USA A-Z
(Letzte Änderung: 28.04.2026 @ 17:13)
Armut
Amerika und Armut? Das reichste Land der Welt?
Zugegeben, es mutet schon ein wenig seltsam an, wenn man ausgerechnet in Bezug auf die USA über Armut schreibt. Schließlich ist das Land nach wie vor eine wirtschaftliche Supermacht, Heimat globaler Tech-Riesen, Börsenmythos und Milliardärsparadies in einem.
Trotzdem begegnet man Armut auch in den USA. Auch als Tourist bekommt man davon etwas mit, etwa bei einer Fahrt durch Reservatsgebiete oder einem Stadtbummel durch Manhattan, Los Angeles oder San Francisco, wo viele homeless people auf Bürgersteigen, in Parks oder unter Autobahntrassen leben. Das ist kein exotischer Ausrutscher, sondern vielerorts Teil des Stadtbildes.
Besonders symbolträchtig ist für mich seit Jahren Flint, Michigan. Der Name steht längst nicht mehr nur für eine heruntergewirtschaftete Autostadt, sondern geradezu für den Absturz einer industriellen Mittelschicht, die sich einmal für unangreifbar hielt.
Die Autostadt ("Vehicle City") war einst ein Hort der Zufriedenheit für die vollbeschäftigte amerikanische Mittelschicht. Heute ist Flint vielmehr ein Mahnmal dafür, wie tief ein Ort fallen kann, wenn Industrie verschwindet, Infrastruktur verfällt und politische Verantwortung verdampft. Selbst der Trinkwasserskandal ist im Kern ja nicht die Krankheit, sondern nur eines ihrer besonders hässlichen Symptome.
Was in Flint auf die Spitze getrieben erscheint, betrifft andere Städte ebenfalls, auch ehemals wohlhabende Metropolen: Cleveland, Detroit, Pittsburgh. Überall sieht man den Verfall, Hand in Hand mit dem immer stärkeren Abschmelzen der amerikanischen Mittelschicht. Viele Menschen driften Richtung Armut ab oder leben auf einem wirtschaftlich sehr schmalen Grat, wie auch folgende Headlines demonstrieren, die ich nach zwei Minuten Internetrecherche zu den Stichworten "USA+Armut" ausgebuddelt habe:
Armut in den USA - Ein Leben im Dispo (08.05.2016) (Quelle: www.zeit.de)
Armut in den USA - Nichts mehr zu verlieren (02.09.2016) (Quelle: www.zeit.de)
Armut - In den USA kehren die Slums zurück (13.08.2015) (Quelle: www.zeit.de)
Armut in USA - Wenn vom amerikanischen Traum nichts bleibt (19.09.2016) (Quelle: www.spiegel.de)
Unter dem Strich beschreiben die exemplarisch angeführten Beiträge in unterschiedlichen Akzentuierungen alle das Gleiche: Wohlstand ist in Amerika spektakulär sichtbar, aber soziale Sicherheit oft erstaunlich dünn. Gerade in einer Gesellschaft, in der Gesundheitskosten, Mieten, Studiengebühren und Mobilität so gnadenlos ins Geld gehen, kann ein einziger Stolperer reichen.
Das muss man sich klarmachen: Es geht nicht nur um die klassische, offen sichtbare Armut, sondern auch um die viel größere Zone der Prekarität. Menschen mit Job, Auto und Wohnung können trotzdem finanziell derart auf Kante genäht leben, dass sie von der nächsten Krise nur eine Rechnung entfernt sind.
Es ist in diesem Beitrag nicht ausreichend Platz, das Phänomen der Armut in den USA mit all ihren sozio-ökonomischen Ursachen und etwaigen Lösungsmöglichkeiten umfassend zu diskutieren. Dieses sollte nur ein kleiner Hinweis darauf sein, dass der amerikanische Traum für viele Amerikaner bestenfalls auf Raten funktioniert - und für nicht wenige längst zum Alptraum geworden ist.
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