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Paderquellen - Bär ermittelt

Bücher von Dirk Möller

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Los Angeles (CA)

(Letzte Änderung: 21.05.2026 @ 18:57)

Los Angeles zwischen Mythos und Klischee

Los Angeles - Stadt der Engel. Von wegen.

L.A.-typische Stichworte wie Smog, Gang-Kriege und Mega-Staus assoziiert man eher mit den Niederungen der Hölle. Nicht wenige Touristen meiden folglich jeden Kontakt mit dem bösen Moloch wie der Teufel das Weihwasser, um im Bild zu bleiben.

Vielleicht sind das aber auch nur Klischees und L.A. ist in Wirklichkeit gar nicht so übel.

Nehmen wir das Thema Kriminalität: L.A. gilt tendenziell als gefährlich. Das beruht vermutlich - und darin liegt eine gewisse Ironie - nicht zuletzt auf den zahlreichen Hollywood-Streifen, in denen schießwütige Gangster am helllichten Tag ihr Unwesen treiben. Reißerische Medienberichte über gang wars, riots oder drive-by-shootings, die auch in Europa für Aufsehen sorgen, nicht zu vergessen.

In dieser Pauschalität zeichnet das ein verzerrtes Bild einer Stadt, die man als normaler Tourist im Regelfall gut bereisen kann, wenn ein paar Grundsätze befolgt werden. Sicherlich gibt es in L.A. neighbourhoods, in denen man sich nicht leichtsinnig treiben lassen sollte. Da hat man als besagter normaler Tourist vor allem nachts nichts verloren.

Mit anderen Worten: Los Angeles ist keine Stadt für totale Orientierungslosigkeit, aber auch kein urbanes Minenfeld. Problemzonen gibt es, sichtbare Armut gibt es, gerade auch im Raum Downtown und Skid Row. Wer jedoch die üblichen Vorsichtsregeln beachtet, sich nicht unnötig in fragwürdige Gegenden manövriert und nachts nicht gedankenverloren durch alles Mögliche schlurft, wird als Tourist in den klassischen Besuchsgegenden normalerweise keine Katastrophen erleben.

Andererseits gibt es in den problematischen Gegenden sowieso wenig, was man auf keinen Fall verpassen darf. Dass man nur mal falsch abbiegen und schon um sein Leben bangen muss, verweise ich ins Reich der Horror-Geschichten. Weite Teile von Downtown sowie, um nur zwei Beispiele zu nennen, Santa Monica oder viele Küstenbereiche sind tagsüber nicht gefährlicher als Großstadtlagen anderswo auch. Venice ist atmosphärisch spannender als sein Ruf, wirkt aber je nach Ecke und Tagesform auch deutlich ruppiger als die Hochglanzprospekte suggerieren.

Was hört man noch über L.A.?

Makellose Körper - ob natürlich oder getunt - rassiger celebrities räkeln sich lasziv am Strand und blondmähnige Supermodels in spe warten auf ihre Entdecker. Schön wär´s (sigh). In Wirklichkeit sieht es am Timmendorfer Strand publikumsmäßig nicht viel anders aus - vor allem Familien am Start, in L.A. viele davon mit hispanischen Wurzeln.

Apropos Strand. Angeblich scheint in L.A. ja immer die Sonne - it never rains in Southern California. Während Regen wirklich selten ist - L.A. liegt in einer semi-ariden Gegend - ist es aber längst nicht immer sonnig. Gerade im Sommer hängen oftmals die berüchtigten marine layers wie zäher Kleister über der Küste und verbreiten absolute Waschküche. Häufig klart es erst am frühen Nachmittag auf, aber längst nicht immer. Trotzdem: Unter dem Strich ist das tendenziell gute Wetter einer der Vorzüge von L.A. Im Sommer ist es wegen der Pazifiknähe nicht zu heiß und im Winter ist das Klima mediterran mit viel mehr Sonne als in Mitteleuropa.

Dann wird ja noch gerne behauptet, dass Los Angeles sowieso nicht lohnt, weil doch San Francisco viel schöner ist. Wenn´s unbedingt sein muss, fliegt man nach LAX, leiht in Inglewood ein Auto und verzieht sich dann schleunigst auf dem Pacific Coast Highway #1 nach Norden (Malibu und weiter nach San Francisco) oder nach Süden (San Diego).

So denken viele und das kommt nicht von ungefähr. Los Angeles kann, was Sehenswürdigkeiten angeht, ganz sicher nicht mit San Francisco mithalten und hat auch nicht den lässigen Charme von San Diego. Die Skyline ist kaum spektakulärer als die von Oklahoma City - L.A. ist eine typische horizontal city.

Getty Center

Kultur, Küste und der Moloch L.A.

Allerdings gibt es auch in L.A. schöne Ecken. Das obige Bild z.B. habe ich durch den üblichen Smog vom Getty Center aus aufgenommen. Das berühmte Kunstmuseum mit seinen hochklassigen Ausstellungen ist ganz bestimmt einen Besuch wert. Keiner soll behaupten, das kulturell Anspruchsvollste in L.A. seien die Universal Studios.

Am schönsten finde ich in Downtown immer noch die futuristisch anmutende Walt Disney Concert Hall.

Walt Disney Concert Hall

Trotz dieser und einiger weiterer Sehenswürdigkeiten hat L.A. nicht die Klasse anderer amerikanischer Großstädte. Gäbe es nicht das fantastische Umland mit den Stränden von Malibu und den Santa Monica Mountains als Kulisse im Hintergrund, Nobel-Viertel wie Bel Air oder Beverly Hills und Traumstraßen, wie den Mulholland Drive, würde ich vermutlich selbst einen Bogen um diese Stadt machen.

Wobei der Begriff "Stadt" für L.A. irgendwie deplatziert wirkt. Das ist gar keine richtige Stadt nach europäischem Verständnis, was tendenziell allerdings für fast alle mittelgroßen und großen amerikanischen Städte gilt. In Los Angeles wird die urbane Zersiedelung jedoch auf die Spitze getrieben, sodass dafür schon Kunstbegriffe wie Exopolis oder Postmetropolis ins Feld geführt werden. Alles muss irgendwie heißen und für das, was L.A. heute ist, gibt es offenbar keinen klassischen Namen.

Während NYC und Chicago beispielsweise noch so etwas wie eine einigermaßen klar abgrenzbare Innenstadt haben (in New York ist das ganz Manhattan), gibt es in Los Angeles, abgesehen von den paar mittelmäßigen Hochhäusern, kein wirklich dominantes Zentrum. Stattdessen findet man ein Konglomerat ineinander übergehender Städte.

Was z.B. ist eigentlich Long Beach? Ein Stadtteil von Los Angeles? Eine eigene Stadt, die nur nahe L.A. liegt? Wo ist eigentlich Disneyland? In Anaheim oder in Los Angeles? Inglewood? Burbank? Pasadena? Das sind alles mehr oder weniger eigenständige Kommunen, die sich wie ein gigantischer urbaner Teppich aneinanderlegen.

Ganz genau lassen sich diese Fragen nur beantworten, wenn man zwischen City of Los Angeles, County, Greater L.A. und noch ein paar anderen Abgrenzungen unterscheiden möchte. Wer in Culver City lebt, wird auf Nachfrage vermutlich sagen, dass er in Culver City lebt, aber weil niemand weiß, wo Culver City liegt, "L.A. Area" hinterher schicken. Der Einfachheit halber erklärt man vieles zur Greater Los Angeles Area ("Greater L.A."), weil die einzelnen Teil-Städte sowieso fließend ineinander übergehen.

Wie auch immer man Los Angeles definiert: Alleine die Tatsache, dass das nicht eindeutig möglich ist, wirkt auf den Besucher, vor allem aus Europa, abstoßend identitätslos und diffus. Kein Wunder, dass dann viele vom Moloch L.A. sprechen.

Der fließende Übergang von Städten unter einem Dach setzt sich auch auf der Ebene der Ethnizitäten fort. Natürlich gibt es ein Zusammenleben verschiedenen Nationalitäten, Religionen und Kulturen auch in anderen Großstädten, aber L.A. ist der typische Schmelztiegel. Auffällig ist vor allem, wie stark Los Angeles und ganz Süd-Kalifornien hispanisch geprägt sind. Offiziell läuft natürlich alles auf Englisch, im Alltag hört man aber vielerorts ebenso selbstverständlich Spanisch.

Wo so viele Menschen leben, fahren auch viele Autos. Vor allem in Amerika mit seiner tief in der nationalen Seele verankerten car culture, wo Leute, die zu Fuß die Straße wechseln, misstrauisch als potentielle Vagabunden beäugt werden. Los Angeles ist bis heute extrem autoabhängig, auch wenn sich das Schienennetz langsam ausdehnt und man sich auf manchen Achsen inzwischen besser fortbewegen kann als früher. Der Grundcharakter bleibt aber: Ohne Auto fühlt sich L.A. für viele Besucher unerquicklich fragmentiert an.

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Downtown Los Angeles hat uns nie besonders interessiert, während wir das Umland in beinahe jedem USA-Urlaub abklappern. Die City selbst stand nur 1991 (Hollywood, Beverly Hills) und 2013 auf dem Programm, aber auch nur, weil der Flieger nach Hawai'i wegen eines Tropensturms ausfiel und wir ein paar Tage auf dem Festland abwarten mussten. 1999 haben wir die Universal Studios besucht. 2008 bin ich den Mulholland Drive von Hollywood aus gefahren.

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L.A. ist ein schwieriger Fall. Urbaner Moloch vs. supercoole Pazifikmetropole. Was ist jetzt richtig? Ich finde Los Angeles besser als seinen Ruf, aber richtig warm werde ich mit der Stadt vermutlich nie.

"Die Engel" (Los Angeles) klingt schon ein wenig euphemistisch.

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