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(Letzte Änderung: 28.04.2026 @ 17:34)
Arzt
Ein krankheitsbedingter Arztbesuch im Urlaub, erst Recht im Ausland, ist so ziemlich das Blödeste, was einem passieren kann. Leider spielt einem das Schicksal aber manchmal einen Streich und man muss zum Doc. Oder die Kinder haben etwas, das mehr als ein Zipperlein zu sein scheint.
Auch meine Familie und ich sind davon nicht verschont geblieben. Insgesamt mussten wir vier Mal während einer USA-Reise einen Arzt konsultieren. Zwei Mal traf es unsere jüngste Tochter und zwei Mal meine Wenigkeit. Wie läuft so etwas ab?
Fallbeispiel 1: Annalena (10 J.) hat eine Mittelohrentzündung und starke Schmerzen
Da es Antibiotika auch in Amerika nicht rezeptfrei gibt, braucht man eine ärztliche prescription. Einfach so zum klassischen niedergelassenen Arzt zu laufen, ist in den USA eher unüblich; ohne appointment geht häufig wenig. Für Touristen sind deshalb urgent care centers oder andere Walk-in-Angebote meist die praktischste erste Anlaufstelle.
Nach der Anmeldung beim receptionist und der Klärung persönlicher Daten sowie der Frage, wie man denn zahlen möchte (cash oder credit), beginnt nicht selten ein längeres Warten. Dann kommt eine nurse und nimmt eine Reihe Vitaldaten. Einen Arzt oder provider hat man bis dahin oft noch nicht zu Gesicht bekommen.
Man kann davon ausgehen, äußerst höflich, respektvoll und fachlich ordentlich behandelt zu werden. Die Kosten sind jedoch auch nicht gerade von schlechten Eltern: Ein banaler Urgent-Care-Besuch kann schnell im hohen zweistelligen oder deutlich dreistelligen Dollarbereich landen, je nachdem, was gemacht wird. Um Scherereien mit der heimischen Krankenversicherung zu vermeiden, sollte man sich unbedingt eine itemized invoice (detaillierte Rechnung) ausstellen lassen, in der die einzelnen Kostenpositionen sauber aufgeführt sind.
Mit einem Rezept in der Hand verlässt man das Urgent Care Center und fährt zum nächstgelegenen Walgreens, CVS, Walmart oder einer anderen Pharmacy. Dort werden verschreibungspflichtige Medikamente gegen Vorlage des Rezepts zusammengestellt; das kann schnell gehen oder auch mal eine Weile dauern. Auch die Medikamentenpreise können deutlich höher ausfallen, als man es aus Deutschland gewohnt ist.
Fallbeispiel 2: Annalena (6 J.) hat eine Infektion am Arm (aufgekratzter Mosquitoe-Stich) und Symptome einer Blutvergiftung
Erste Anlaufstelle ist in einem solchen akuten Notfall entweder ein Urgent Care Center (s.o.) in der Nähe oder gleich die ER (emergency room) des örtlichen Krankenhauses.
Der Ablauf ist ähnlich wie im ersten Fallbeispiel beschrieben. Die Kosten können aber schwindelerregend hoch werden. Inklusive aller Medikamente sowie der fälligen ambulanten Operation (Aufschneiden, Reinigen und Desinfizieren der Wunde) kostete uns der "Spaß" damals rund 500 USD. Heute kann so etwas je nach Ort und Behandlung ohne Weiteres deutlich teurer werden.
Insgesamt ist man im Krankheitsfall in den USA medizinisch in aller Regel in guten Händen, es besteht also kein Grund in Panik zu verfallen. Wichtig ist allerdings eine gute Auslandskrankenversicherung und genügend finanzielle Beweglichkeit. Das Gerücht, dass man in akuten Notfällen erst nach Bonitätsnachweis behandelt werde, ist so pauschal Unsinn. Eine Notaufnahme muss bei echten Notfällen zunächst stabilisieren und behandeln - die Rechnung kommt später. Und die kann es in sich haben.