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Paderquellen - Bär ermittelt

Bücher von Dirk Möller

Paderquellen - Bär ermittelt Neu

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Portugal Reisebericht 2026, 04.08.2026, Tag 15, Teil 1

Oh Miradouro

(Letzte Änderung: 5.10.2026)

Eine sehr kurze Nacht. Um halb zwei bin ich wach und stürze zum Fenster, um etwas frische Luft reinzulassen. Aber Anja hat es schon aufgerissen. Und trotzdem ist es sagenhaft warm in der kleinen Butze. Ist ein ordentliches Hotel, ein preiswertes Zimmer, das zwar nicht schön ist, aber zweckmäßig, aber dass es sich so aufheizt, ist schon beachtlich.

Um 2:45 Uhr ist die Nacht endgültig zu Ende. Schnell unter die Dusche, Technik zusammenkramen, noch ein paar Handgriffe hier und da, dann schleppen wir alles die Treppe runter. Unten steht schon ein großes gelbes Taxi vor der Tür. „Are you Doris?“, frage ich die Dame am Steuer. Ist sie. Super-professionell, wie uns unsere Vermieterin beim Check-in versichert hat, und entsprechend pünktlich. Außerdem sehr freundlich. Das klappt ja schon mal bestens. Wir fahren schon um 3:05 los und sind um viertel nach bereits beim Airport.

SATA trifft gerade letzte Check-in Vorbereitungen. Wenig später stehen wir vor ihr: unfreundlich, wenig hilfsbereit. Dass wir mit SATA bereits üble Erfahrungen gemacht haben (Direktflug gecancelled, Umsteigeverbindung geändert und später gecancelled, neue sehr ungünstige Umsteigeverbindung bekommen, aber auf der Warteliste für eine bessere …), scheint sie wenig zu beeindrucken. Auch nicht, dass wir offenbar von der Warteliste gestrichen wurden, ohne eine Email-Benachrichtigung zu erhalten (wie zuvor schon bei der gestrichenen Umsteigeverbindung). Pech gehabt, scheint die Devise zu sein. Zu guter Letzt wird auch noch unser Handgepäck einkassiert, jedenfalls die Tasche und der Trolley. Was wir hassen! Was null Vorteile hat, aber potenzielle Probleme heraufbeschwört beim Baggage Claim! Weswegen wir – von den Kosten abgesehen – stets nur mit Handgepäck fliegen. Die Unfreundlichkeit in Person lässt uns eiskalt abblitzen. Was soll man da machen? Neben mir scheint es einem Herrn ebenso zu ergehen. Er echauffiert sich vernehmlich, ebenfalls mit Null Erfolg. Zurück zur Warteliste: Wir sollen erstmal nach Terceira fliegen und vor Ort unser Glück versuchen.

Wir warten, dass es losgeht.

Mit einer Turbo-Prop-Maschine heben wir endlich ab.

Turboprop-Maschine der SATA nachts in Funchal

Zum Glück herrscht nicht der berüchtigte Madeira-Wind, der schon so manchem den Abflug verhagelt hat. Mein Freund Ralf kann ein Liedchen davon singen. Und nicht nur er. Steht sogar im Reiseführer: Man soll sich nach Madeira nicht gleich zu wichtige Termine vornehmen …

Todmüde steigen wir ein, und mir fallen tatsächlich einmal die Augen zu. Was dazu führt, dass mein Kopf nach vorne fällt und ich schlagartig wieder hellwach bin. Nein, ich kann einfach nicht im Flugzeug schlafen. Konnte ich noch nie und werde ich auch nicht mehr lernen. Egal.

Wir setzen ziemlich ruppig am Lajes Flughafen auf. Spätestens jetzt sind alle wach.

Wir fahren mit den Rolltreppen zwei Stockwerke nach oben und präsentieren uns beim SATA-Transfer Desk. Dort sitzt eine Frau, die sich unsere Leidensgeschichte anhört. Zunächst sprüht sie auch nicht gerade vor Eifer – sie könne nichts sehen von einer Warteliste. Jetzt wird es mir zu bunt. Ich erinnere die Dame daran, dass es auch noch so etwas wie Fluggastrechte gibt, und verlange Food Vouchers, wenn wir wirklich auf den späteren Flug verbannt werden. Food was? Vouchers könne sie nicht rausgeben, dafür wäre sie nicht autorisiert. Okay, dann bitte jemand fragen, der autorisiert ist. Einen Anruf später stellt sich heraus, dass niemand bereit ist, einen Voucher herauszurücken. Wir könnten aber in Vorleistung gehen und später einen Refund verlangen. Ach, danke. Allerdings muss man der Dame zu Gute halten, dass sie sich nun wirklich kümmert. Sie sorgt dafür, dass wir beim Lost&Found Desk erscheinen dürfen, wo unser Gepäck vorsorglich eingesammelt wird, falls das mit der Warteliste klappt, auf der wir nun tatsächlich stehen. Was wir ja eigentlich bereits taten, bevor man uns kommentarlos rausgekickt hat …

Mit dem Gepäck geht’s wieder zwei Etagen hoch zum Check-in, wo wir endlich ein Standby-Ticket ausgedruckt bekommen. Wo unser Gepäck allerdings wieder einkassiert wird. Was immer noch blöd ist, denn wenn wir von der Warteliste fliegen, müssen wir sehen, dass nicht unser Gepäck vor uns … ach, lassen wir das. Wie gesagt: Probleme lauern, wohin man auch blickt.

Bei Security sorgt mein Kalinor dafür, dass mein gesamter Rucksack auf den Kopf gestellt wird. Hat man scheinbar noch nie gesehen, aber dass es medicine ist, wird akzeptiert.

Nun sitzen wir hier, an Gate 6, und warten auf Erlösung. Doch leider verzögert sich der Abflug auf 10:00, weil der Flieger zu spät auf Terceira landet, der nach São Miguel weiterfliegen soll.

Abflugtafel am Flughafen Lajes auf Terceira

Während ich diese Zeilen schreibe, warten wir immer noch. Es ist übrigens bereits 9:41. Zehn Uhr Abflug ist utopisch.

Um 11:05 Uhr sitzen wir wieder an selber Stelle. Zwischenzeitlich hat sich die Wartelisten-Hoffnung zerschlagen. Auf den letzten Drücker rückte noch eine Familie an, die die letzten Plätze belegte. Wir also wieder zurück zu Baggage Lost&Found, wo uns die Dame noch kennt. Zum Glück hatten unsere Sachen noch nicht die Reise nach Ponta Delgada angetreten und wir können sie freudestrahlend in unsere Arme schließen. Hoch damit zum Ticket-Office von SATA, wo man uns auch noch kennt, und neue Bordkarten ausstellt. Bzw. die alten entwertet, verbunden mit der Zusicherung, dass unsere Plätze nicht verlorengehen in der Zwischenzeit. Mittlerweile glaube ich an nichts Gutes mehr und traue SATA alles zu …

Beim Check-in ist es mittlerweile recht voll. Erfreulicherweise, und das einzig Gute bislang, dürfen wir unser Gepäck behalten und müssen es nicht einchecken. So bleibt uns wenigstens Baggage Claim in Ponta Delgada erspart.

Wieder durch Security, auch hier hat sich mittlerweile eine Schlange gebildet. Wieder sorgt mein Kalinor für Stirnrunzeln, dabei habe ich es extra aus dem Rucksack geholt. Wieder setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Brausetabletten kein Sprengstoff sind. Trotzdem werde ich an den Händen und in Gürtelhöhe einem Sprengstofftest unterzogen. Gut, die Leute machen nur ihre Arbeit.

Tja, und jetzt – wie gesagt – ist wieder Warten am Gate angesagt. Ich überbrücke die Zeit und schaue das Bayern-Testspiel in Jeju. Auch was Positives.

Beim Stande von 2:1 für Bayern springt Anja plötzlich auf und rennt zum Monitor mit den Fluganzeigen. Und kehrt mit entgeistertem Gesicht zurück. Was los ist, frage ich. Dass der Flug auf 21:40 verschoben wurde, sei los, entgegnet sie. Waaaaaaaaaaas? Das ist in neun Stunden? Und unser Mietwagen auf São Miguel? Und die Hotelübernachtung?

Ruckzuck bildet sich eine Traube aufgeregter Menschen am Gate, wo SATA-Personal angerückt ist. Es gäbe ein technical issue, es könnten keine weiteren Informationen gegeben werden. Die allgemeine Auskunftsbereitschaft hält sich in engen Grenzen. Es entsteht der Eindruck, dass man die Passagiere einfach nur abwimmeln will.

Ich frage höflich, ob ich einen Ausdruck bekommen könne mit unseren Flugrechten. Was für ein Ausdruck, bellt es mir entgegen. Na so einen, wie auf dem laminierten Infoblatt steht, das vor ihnen auf dem Tresen liegt. Und zwar in fünf Sprachen, unter anderem Portugiesisch. Sie wüsste von keinem Infozettel und hätte damit nicht zu tun. Da wird es mir zu bunt. (Zur Vorgeschichte: Wir hatten ursprünglich einen Direktflug von Funchal nach Ponta Delgada gebucht. Gecancelled von SATA. Umgebucht auf eine ungünstige Umsteigeverbindung über Terceira. Ohne Nachricht rausgeworfen worden und auf die aktuelle, noch viel ungünstigere Verbindung umgebucht worden – bei Booking.com steht immer noch die alte Verbindung im Flugplan. Anschließend auf eine Warteliste gesetzt worden für die vorherige Umsteigeverbindung und von dieser wiederum kommentarlos und ohne Benachrichtigung runtergeworfen worden …) Ich erinnere die Dame daran, dass sie in diesem Moment ein representative der Airline ist und die Informationen kennen sollte, die vor ihr auf dem Tisch liegen. Und wenn sie sie schon nicht kennt, sich wenigstens um das kümmert, was da steht. Sie entgegnet kackfrech sinngemäß, dass Flugrechte nicht ihr business wären. Schwer, da nicht die Beherrschung zu verlieren …

Wir stapfen wutentbrannt davon. Eine Etage hoch zum Service-Desk. Dort sitzt eine Dame, die komplett gelangweilt ist. Wir könnten nur abwarten, bei Nebel (fog) könne man nichts machen, das wäre höhere Gewalt. Von wegen! Vor und nach unserem Flug starten und landen in Ponta Delgada massenhaft Flugzeuge. Kann man schön bei flightradar24 oder sonst wo im Internet verfolgen. So einfach ist das nicht mehr, die Passagiere zu verarschen heutzutage. Ich entgegne, dass eben etwas von technical issue erzählt wurde. Juckt sie nicht. Ich möchte die schriftlichen Informationen über die Flugrechte haben, was auch auf ihrem Tisch angepriesen wird. Sogar in einem Plexiglas-Ständer, für alle sichtbar. Flugrechte? Ach ja, da gäbe es einen Zettel. Drückt sie mir in die Hand – immerhin. Ansonsten die Gelangweiltheit pur.

Wir gehen rüber zum Ticketing und fragen, ob wir einen der Flüge nehmen können, die heute zwischen jetzt und 21:40 Uhr von TER nach PDL fliegen. Trotz angeblichen Nebels … Leider alle voll, versichert uns der wirklich freundliche Herr, der unsere Leidensgeschichte im PC nachverfolgen kann und nur mit dem Kopf schüttelt. Ich frage ihn, ob er glaubt, dass unser Flug heute überhaupt noch geht. Oder ob die berühmte Salami-Taktik angewendet wird im Überbringen schlechter Nachrichten. Er verzieht das Gesicht und gibt zu, dass er es nicht einschätzen kann. Es würde aber nichts bringen, uns auf eine Warteliste zu setzen, denn dann würden wir unseren aktuellen Flug verlieren und hätten gar nichts mehr. Keinen Plan A und keinen Plan B. Wobei ich noch kurz anmerke, dass es sich eher um Plan D und Plan E handelt, aber egal …

Wir bekommen Vouchers fürs Mittagessen (15 EUR) und fürs Dinner (7,50 EUR). In der Cafeteria bekommen wir als Mittagessen eiskaltes Gemüse, zwei undefinierbare Fleischklößchen und ein paar kalte Nudeln. Und einen Becher Wasser. Das war’s. Von wegen Burger oder Caesar Salad. Für Vouchers nur das Zeug, das sonst wahrscheinlich kaum anzubieten ist. Der Hunger treibt es rein.

So, und nun? Es ist jetzt halb zwei. Wir gehen erst mal vor die Tür. Uber in die Inselhauptstadt kostet 27 EUR one way. Und wir haben das ganze Gepäck, was einerseits gut ist, aber für eine Stadtbesichtigung suboptimal. Zumal es brütend warm ist. Temperaturtechnisch gar nicht so wild, aber die Sonne knallt sehr intensiv vom Himmel und es ist ziemlich drückend.

Wir fragen mal nach bei einem Mietwagen-Schalter. 110,- EUR mit basic insurance für ein paar Stunden niedrigste Kategorie. Alles klar, schönen Dank auch. Und weg.

Die nächsten drei Mietwagen-Gesellschaften haben gar nichts mehr. Am Ende kriegen wir mit Ach und Krach noch einen Mietwagen für 80 EUR mit voller Versicherung und sehr niedrigem deposit. Ist der letzte Wagen, der verfügbar ist. Nicht aufgetankt und auch nicht sauber. Die absolute Mühle, die kaum einen Hügel hochkommt. Aber egal, es ist ein fahrbarer Untersatz, und vor allem gehen die Formalitäten ruckzuck. Wir müssen auch nicht erst irgendwohin geshuttelt werden, sondern die Karre steht quasi direkt vor der Tür. Ich habe ja den Verdacht, dass das alles ein wenig – sagen wir mal: irregulär – gerade abläuft, ist mir aber egal. Hauptsache weg von diesem Ort des Grauens, an dem wir nun bereits sieben Stunden abhängen. Wir machen ein Video von dem Auto, um die vorhandenen Macken zu dokumentieren, und zischen ab.

Wohin eigentlich? Über Terceira wissen wir exakt nichts. Was guckt man sich hier so an? Eine kurze Internet-Recherche später nehmen wir Kurs auf den Miradouro da Serra do Cume oberhalb von Praia da Vitória. Die Straßen sind schmal, aber gut zu befahren. Selbst mit unserer Klapperkiste.

Längst hat sich die Anspannung gelöst. Wir machen einfach Urlaub. Zwar komplett anders als geplant, aber wir haben einen fahrbaren Untersatz, das Wetter ist gut und es gibt viel zu entdecken. Uns geht es gut. Scheiß auf SATA Azores Airlines!

Wir kommen beim Aussichtspunkt im Nebel an. Hmmpff. Aber der Nebel verzieht sich bereits. Wir müssen ein paar Minuten abwarten. Und sieh da:

Felder mit Steinmauern vom Miradouro da Serra do Cume, noch mit Nebel Patchwork aus grünen Weiden vom Miradouro da Serra do Cume Weite Weidelandschaft im Inneren von Terceira Felder und Steinmauern auf Terceira bei aufreißenden Wolken Blick über Praia da Vitória und die Küste

Das sieht doch gar nicht so übel aus.

Wir fahren weiter zum nächsten Miradouro.

Schmale Straße zwischen Hortensien auf Terceira Straße mit Hortensien und Windrädern auf Terceira

Toll sind die Hortensienbüsche links und rechts.

Mietwagen auf einer Straße zwischen blühenden Hortensienhecken Hortensienhecken an einer Straße bei den Windrädern

Angekommen.

Schild I love Fonte do Bastardo am Aussichtspunkt

Toll hier, richtig klasse.

Grüne Weiden und Küste vom Miradouro bei Fonte do Bastardo Blick vom Aussichtspunkt über Terceiras Ostküste

Außer uns ist nur ein Pärchen hier oben. Man bittet uns, ein Foto von ihnen zu machen. Machen wir natürlich gerne.

Und weiter geht’s. Über Kopfsteinpflaster-Straßen. Mit unserem Gefährt eine ziemlich ruppige Angelegenheit, aber irgendwann geschafft. Wir fahren nach Angra do Heroísmo – ein wohlklingender Name für die Inselhauptstadt, die als absolut sehenswert gilt. Die Altstadt ist bereits seit 1983 UNESCO-Weltkulturerbe.

Nach einigem Suchen finden wir einen Parkplatz an einer steilen Straße. Der Parkscheinautomat scheint nicht zu funktionieren, oder wir stellen uns zu blöd an. Wir fragen eine Dame, die uns gerne behilflich ist, aber auch nur feststellen kann, dass das Teil nicht funktioniert. Ein paar Meter weiter gibt es aber noch einen Automaten, und dieser funktioniert.

Ab sofort begeben wir uns auf Erkundungstour durch die Altstadt von Angra. Gleich an Ort und Stelle stechen die hübschen Fassaden ins Auge.

Bunte Hausfassaden in der Altstadt von Angra do Heroísmo