Vive la France 2025!
(Letzte Änderung: 11.08.2025 @ 14:18)
Tag 9: 23.04.2025
Wir ziehen mal wieder um - Inselhopping Teil 3 ist angesagt: Martinique.
Um dorthin zu kommen, muss man erstmal auschecken - kein Problem. Einfach nur Schlüssel abliefern.
Dann zum Fähranleger: zehn Minuten zu Fuß, wobei es leicht stippelt, während gleichzeitig die Sonne scheint. Die Stadt schläft übrigens wieder mal - Ostersonntag. Man hat sich bei der gestrigen Verkaufs-/Kauforgie scheinbar verausgabt.
Bis wir an Bord sind, dauert es natürlich wieder mal. Wir stellen uns in die Schlange, die schon in stattlicher Länge vorhanden ist, obwohl wir bereits um acht Uhr auf der Matte stehen. Ein größere Gruppe mit dreißig, vierzig Personen hat vor uns aufgeschlagen.
Wir stehen uns bis halb zehn die Beine in den Bauch, dann kommt endlich Bewegung in die Sache. Wir stellen uns bei Immigration vor - und werden postwendend zurückgeschickt. Erst müssen wir noch 172 ECD Ausreisegebühr zahlen. AUSreisegebühr? Muss ich das verstehen? Man weiß es nicht. Was soll´s, ist eben so ...
Wir dürfen einen Raum weiter. Dieser ist zum Glück klimatisiert, allerdings grenzwertig heftig. Hier verharren wir weitere fünfundvierzig Minuten.
Dem Erfrierungstod nahe, geht es um viertel nach zehn an Bord. Für mich mit komplett leerem Magen, die Hinfahrtbeinahekatastrophe ist mir noch in übler (Achtung: Wortspiel!) Erinnerung. Anja hat immerhin einen Kaffee intus. Mutig, mutig ...
Zum Glück ist die Überfahrt nach Martinique nicht mit der nach Dominica zu vergleichen. Abgesehen davon, dass ich die erste Stunde zwischen Baum und Borke stehe, also zwischen Innenbereich und Außendeck, und den Horizont im Blick behalte, ist der Seegang heute nicht ganz so heftig. Schaukeln tut es dennoch reichlich. Kotztüten kommen auch reichlich zum Einsatz - zum Glück nicht bei uns.
Wir laufen in Fort-de-France ein. Pünktlich um 12:15 Uhr. Hier, in der Karibik, läuft übrigens alles pünktlich. Auf Guadeloupe, Dominica, Martinique. Da kann sich der deutsche ÖPNV aber sowas von eine Scheibe abschneiden.
Da wir diesmal schlau waren und uns geweigert haben, das Gepäck abzugeben (und meinen bereits aufs Band beförderten Trolley zurückverlangt haben), sind wir ganz schnell bei Immigration. Und ruckzuck im Lande, das hier wieder Frankreich heißt. Auch Martinique ist ein französisches Überseegebiet und gehört damit zur EU. Hier gilt, wie auf Guadeloupe, die EU-Roamingrichtlinie - nicht aber auf Dominica. Da muss man aufpassen beim Surfen.
Nun kommt ein klarer Fall von Hochmut vor dem Fall. Wir checken die Taxi-Preise. 20 EUR zum Airport, wo unser Mietwagen wartet. Ok, passt. Wir steigen ein.
Nur, um gleich darauf wieder auszusteigen, denn die kein Wort Englisch sprechende Dame am Steuer tischt uns auf, dass sie sich vertan hätte. Mit einer Übersetzungs-App tut sie das. Es wären gar nicht 20 EUR, sondern schlank das Doppelte. Alles klar, verarschen können wir uns alleine. Also bitte anhalten und raus hier!
Tja, schön, dass wir unser Ego befriedigt haben. Dumm nur, dass es einfach keine Taxi-Alternative gibt. Wir fragen hier und da - 40 EUR, man hat sich abgesprochen. Weil heute Sonntag ist. Na klar.
Am Ende, man glaubt es kaum, landen wir kleinlaut in demselben Wagen, aus dem wir vorher mit Stolz geschwellter Brust geflüchtet sind, und fahren für 40 (!) EUR ein paar Kilometer zum Flughafen. Ich finde ja immer noch, dass das Abzocke ist, aber was will man machen?
Die Krönung ist, dass unserer Fahrerin offenbar keinen Schimmer hat, wohin sie muss. Ich staune beim Blick auf Google Maps, wo wir gerade herumgurken. Wir haben Rental Cars Airport gesagt ("arrivals, arrivée"), weil. Ist wohl irgendwie untergegangen. Sie kutschiert uns in ein Industriegebiet, aber AddCar gibt es dort nicht.
Das Taxameter zeigt mittlerweile übrigens weit über 50 EUR an. Ich sage, dass das hier falsch ist, dass wir zum Terminal müssen, wo wir abgeholt werden. Wie bereits beim Einsteigen gesagt.
Schließlich sind wir da, wo wir von Anfang an hätten hinfahren sollen - und zahlen 40 EUR, keinen Cent mehr.
Wir warten auf den Vermieter. Nichts zu sehen. Eigentlich soll hier jemand von AddCar stehen mit einem Schild in der Hand und unserem Namen drauf. So ist es vereinbart.
Kein Schild. Jedenfalls nicht mit unserem Namen. Überhaupt weiß niemand, wo eigentlich genau Meet&Greet sein soll. Ist ja auch kein offizieller Name, sondern eher so etwas wie eine Vereinbarung, dass man sich trifft. Wo auch immer. Ich finde ja, dass der Arrivals-Bereich, wo die Passagiere aus den Türen kommen, dafür passend wäre. So kennt man es doch auch. Offenbar ist man von Seiten des Vermieters anderer Ansicht.
Tja. Und nun? Rufen wir bei AddCar an. Der Wagen käme, heißt es, wir sollen beim Elize-Restaurant warten.
Das tun wir. Und warten und warten und nichts passiert.
Einen Anruf später wissen wir, dass man uns nicht gefunden hat. Hä? Wir stehen genau vor der Tür des Restaurants. Des Rätsels Lösung ist, dass die Fahrerin auf dem Parkplatz HINTER dem Restaurant auf uns gewartet hat. Und dann wieder abgedampft ist - natürlich ohne Rücksprache mit uns. Einfach weg.
Aber jetzt wissen wir ja, woher der Hase läuft, und postieren uns mittig auf dem Parkplatz. Und siehe da: der Shuttle-Bus kommt ein zweites Mal.
Einige Minuten später sind wir bei der Vermietstation. Dort geht alles schnarchend langsam. Aber wirklich. Aufreizend langsam, dabei sind kaum Kunden da. Wir zwingen uns zu Geduld und Gelassenheit. Eine halbe Stunde später haben wir den Wagen. Man versucht uns eine Gebühr von 25 EUR anzudrehen für die Reinigung des Autos zum Schluss. Ansonsten würde es teuer werden, wenn nachgebessert werden müsste. 45 EUR wären dann nämlich fällig. Ach so, klingt logisch. 20 EUR als erzieherische Maßnahme? Trotzdem: Wir verzichten auf den vorauseilenden Gehorsam und geloben Sorgfalt und Reinlichkeit.
31° im kaum vorhandenen Schatten draußen. Es ist brütend heiß. Die Sonne knallt richtig vom Tropenhimmel.
Wir fahren in den Süden der Insel, wo wir das Karibea Sainte-Luce Hotel sofort finden. Boah, was ist das hier voll. Die großen Parkplätze gerammelt dicht. Hilfe! Wir quetschen den Wagen an einen eigentlich nicht zum Parken geeigneten Seitenstreifen, aber es gibt keine Alternative.
Beim Check-In funktioniert meine Kreditkarte nicht. Die andere hingegen schon. Wieso? Man weiß es nicht.
Das Hotel macht einen schönen Eindruck. Problem ist nur, dass es auf dem Zimmer kein WLAN gibt. Nur in den öffentlichen Bereichen. Hmpff, stand das irgendwo? Wahrscheinlich habe ich es überlesen. Davon wollen wir uns aber nicht ärgern lassen, wird schon werden.
Blöd ist, dass wir absolut nichts zu trinken haben. Und dass es hier absolut nichts zu kaufen gibt, keinen Laden in der Nähe, der am Ostersonntag geöffnet hat. Carrefour Express, drei Kilometer weiter zum Beispiel ist geschlossen. Nur die Hotel Bar hat später auf, wo alles sensationell teuer ist. Immerhin können wir an der Rezeption für drei EUR eine Pulle Wasser kaufen, das geht ja noch.
Wir schauen uns die beiden Pools an, an denen der WLAN-Empfang übrigens auch sehr mäßig ist. Ganz hübsch, aber nicht überwältigend. Trotzdem: Wir sind zufrieden, das PL-Verhältnis scheint zu passen, und darauf kommt es uns immer an.
Richtig schön ist der Strand, der gleich hinter dem Hotel liegt. Diesem statten wir noch einen kurzen Besuch ab. Es ist sehr voll. Viele junge Franzosen vom Festland - viele mit reichlich Alkohol. Auch sehr viele Einheimische. Ich finde die Atmosphäre schön.
Viele Barbecues. Und überall laute Musik, richtig Remmidemmi, wie auf Dominica. Stört uns aber nicht, gehört wohl irgendwie zur Karibik dazu.
Abendessen wird ein Thema. Aber das ist gar nicht so leicht am Ostersonntag. Hier ist wirklich fast alles dicht, selbst die Restaurants. Ungewöhnlich. Schließlich finden wir eine Pizzeria, ganz in der Nähe des Hotels. Eigentlich kein richtiges Restaurant, sondern eher was zum Bestellen und Mitnehmen. Ein paar kleine Tische gibt es aber, und wir nehmen an einem Platz. Kein Tischservice, wird uns verklickert. Wir müssen an der Theke bestellen. Okay, machen wir. Die Pizzen sind gut, immerhin.
Anschließend noch ein bisschen Bosch Legacy - Staffel 3, auf unserem Balkon. Dann geht es um halb zehn ins Bett, denn Anja hat starke Kopfschmerzen. Wollen wir mal hoffen, dass das morgen früh weg ist.