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USA A-Z

(Letzte Änderung: 9.07.2017 @ 10:04)

Obama

Barack Obama. 44. Präsident der Vereinigten Staaten.

Warum schreibe ich ausgerechnet zu diesem Mann? Nicht, weil er ich ein besonderer Fan von ihm wäre oder seine Positionen entschieden ablehnen würde, sondern weil sich an ihm wie an kaum einem Präsidenten Amerikas zuvor die Geister schieden. Obama polarisierte nach meiner Wahrnehmung vor allem im eigenen Land extrem - noch stärker als die Präsidenten vor ihm. (Für seinen Nachfolger gilt übrigens Gleiches.)

Morissey klagte einst in seinem großen melancholischen Song America is not the World: "...but where the President is never black, female or gay..." Nun, die Sache mit der Hautfarbe hatte sich mit Obama ja erledigt, was wenig überraschend längst nicht jedem dumpfen rotnackigen Schwachkopf gefiel. Aber die Hautfarbe war übergeordnet gar nicht der entscheidende Punkt.

Ein Teil des Volkes sah in Obama einen modernen Intellektuellen, der verhärtete Missstände in der Gesellschaft und die damit verbundene Verantwortung des Staates erkannt und entsprechend agiert hatte. Der andere Teil witterte in Obama misstrauisch die fleischgewordene unbotmäßige Einmischung und Willkür des Staates im land of the free und dem home of the brave. Um das zu verstehen, muss man etwas tiefer in die amerikanische Seele eintauchen.

Amerikaner sind ein äußerst freiheitsliebendes Volk. Patriotisch durch und durch und stolz darauf den damals so unbändigen neuen Kontinent, die wilde Natur, unter Kontrolle bekommen zu haben. Und zwar mit der Kraft ihrer Hände, mit Mut und Entschlossenheit, ohne dabei am Rockzipfel der Obrigkeit gehangen zu haben. Zu dieser im amerikanischen Selbstverständnis tief verwurzelten Denkweise passt es nicht, wenn die Regierung die Bevölkerung quasi nötigt etwas zu tun, wofür sie sich freiwillig entscheiden könnte. So ein Diktat ist Verrat an den Werten der Pilgerväter und Republikgründer und redet Sozialismus und Kommunismus das Wort.

Unter diesem Blickwinkel ist Obamas Patient Protection and Affordable Care Act ("Obamacare"), bei dem es im Kern darum geht, dass jeder Amerikaner verpflichtet ist, eine Krankenversicherung abzuschließen, wenn er nicht anderweitig (z.B. durch seinen Arbeitgeber) abgesichert ist, eine von der Regierung auferlegte Zwangsversicherung, der man sich nur unter Strafe entziehen kann. Sie läuft dem historisch gewachsenen Individualismus in der Gesellschaft diametral entgegen. Folgerichtig war und ist sie einer der brisantesten innenpolitischen Zankäpfel der amerikanischen Geschichte. Der 45. Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hat noch am Tag seiner Amtseinführung erste Schritte unternommen das Programm auszuhöhlen bzw. ganz abzuschaffen. Im Umgang mit dieser Reform, aber auch in der Frage, ob schärfere Waffengesetze her müssen, zeigt sich wie unter einem Vergrößerungsglas der Paradigmenstreit zwischen Traditionalisten und Reformern in der amerikanischen Gesellschaft.

Obama steht für Obamacare. Obama steht für viele Amerikaner für die Einmischung des Staates in die Belange des Bürgers. Obama steht für viele Amerikaner aber auch dafür verkrustete Strukturen aufzubrechen und Millionen von Menschen zu einem besseren Leben zu geleiten.

Für Präsident Obama war das Durchdrücken der Reform gegen den heftigen Widerstand des konservativen Amerikas vielleicht der größte innenpolitische Vorbeimarsch seiner Karriere. Abgesehen davon haben sich viele Befürchtungen und Vorurteile seiner politischen Gegner aus dem konservativ-republikanischen Lager als haltlos erwiesen. Weder kam es zu einer Kostenexplosion noch zum düster prophezeiten massenhaften Verlust von Arbeitsplätzen etc. (Quelle: www.zeit.de)