Veröffentlicht am 30. August 2026ca. 9 Min. Lesezeit
Grundsätzlich sicher: Touristenregionen, Nationalparks und Kleinstadt-Amerika sind so sicher wie die meisten westeuropäischen Reiseziele.
Kriminalität ist konzentriert: Gewalt ballt sich in bestimmten Vierteln bestimmter Städte - kein Tourist hat dort etwas zu suchen.
Größeres Alltagsrisiko als Gewalt: Trickbetrug gegen Touristen (falsche Polizisten, Skimming, überteuerte Straßenverkäufer) - dagegen hilft gesunder Menschenverstand.
Nach 27 USA-Reisen: nie ein ernsthafter Zwischenfall - gesunder Menschenverstand reicht in aller Regel aus.
Grundsätzliche Einschätzung
Die USA sind ein sicheres Reiseland. Das klingt angesichts der medialen Berichterstattung über Schusswaffenangriffe, Gangkriminalität und soziale Ungleichheit vielleicht überraschend - aber es stimmt. Wer sich als Tourist in den üblichen Reiseregionen bewegt, wird die USA in aller Regel als ein entspanntes, gastfreundliches und problemloses Reiseland erleben.
Das bedeutet nicht, dass Kriminalität in den USA kein Thema wäre - sie ist es, und in manchen Städten sehr ernsthaft. Entscheidend ist jedoch: Die Gewalt ist in den USA außerordentlich stark räumlich konzentriert. Bestimmte Viertel in bestimmten Städten haben Kriminalitätszahlen, die europäische Verhältnisse weit übersteigen. Diese Viertel aber hat kein Tourist als Ziel. Der Rest des Landes - Nationalparks, Küsten, Kleinstadt-Amerika, Touristenzentren in den Großstädten - ist so sicher wie die meisten westeuropäischen Reiseziele.
Schusswaffengewalt ist in den USA statistisch häufiger als in Europa. Doch auch hier gilt: Die überwiegende Mehrheit der Opfer kennt ihre Täter. Touristen geraten äußerst selten in entsprechende Situationen. Das Risiko, auf einer USA-Reise Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden, ist für einen durchschnittlichen Reisenden nicht höher als in vielen anderen beliebten Reiseländern.
Trend 2025: historischer Rückgang der Gewaltkriminalität
Die Mordrate in den 35 von einer Studie erfassten US-Städten lag 2025 im Schnitt 21 Prozent niedriger als 2024 - der größte je gemessene Einjahres-Rückgang. Gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019 liegt die Mordrate in diesen Städten sogar rund 25 Prozent niedriger. Sollte sich das in den landesweiten FBI-Zahlen bestätigen, wäre 2025 das sicherste Jahr seit Beginn entsprechender Aufzeichnungen um 1900 (Quelle: Council on Criminal Justice).
Praktische Sicherheitsmaßnahmen
- Stadtpläne nutzen, nicht hilflos herumstehen. Wer orientierungslos mit Karte oder Smartphone auf einer Straßenecke steht, signalisiert Unwissenheit und macht sich zum Ziel. Routen am besten vorher planen oder dezent nachschauen.
- Wertgegenstände nicht offen tragen. Teure Kameras, Smartphones und Schmuck in belebten touristischen Bereichen möglichst nicht auffällig präsentieren.
- Mietwagen niemals mit Gepäck sichtbar abstellen. Einbrüche in Mietwagen - erkennbar an Aufklebern oder Kennzeichen - sind besonders in Großstadtnähe ein bekanntes Problem. Koffer immer im Kofferraum verstauen, besser noch im Hotel lassen.
- In Großstädten auf das Viertel achten. Die meisten touristischen Innenstädte sind sicher. Wer sich jedoch in unbekannte Wohngebiete begibt, sollte vorher recherchieren. GPS-Navigation führt gelegentlich durch Gegenden, die für Fußgänger ungeeignet sind.
- Auf Taschendiebstahl achten. Besonders in stark frequentierten Touristengebieten (Times Square, Hollywood Walk of Fame, French Quarter New Orleans) sind Taschendiebe aktiv.
- Reisekrankenversicherung abschließen. Nicht direkt ein Sicherheitsthema, aber im Notfall entscheidend: medizinische Behandlung in den USA ist extrem teuer. Eine gute Auslandsreisekrankenversicherung mit Rücktransportklausel ist Pflicht - mehr dazu im Beitrag Arztbesuch in den USA.
- Notruf: 911. In den USA gilt für alle Notfälle - Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst - einheitlich die Notrufnummer 911.
Notfallkontakt: Deutsche Botschaft und Konsulate
Für alles, was nicht 911 ist - verlorener oder gestohlener Reisepass, Verhaftung, schwerer Unfall oder Todesfall eines Angehörigen - ist die deutsche Auslandsvertretung zuständig. Je nach Bundesstaat ist ein anderes Generalkonsulat zuständig (u.a. Chicago, Atlanta, Miami, Houston, Los Angeles, San Francisco, Boston, New York); außerhalb der Bürozeiten läuft der Notfall-Bereitschaftsdienst zentral über die Botschaft Washington unter +1 202 298 4000. Bei Passverlust kann dort im echten Notfall auch am Wochenende ein Reiseausweis als Passersatz (RAP) ausgestellt werden - dafür braucht es eine Kopie des alten Passes, die Verlustanzeige der Polizei, ein Passfoto und rund 30 Euro in US-Dollar. Wichtig: Der Bereitschaftsdienst beantwortet keine allgemeinen Pass- oder Visa-Fragen, sondern nur echte Notfälle (Quelle: Auswärtiges Amt).
Trickbetrug: Die häufigsten Maschen gegen Touristen
Statistisch deutlich wahrscheinlicher als ein Gewaltverbrechen ist es, als Tourist Ziel einer der folgenden, meist harmlosen, aber ärgerlichen Abzock-Maschen zu werden - vor allem in New York, Las Vegas, San Francisco, Chicago und New Orleans:
- Falsche Polizisten. Angebliche Zivilbeamte behaupten, es kursiere Falschgeld in der Gegend oder man habe einen erfundenen Verstoß begangen, und verlangen dann Bargeld oder die Ausweispapiere. Echte Polizisten verlangen niemals Bargeld vor Ort - im Zweifel höflich auf einer Ausweiskontrolle bestehen und darauf beharren, die Sache auf der Polizeiwache zu klären.
- "Bump and grab". Eine Person rempelt an, während eine zweite im Trubel die Tasche oder das Portemonnaie entwendet - klassische Ablenkungsmasche in dichtem Gedränge (U-Bahn, Times Square, French Quarter).
- Der Ring-Trick. Jemand "findet" scheinbar zufällig einen wertvoll aussehenden Ring direkt vor den eigenen Füßen und bietet ihn günstig zum Kauf an - der Ring ist wertlos.
- Gefälschte Strafzettel. An der Windschutzscheibe klemmt ein offiziell aussehender "Strafzettel" mit QR-Code zur Zahlung - der Code führt zu einer betrügerischen Zahlungsseite, keiner echten Behörde.
- Skimming an Zapfsäule und Geldautomat. An manipulierten Kartenlesern werden Kartendaten und PIN abgegriffen. Am sichersten sind Geldautomaten in Bankfilialen und das Bezahlen drinnen an der Tankstellenkasse statt an der Säule (mehr dazu im Beitrag Tanken in den USA).
- Überteuerte Straßenverkäufer und Fotomotive. Kostümierte Figuren am Times Square oder Hollywood Walk of Fame verlangen nach dem gemeinsamen Foto plötzlich 10-20 Dollar Trinkgeld; manche Straßenhändler (z.B. Hot-Dog-Stände in New York) rufen 30 Dollar für etwas auf, das eigentlich 3-5 Dollar kostet. Preis vorher klären, notfalls einfach weitergehen.
- Hotel-Anruf-Betrug. Ein Anrufer gibt sich als Rezeption aus und behauptet, es gäbe ein Problem mit der Zahlung - dabei werden am Telefon die Kreditkartendaten erneut abgefragt. Niemals am Telefon herausgeben, stattdessen persönlich an der Rezeption nachfragen.
Verhalten bei einer Verkehrskontrolle
Als Mietwagentourist gerät man gelegentlich auch ohne eigenes Verschulden in eine traffic stop - und das läuft anders ab als in Deutschland. Bei Blaulicht im Rückspiegel zügig und sicher an den rechten Fahrbahnrand fahren, den Motor abstellen, bei Dunkelheit die Innenbeleuchtung einschalten und die Hände gut sichtbar aufs Lenkrad legen. Erst nach Aufforderung und mit angekündigter Bewegung ("I'm reaching for my documents in the glovebox") Führerschein, Mietvertrag und Versicherungsnachweis hervorholen. Ruhig bleiben, freundlich und kooperativ antworten, nicht diskutieren - das ist keine Frage von Recht haben, sondern von einer möglichst unaufgeregten, kurzen Begegnung. Am Ende reicht bei kleineren Verstößen häufig eine mündliche Verwarnung.
Naturgefahren: Hurrikane, Tornados und Extremhitze
Neben Kriminalität gehört für eine realistische Sicherheitseinschätzung auch das Wetter dazu - in den USA teils deutlich extremer als in Deutschland:
- Hurrikane (Golf- und Atlantikküste, Florida): Offizielle Saison ist der 1. Juni bis 30. November, mit Schwerpunkt Mitte August bis Mitte Oktober (Quelle: NOAA). Wer in dieser Zeit an der Golf- oder Südatlantikküste unterwegs ist, sollte Wettermeldungen verfolgen und Evakuierungsanordnungen unbedingt befolgen.
- Tornados (Mittlerer Westen, "Tornado Alley"): Hauptsaison ist das Frühjahr (etwa April bis Juni), Schwerpunktregion die Great Plains von Texas bis South Dakota. Bei einer Tornado Warning (im Unterschied zur weniger dringlichen Watch) sofort einen stabilen Innenraum ohne Fenster aufsuchen.
- Extremhitze (Südwesten): Wüstenregionen wie Death Valley oder Arizona erreichen im Sommer lebensgefährliche Temperaturen - ausführlich dazu der Abschnitt zur Hitzegefahr auf der Seite Death Valley.
Die zehn gefährlichsten US-Städte
Die folgende Tabelle zeigt US-Städte mit besonders hoher Mordrate (Tötungsdelikte je 100.000 Einwohner, 2024, auf Basis städtischer Polizeidaten und RIT Center for Public Safety Initiatives). Wichtig: Keine dieser Städte ist pauschal gefährlich (mit Ausnahme von Compton, das ein Stadtteil von Greater L.A. ist) - die Gewalt ist auf bestimmte Viertel konzentriert. Die Touristenzonen sind in der Regel deutlich sicherer als die Gesamtstatistik suggeriert.
| Stadt / Bundesstaat | Mordrate (je 100.000 Ew.) |
|---|---|
| St. Louis, Missouri Gateway Arch / Downtown sicher |
54,4 |
| New Orleans, Louisiana French Quarter gut gesichert |
34,7 |
| Detroit, Michigan Downtown im Aufschwung |
32,1 |
| Washington, D.C. National Mall / Capitol-Umgebung sicher |
27,3 |
| Atlanta, Georgia Midtown / Downtown touristisch nutzbar |
24,7 |
| Indianapolis, Indiana Downtown / White River State Park sicher |
23,8 |
| Richmond, Virginia Selten Hauptziel von Touristen |
23,0 |
| Chicago, Illinois Loop / Magnificent Mile sicher |
21,7 |
| Compton, Kalifornien Kein Touristenziel |
20,1 |
| Oakland, Kalifornien Jack London Square / Downtown mit Vorsicht |
18,6 |
| Zum Vergleich: USA-Bundesdurchschnitt 5,6 (2023) | Daten 2024 | Hinweis: Die Studie erfasst 24 ausgewählte Städte, keine Gesamterhebung aller US-Städte Quelle: RIT Center for Public Safety Initiatives - 2024 Homicide Statistics for U.S. Cities (PDF) |
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Sicherheitshinweise zu einzelnen Städten auf dieser Website
Auf folgenden Stadtseiten findest du ausführlichere Einschätzungen zur Sicherheitslage - mit Viertelbeschreibungen, konkreten Tipps und persönlichen Erfahrungen:
Persönliche Erfahrungen: 27 USA-Reisen ohne Vorfall
Ich bin 27 Mal in den USA gereist - kreuz und quer durch das Land, von den Keys bis nach Hawaii, von der Pazifikküste bis zur Ostküste. In all diesen Jahren ist mir nie etwas passiert. Kein Überfall, kein Diebstahl, kein ernsthafter Zwischenfall.
Einmal, am Walk of Fame in Hollywood, hatte ich den Eindruck, dass die Situation brenzlig werden könnte - ich hatte das Gefühl, dass es jemand auf meine Kamera abgesehen hatte. Ich bin einfach weggegangen. Das Problem war erledigt, bevor es akut werden konnte. Das Hollywood-Szenario am Walk of Fame ist an sich nicht gefährlich, aber belebte Touristenmeilen verlangen nun einmal Aufmerksamkeit.
Eine ganz andere Erfahrung machte ich 1992 in Chicago. Damals besuchte ich ein Heimspiel der Blackhawks im alten Chicago Stadium - dem unmittelbaren Vorgänger des heutigen United Center, das 1994 an derselben Stelle eröffnet wurde. Das Viertel rund ums Stadium war in jener Zeit alles andere als einladend. Uns ist nichts passiert, aber der Abend war trotzdem unerquicklich - permanent von Crack-Dealern und anderen finsteren Gestalten angesprochen zu werden ist nun einmal kein Vergnügen. Die ganze Geschichte steht ausführlicher auf der Chicago-Seite.
Mein Fazit nach all diesen Jahren: Die USA sind sicher, wenn man sich vernünftig verhält. Das bedeutet vor allem: sich nicht in Gegenden aufhalten, für die es keinen touristischen Grund gibt, und die üblichen Großstadt-Regeln beherzigen. Ich habe mich in all diesen Reisen bewusst nie in Gegenden aufgehalten, die als gefährlich gelten - und das hat sich bewährt.