New Orleans (LA)
(Letzte Änderung: 10.10.2026)Katrina und die verwundete Stadt
Der 29. August 2005 wird für immer ein Meilenstein in der Geschichte von New Orleans sein. So wie das verheerende Erdbeben, das San Francisco am 18. April 1906 heimsuchte, oder das Großfeuer von Jacksonville am 3. Mai 1901, veränderte Katrina New Orleans. Die Katastrophe setzte, als sich ihr ganzes Ausmaß abzeichnete, das ganze Land unter Schock - beinahe so wie 9/11 die Nation aufwühlte.
Gegen Katrina, einen der schwersten Hurricanes, die die USA jemals heimgesucht haben, hatte die Metropole im Süden des US-Bundesstaates Louisiana keine Chance. New Orleans ist von Wasser umgeben. Die Stadt liegt im Mississippi-Delta am Golf von Mexiko und selbst im Norden nichts als Wasser: Lake Pontchartrain mag zwar ein Binnengewässer sein, aber wer einmal quer darübergefahren ist, weiß, dass der See die Ausmaße eines Meeres hat. Von dem einen Ufer kann man das andere nicht sehen.
Die exponierte Lage ist besonders problematisch, da weite Teile von New Orleans unter dem Meeresspiegel liegen. Als Katrina über die Stadt hereinbrach, erwiesen sich Deiche und Schutzsysteme als unzureichend. Die Sumpfwälder und Marschen des Cajun Countrys, eigentlich ein natürlicher Hochwasserschutz, boten kaum Schutz. Kanalisierungen und Eindeichungen des Mississippi sowie ein steigender Meeresspiegel (Erderwärmung!) hatten große Teile dieses Ökosystems zerstört.
Die Verwüstungen, die Katrina anrichtete, waren so gewaltig, dass sogar ernsthaft überlegt wurde, New Orleans aufzugeben. Als die Deichsysteme versagten, überfluteten die Wassermassen aus dem Lake Pontchartrain und anderen Einfallstoren große Teile der Stadt. Weite Teile waren im Prinzip unbewohnbar und ein riesiger Teil der Einwohner verließ die Stadt. Viele von ihnen sind nicht zurückgekommen.
Zwar erholten sich die Bevölkerungszahlen nach und nach, aber die Stadt hat das Vorkatrina-Niveau bis heute nicht wiederhergestellt: Bei der Volkszählung 2000 waren es noch rund 485.000 Einwohner, heute schätzt das Census Bureau rund 360.000. Schon deshalb ist Katrina in New Orleans nicht bloß Geschichte, sondern bis heute Strukturproblem, Trauma und städtebauliche Zäsur in einem.
Nicht nur statistisch sind die Narben, die Katrina geschlagen hat, noch längst nicht überall verheilt. Zwar hatte New Orleans immer schon einen etwas morbiden und verlotterten Charme, aber wenn man durch weniger geschniegelt aufbereitete Ecken geht und die Abrisslücken, Baunähte und heruntergewirtschafteten Flecken an den Häusern sieht, schwant einem, dass hier nie wieder alles so wurde wie vorher.
Getreu dem Motto, dass in jeder Niederlage auch eine Chance liegt, wurden beim Wiederaufbau Maßnahmen ergriffen, von denen die Stadt profitiert. 1994, bei meinem ersten Besuch, war z.B. das Viertel rund um den historischen Cemetery Saint Louis I mit seinen berühmten Mausoleen geradezu unbetretbar. Überfälle am helllichten Tag waren an der Tagesordnung und der Liftboy im Hotel warnte uns ausdrücklich davor dort hinzugehen. Zwanzig Jahre später wirkte die Gegend dort tagsüber deutlich harmloser. Leider ändert das nichts daran, dass New Orleans beim Thema Sicherheit und sozialer Schieflage weiterhin kein Ponyhof ist und man nach Einbruch der Dunkelheit abseits der scharf patrouillierten Touristenmeilen aufpassen sollte.
Sicherheit in New Orleans – Aktuelle Lage
Hinweis: Im Abschnitt „Katrina und die verwundete Stadt" weiter oben finden sich persönliche Einschätzungen zur Sicherheitslage – insbesondere zum historischen Wandel rund um die Friedhöfe und zur Grundregel für die Zeit nach Einbruch der Dunkelheit.
New Orleans galt lange als „Murder Capital“ der USA. 2025 fiel die Zahl der Morde nach Medienberichten unter Berufung auf die Polizei (NOPD) auf 121 (einschließlich der 14 Opfer des Anschlags in der Bourbon Street am Neujahrstag; ohne ihn rund 108) und damit auf den niedrigsten Stand seit etwa 50 Jahren; pro Einwohner liegt die Rate aber weiterhin deutlich über dem US-Durchschnitt. Man sollte das kennen, ohne daraus den falschen Schluss zu ziehen, die Stadt pauschal zu meiden. Die Gewalt konzentriert sich wie fast überall in US-Großstädten auf bestimmte Viertel abseits der Touristenrouten. Wer sich im French Quarter, im Garden District oder im Warehouse District bewegt, ist in einem anderen Universum unterwegs als es die Kriminalstatistik suggeriert.
French Quarter (Vieux Carré)
Das touristische Herz der Stadt ist stark polizeilich präsent und tagsüber sehr sicher. Abends und nachts – vor allem auf der Bourbon Street – ändert sich das Bild: voll, laut, ideal für Taschendiebe. Getränke nie unbeaufsichtigt stehen lassen; aufmerksam bleiben, wenn man sich vom Hauptstrom in ruhigere Nebenstraßen begibt. An den Rändern des French Quarter, besonders Richtung Tremé, wird es nachts deutlich stiller – und das nicht nur im positiven Sinne.
Die Friedhöfe
Die Cities of the Dead – überirdische Grabkammern in weißen Mausoleen – gehören zu den ikonischsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Saint Louis Cemetery No. 1, der älteste und bekannteste Friedhof unmittelbar am Rand des French Quarter und letzte Ruhestätte von Marie Laveau, ist seit 2015 offiziell nur noch mit einer zertifizierten Führung zugänglich. Der Grund ist nicht allein der Schutz historischer Grabstätten vor Vandalen: Der Friedhof war jahrzehntelang ein Hotspot für Überfälle – das deckt sich exakt mit dem, was ich 1994 am eigenen Leib erlebt habe. Wer ihn ohne Führung besucht, tut das auf eigenes Risiko und riskiert obendrein Hausfriedensbruch. Saint Louis Cemetery No. 2 und No. 3 sind zugänglicher, aber auch hier gilt: möglichst in Gruppen und nicht nach Einbruch der Dunkelheit.
Weitere Viertel im Überblick
- Garden District: Eines der schönsten und sichersten Viertel, mit prächtigen Antebellum-Villen. Der Lafayette Cemetery No. 1 war seit 2019 für Besucher gesperrt und soll nach Medienberichten am 1. Oktober 2026 wieder öffnen, allerdings nur im Rahmen von Führungen. Tagsüber und abends gut geeignet.
- Warehouse District / Arts District: Modern, Museen (darunter das National WWII Museum), Restaurants. Sehr sicher.
- Frenchmen Street (Marigny): Die authentischste Live-Musikmeile der Stadt. Abends bis in die Nacht sehr belebt – aber aufmerksam bleiben; der Übergang zu weniger sicheren Bereichen ist fließend.
- Central City, Teile des 7th Ward, Lower 9th Ward: Keine Touristenziele; hohe Kriminalitätszahlen. Kein Grund, dort hinzufahren.
Quellen: Berichte lokaler Medien zur NOPD-Kriminalstatistik 2025 (u. a. fox8live.com), Archdiocese of New Orleans (Cemetery Access Policy).
Mardi Gras, Vieux Carré, Café du Monde - nur einige Beispiele für französische Namen, denen man in New Orleans regelmäßig begegnet. Kein Wunder: New Orleans hat, wie Louisiana überhaupt, eine französische Vergangenheit. Die Stadt wurde 1718 von dem Franzosen Jean-Baptiste Le Moyne de Bienville gegründet und erhielt zu Ehren von Philipp II., Herzog von Orléans, den Namen La Nouvelle-Orléans. Daraus wurde dann im Laufe der Zeit der heutige Name.
Passenderweise heißt das Haupttouristenviertel der Stadt French Quarter (Vieux Carré). Hier lauten die Straßennamen Dumont, Burgundy, Dumaine oder Chartres. Man findet zahlreiche Gebäude im spanischen und französischen Kolonialstil mit blumengeschmückten Balkonen und ihren charakteristischen schmiedeeisernen Geländern.
Wenn man im Café du Monde einen Café au lait trinkt, dazu eine Portion der unvergleichlich genialen Beignets isst (und sich dabei von oben bis unten mit Unmengen Puderzucker einsaut), fühlt man sich für einen Moment nach Paris versetzt. Gleich nebenan warten vor der St. Louis Cathedral Pferdedroschken auf fußmüde Touristen, die eine private Stadtrundfahrt machen möchten.
New Orleans hat auch spanische Wurzeln. 1762 sicherte Frankreich die Kolonie Louisiana mitsamt ihrer Hauptstadt per Geheimvertrag Spanien zu; faktisch übernahm Spanien die Herrschaft 1769. Später holte Napoléon Bonaparte das Gebiet zurück (Dritter Vertrag von San Ildefonso), um es wenig später für den Spottpreis von 15 Mio. US-Dollar an die USA zu verscherbeln (Louisiana Purchase).
French Quarter, Jazz und kreolische Kultur
New Orleans hat einen starken südländisch-exotischen Einschlag. Vielleicht liegt das daran, dass Cajun und Creole zur Kultur der Stadt gehören und ihren Niederschlag in Musik, Küche und Sprache gefunden haben. Vielleicht spielt auch eine Rolle, dass New Orleans als Voodoo-Hochburg gilt. Marie Laveau, die 1881 starb, war als Voodoo-Priesterin kreolischer Abstammung eine der einflussreichsten Persönlichkeiten in der Stadt. An der Dumaine Street im French Quarter gibt es sogar ein Historic Voodoo Museum.
Wem Voodoo zu abgespaced ist, erfreut sich vielleicht eher bei einem Jazz-Konzert (obwohl Jazz auch ganz schön schräg sein kann). Als wir 2014 zwei Tage vor dem Beginn des New Orleans Jazz Festivals in der Stadt waren, waren Hotelzimmer rar und super-teuer. Jazz ist in New Orleans eine ganz große Nummer. Exemplarisch sei an den großen Louis Armstrong erinnert, der in New Orleans geboren wurde.
Beim Thema Kultur darf Mardi Gras nicht unerwähnt bleiben. Am Tag vor Aschermittwoch (Mardi Gras = "Fetter Dienstag") geht in New Orleans richtig fett die Post ab. Das French Quarter verwandelt sich in eine einzige Partymeile und die ganze Stadt ist in Violett, Grün und Gold geschmückt (Violett = Gerechtigkeit, Gold = Macht, Grün = Glaube) und auf Achse. Große Paraden der Karnevalsgesellschaften (Krewes) gibt es seit 1857.
Normalerweise können weder politische Stürme noch echte Stürme diese Tradition ernsthaft klein kriegen. Ganz unverwundbar ist aber selbst Mardi Gras nicht: 2021 fielen wegen der Corona-Pandemie die großen Paraden aus.
Directions
Good to know
Café du Monde: Das Café am French Market (800 Decatur Street) hat laut Betreiber täglich von 7:15 Uhr bis 23 Uhr, freitags und samstags bis Mitternacht geöffnet. Beignets und Café au lait gibt es hier seit über 150 Jahren, Wartezeiten sind vor allem am Wochenende normal.
Friedhöfe: Der Saint Louis Cemetery No. 1 ist nur mit einer zertifizierten Führung zugänglich. Der Lafayette Cemetery No. 1 im Garden District war seit 2019 gesperrt und soll laut Medienberichten am 1. Oktober 2026 wieder eröffnen, dann ebenfalls nur mit Führung (Preservation Resource Center, Gruppen bis 16 Personen). Gruselige Geisterführungen sind dort nicht mehr erlaubt.
My Visits
1994 und 2014 haben wir die Stadt am Golf von Mexiko besucht.
New Orleans ist irgendwie anders. Der kreolische Einschlag ist interessant, dazu hat die Stadt einen morbiden Charme. Leider hat Katrina dermaßen verheerend gewütet, dass New Orleans noch immer schwere Wunden hat, die man auch sieht.
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