder Bereitschaft sich kritischen Fragen zu stellen. Auch der Umgang mit Randgruppen, z.B. Homosexuellen, wird seit Jahren kontrovers diskutiert - wobei sich Ton und Außendarstellung der Kirche verändert haben, ohne dass deshalb alle Konfliktlinien verschwunden wären.

Man mag es kaum glauben, aber in Salt Lake City gibt es auch Sehenswürdigkeiten ohne unmittelbaren Bezug zur Mormonenkirche, allen voran das Utah State Capitol.

Utah State Capitol

Der Anstieg auf den Capitol Hill ist bei sommerlicher Hitze eine kleine Herausforderung, aber im Inneren des wichtigsten politischen Bauwerks Utahs wird man mit angenehmer Kühle und schlichter Eleganz belohnt. Beim Blick auf die Gemälde im Eingangsbereich landet man aber dann doch wieder bei DEM Thema in SLC: Brigham Young´s "This is the place." (s. Bild rechts).

Utah State Capitol Utah State Capitol

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Zwei Besuche in Salt Lake City (1994 und 2015) sollten erst einmal reichen.

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This is the place! - würde ich zwar nicht unbedingt proklamieren, aber eine Reise wert ist SLC allemal.

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