Vive la France 2025!
(Letzte Änderung: 11.08.2025 @ 10:46)
Tag 6: 21.04.2025
Den Morgen beginnen wir - nach dem Frühstück - mit einer Stunde am Pool. Es ist bewölkt, vielleicht gib es gleich einen kurzen Schauer. Außer uns ist niemand da, himmlische Ruhe. Als so nach und nach die ersten anderen Gäste eintrudeln, und es immer sonniger wird, verziehen wir uns. (Nein, die Leute hier sind nicht komisch, sondern ganz nett. Wir sind auch nicht prinzipiell menschenscheu. :-))
Dass wir aufbrechen, hat einen konkreten Grund: Abreise. Zum Glück noch nicht ganz zurück nach Deutschland, sondern eine Insel weiter, nach Dominica. Dorthin kommt man mit der Fähre ab Pointe-a-Pitre.
Vorher müssen wir natürlich auschecken, was wir auf dem letzten Drücker um 11:00 Uhr auch tun. Anschließend geht es zur Mietwagenstation zum Flughafen. Dort sind alle Formalitäten schnell erledigt. Wir lassen uns ein Taxi kommen, auf das wir auch nur etwa eine Viertelstunde warten müssen. Happige 30 EUR werden für eine kurze Fahrt zum Hafen fällig. Sind nur gut fünf Kilometer, ich habe sogar überlegt, zu Fuß zu laufen. Aber mit Gepäck und über nicht immer fußgängerfreundliche Wegeführung - nee, lieber nicht.
Wir müssen ein bisschen suchen, wo man das Ticket ausdrucken kann, das wir auf dem Handy haben. Steht jedenfalls Schwarz auf Weiß, dass man es ausdrucken muss. Doch das scheint veraltet zu sein, denn niemand versteht, was wir eigentlich wollen. Man zeigt uns mit Engelsgeduld Schalter 9 ("neuf,neuf"), wo wir uns einreihen sollen, wo es aber erst um halb eins losgehen würde. Echt jetzt? Ich frage einen Einheimischen, der schickt mich wieder zurück. Und dann: wieder zurück. Schließlich haben wir die Faxen dicke und bleiben bei "neuf" stehen. Wird schon passen, zumal hier auch eine andere deutsche Familie wartet, die zwar auch nicht ganz sicher sind, ob es richtig ist, aber auch bleiben.
Und siehe da: "neuf" ist richtig. Blöderweise müssen wir unser Gepäck einchecken, genau das, was wir immer vermeiden und deshalb nur mit Handgepäck reisen (abgesehen von den Kosten). Hier lässt sich die Angestellte am Schalter nicht erweichen, dabei sind es doch nur eine kleine Tasche und ein kleiner Roll-Trolley. Überhaupt ist die Gute äußerst unfreundlich. Sie fragt barsch nach dem Return-Tickt. Return? Wir returnen nicht. Das beeindruckt sie wenig. Ohne Return-Ticket keine Überfahrt. Basta! Irgendwann dämmert uns, dass das Weiterfahr-Ticket nach Martinique zur Lösung des Problems beitragen könnte, und wir zeigen es vor. Das passt dann, aber die Miene der Schlechtgelaunten weicht um keinen Deut auf. Danke für nichts, denke ich mir.
(Dass wir das Gepäck einchecken müssen, wird sich noch als ziemlich nachteilig erweisen, doch dazu später mehr ...)
Die Fähre nach Dominica ist proppevoll. Bis auf den letzten Platz. Zwischen uns quetscht sich eine Französin, die unentwegt isst. Chips. Auch das wird noch ein Thema werden.
Es geht um halb drei los. Endlich.
Erst ist alles ganz harmlos, ich gehe an Deck und mache einige Bilder.
Dann aber! - Ich bin ja eigentlich seetüchtig, mir war noch nie auf Wasser schlecht. Auch nicht auf kleinen Kähnen. Als aber die Ferry in den Kanal zwischen Guadeloupe und Dominica gerät, und der Passatwind von Osten reinfegt und der Seegang entsprechend hoch wird, fangen die Sorgen an.
Diese manifestieren sich bei mindestens (!) der Hälfte der Passagiere in übervollen Kotztüten, die die Mitarbeiter von Express des Îles mit Engelsgeduld einsammeln und in Müllsäcke verfrachten. An jeder Ecke stehen die freundlichen Damen und Herren und eilen zu hektisch winkenden Leuten, die eine Tüte benötigen.
Und die Dame neben mir? Sie isst und isst und isst. Das Knacken der Chips ist eine Tortur. Nach den Chips kommen Brote. Dazu die viel zu lauten Fernseher, die in einer Tour plärren, direkt vor unserer Nase.
Mir wird echt schlecht. Aber ich kann es vermeiden, mich zu übergeben. Anja hingegen, die immer in Sorge ist, dass ihr auf einem Schiff schlecht wird, hat null Probleme. Interessant.
Für mich ist es Premiere, dass ich kämpfen muss. Nicht mal die berüchtigte Seychellen-Fähre zwischen Mahé und Praslin hat mich gejuckt, diese hier aber schon.
Was bin ich froh, als wir endlich aus diesem Sch...-Kanal raus sind und die See ruhiger wird. Bald kommt Dominica in Sicht. Doch merkwürdigerweise verrät mir Gaia GPS, dass wir nicht auf Roseau zuhalten, sondern scheinbar irgendwo nördlich anlegen. Wieso das denn? Unser Hotel ist doch nur einen Steinwurf vom Hafen in Roseau entfernt. (Wie sich später herausstellt, gibt es in Roseau wohl Bauarbeiten und die große Fähre kann dort nicht anlegen.)
Alle gehen von Bord, mehrere Hundert Leute. Und diese müssen nun auf Mini-Busse verteilt werden, in die regulär zwanzig Leute passen, maximal. Diese Regel wird ein wenig gedehnt, sagen wir mal so. Es ist knalleng und dauert natürlich ewig. Mal abgesehen davon, dass nicht annähernd genug von diesen Bussen bereitstehen. Man ist auf so einen Massenansturm überhaupt nicht vorbereitet. Klar, es ist das Osterwochenende, Gründonnerstag, da besuchen viele Leute, die auf Guadeloupe leben, ihre Verwandten auf Dominica. Aber dass Ostern ist, steht ja nicht erst seit gestern fest. Egal, wir können es nicht ändern, beginnen aber zu ahnen , dass hier die Uhren etwas anders ticken als im EU-Territorium Guadeloupe.
Wir haben noch Glück und ergattern einen Platz in einem der vorderen Busse, sodass es nach einer guten halben Stunde Warterei endlich losgehen kann. Unser Gepäck fährt natürlich nicht mit. Wir erhaschen einen Blick darauf, es liegt auf einem unfassbar überladenen Gepäckwagen, mit dem was auch immer passiert. Wir hoffen, dass wir unsere Siebensachen irgendwann wiedersehen werden.
Die Kolonne setzt sich in Bewegung und zuckelt nach Roseau, dann quer durch die Inselhauptstadt. Diese wirkt ein wenig chaotisch. Und ziemlich ärmlich, der Unterschied zu Guadeloupe ist frappierend. Der Verkehr ist heftig, dann noch die Buskolonne, die hier eigentlich nicht her gehört. Wohin fahren wir eigentlich? Man weiß es nicht ...
Ah, zum Hafengebäude, wo sich sicherlich auch so etwas wie Customs und Immigration befinden.
Richtig. Wir reihen uns in eine Schlange und werden alsbald aus selbiger vertrieben. Die ist nur für Leute ohne Gepäck. Die andere, wo es scheinbar überhaupt nicht weitergeht, die immer länger wird, sollen wir nehmen. Toll!
Ich nutze die Zeit des Wartens für ein Foto.
Unter dem Dach, wo wir warten und warten und warten, wird es immer stickiger. Die Luft ist zum Schneiden. Die ersten Leute protestieren. Vorgelassen werden aber alle ohne Gepäck. Alle. Kein einziger mit Gepäck wird in das Gebäude komplimentiert.
Auch das sorgt für Unmut. Ein Tollkühner lässt sich das nicht bieten und marschiert einfach los. Wir sind gespannt ...
Er kommt nicht wieder - ob das die Lösung ist?
Wir warten brav weiter. Und warten und warten. Und endlich, endlich dürfen auch die geschätzt 150 Leute mit Gepäck rein. An exakt zwei Schalter, an die man aber nur kommt, wenn man vorher die Einreisegebühr berappt hat.
Die Einwanderung selbst ist ruckzuck erledigt, wir müssen das Ticket nach Martinique allerdings vorzeigen. Ohne geht nichts. Fehlt nur noch das Gepäck.
Auf das warten alle, alle, alle in einem Nebenraum, der immer voller wird. Ein geschlossener Raum, in dem sich bald mehr als hundert schwitzende Menschen auf den Füßen stehen. Die Luft ist ... nicht mehr vorhanden.
Mir reicht es! Ich drängele mich an anderen vorbei und steuere auf einen Officer zu. Diesem mache ich klar, dass das, was hier abgeht, gesundheitsgefährdend ist, und ob er die Verantwortung übernimmt, wenn jemand kollabiert. Außerdem verlange ich, vor die Tür gehen zu dürfen und im Freien zu warten. Scheint Wirkung zu zeigen, denn man öffnet mir die Pforte. Ich bleibe auf der Schwelle stehen, nicht dass die Tür noch hinter mir zugeht.
Wieso warten wir eigentlich? Worauf? - Auf das Gepäck! Das muss ja auch noch hierhergekarrt werden. Als es dann endlich da ist, gehen die Tore auf und alle stürzen sich auf den Riesenhaufen, in der Hoffnung, dass man fündig wird. Wir werden es zum Glück.
Jetzt aber los, zum Hotel - von wegen! Alle wieder rein, denn erst jetzt, wo alle das Gepäck haben und es in dem viel zu kleinen stickigen Raum so eng ist, dass man keinen Fuß mehr neben den anderen setzen kann, weil ja auch noch die Koffer herumstehen, beginnen die Zollformalitäten. Vor den wenigen Schaltern bilden sich üble Schlangen.
Eigentlich ist das alles nicht zu fassen, aber was will man machen? Warten, bis man an die Reihe kommt. Sich in Geduld üben.
Irgendwann ist die Tortur überstanden. Wir sind frei, so muss man das schon nennen, und können unserer Wege gehen. Vorbei an den Taxiangeboten und dem einen oder anderen Bettler. Es ist jetzt nach halb acht.
Wir gehen zu Fuß, sind ja nur ein paar Minuten. An einem Supermarkt entlang, einmal um die Ecke, links die King George V. Street hoch. Ja, hier ist alles auf Englisch, ungewohnt.
Ziemlich dunkel alles. Ziemlich ärmlich. Unsicher fühlen wir uns jedoch nicht.
Unser Flamboyant-Hotel finden wir sofort, und der Check-In ist besetzt.
Wir bekommen ein einfaches, kleines Zimmer im dritten Stock. Aber das wussten wir vorher. Sauber ist alles, die Dame beim Check-In ist sehr freundlich. Alles gut also.
Noch ein kurzer Spaziergang zurück zum Supermarkt, wo wir Getränke kaufen, ziemlich blöd angemacht werden von einer Dame, weil wir uns angeblich vorgedrängelt haben (was definitiv nicht stimmt) und schnell wieder abzischen.
Aber damit kein falscher Eindruck entsteht: Die Leute sind nett. Idioten gibt es überall, auch in der Heimat.