Portugal Reisebericht 2026, 06.08.2026, Tag 17, Teil 3
Oh Miradouro
(Letzte Änderung: 5.10.2026 @ 20:05)
Die Forststraße mündet in einen extrem steilen Kopfsteinpflasterweg. Oben, wo die Steine noch nass sind vom Regen, sind sie sehr rutschig. Schön die Füße quer stellen, sonst kann es eine unangenehme Landung auf den Allerwertesten werden.
Mit jedem Schritt in die Tiefe kommen wir der Sonne näher. Die Steine sind jetzt trocken, die Aussicht famos.
Schließlich, nach weiteren sehr steilen Metern, sind wir zurück beim Auto. Die Sonne lacht vom Himmel, als hätte es den heftigen Regen nie gegeben. Wir haben das Wetter optimal ausgenutzt.
Total durchgeschwitzt reiße ich alle Klamotten vom Leibe – naja, keine Sorge: nicht alle. Erst mal ausdampfen.
Dann fahren wir ziemlich tiefenentspannt Richtung Nordeste. Nicht ohne den einen oder anderen Fotostopp.
Rechts geht eine Straße ab zum Praia do Lombo Gordo. Satte 20% Gefälle verspricht ein Schild. Zum Ausgleich ist die Straße so schmal, dass an vielen Stellen nie im Leben zwei Autos nebeneinander passen. Und was, wenn Gegenverkehr kommt? Man weiß es nicht …
Man fährt erstmal weiter. Und bleibt irgendwann stehen zum Fotografieren.
Wenig später erreichen wir einen kleinen Parkplatz. Von nun an geht es zu Fuß weiter. Immer noch steil. Sehr steil. Immerhin lässt sich der Ozean blicken.
Der Strand selbst ist ebenfalls hübsch.
Gerade jetzt lässt eine Wolke ein paar Tropfen ab, was eine willkommene Erfrischung ist. Wir stellen uns ein paar Minuten bei den Umkleiden unten, die es hier überraschenderweise gibt, wie auch einen Lifeguard, der uns freundlich begrüßt.
Dann treten wir den schweißtreibenden Rückweg an. Puuh, 100 Höhenmeter laut Kompass-App, die es in sich haben.
Nun wieder die Straße hoch. Und et voilà: Gegenverkehr. Der Kollege fährt allerdings bergab, was bedeutet, dass er zurücksetzen muss. Weiß er auch, ist keine Diskussion. Wir zwängen uns an einer Stelle aneinander vorbei, natürlich mit eingeklappten Außenspiegeln. Sonst geht gar nichts.
Ohne weitere Eskapaden erreichen wir die Hauptstraße, biegen rechts ab und halten auf Nordeste zu.
Dort suchen wir ein Restaurant und landen beim nicht schlecht bewerteten O Forno. Aber ohje: Gerade vor uns checkt eine Großfamilie Amerikaner ein. Das kann ja ewig dauern, bis wir was zwischen die Kiemen kriegen. Wir bestellen Bifana – die typischen portugiesischen Sandwiches mit dünnen Schweinefleischscheiben. Ein portugiesischer Wortschwall prasselt auf mich ein – ich verstehe nur Bahnhof. Auch nicht beim zweiten oder dritten Mal. Die Dame hat ein Einsehen und begleitet mich vor die Tür, wo sie mir ein Schild zeigt, dem ich entnehme, dass es nur Tagesmenü gibt: Ribs und irgendwas. Komplett auf amerikanische Geschmäcker ausgerichtet. Nee, danke. Mögen wir nicht. Also wieder raus und weiter hungern.
Ein paar Bilder vom schönen Dorfzentrum sind aber noch drin, bevor wir vom Fleische fallen.
Wir umrunden die Nordostspitze von São Miguel und steuern noch einen herrlichen Aussichtspunkt an:
Dann fahren wir durch bis Ribeira Grande. Dort gibt es einen großen Continente, der offenbar der einzige richtige Supermarkt weit und breit ist. Jedenfalls ist der große Parkplatz gerammelt voll. Wir drehen ein paar Ehrenrunden, bis wir einen Stellplatz bekommen und Coke, Eistee und frisches Gebäck von der Deli-Theke erstehen können. Wird gleich an Ort und Stelle vertilgt. Ich kippe den halben Liter Eistee in mich hinein und eine Coke gleich hinterher. So ist das Flüssigkeitsdefizit einigermaßen ausgeglichen.
Eigentlich haben wir ja vor, es noch einmal beim Lagoa Azul bzw. dem Miradouro do Rei zu versuchen – gestern war ja komplette Waschküche angesagt. Allerdings ist es bis dorthin noch ein ganz schöner Ritt. So richtig Lust habe ich nicht mehr auf so viel Fahrerei. Ein guter Kompromiss ist der Lagoa do Fogo, der Feuersee. Der mit 575 Metern höchstgelegene Kratersee São Miguels entstand vor rund 5.000 Jahren durch den Einsturz eines Vulkangipfels; sein letzter Ausbruch liegt im Jahr 1563. Nicht so weit und auf dem Weg zurück nach Povoação. Also los.
Irritierend sind irgendwann die Schilder, dass die Straße hoch zu den Aussichtspunkten gesperrt ist. Wieso das denn? Wir ignorieren die ersten Schilder gekonnt, da sie nur ankündigen, dass es gleich nicht mehr weiter geht. Dann kommt linker Hand ein Häuschen, in dem ein Mensch sitzt. Gegenüber ein Parkplatz für – endlich dämmert es uns – einen Shuttle-Bus. Man soll hier unten parken und darf nur mit dem Bus weiter. Jedenfalls zwischen 9:00 und 20:00 Uhr.
Anja fragt den Mann, wann denn der nächste Shuttle käme. Sie kommt mit der Auskunft zurück, dass wir einfach selbst fahren dürften. Wäre kein Problem. Aha, interessant. Na, dann machen wir das doch!
Wir fahren also los und finden uns alsbald in Nebel wieder. Richtig dichtem Nebel.
Beim unteren Aussichtspunkt erhaschen wir wenigstens so etwas wie eine Ahnung von See.
Immerhin. Besser als gar nichts.
Tollkühn, wie wir sind, versuchen wir es auch mit dem oberen Aussichtspunkt. Was totaler Unfug ist, man sieht hier wirklich nicht die Hand vor Augen. Sicht: gefühlt zehn Zentimeter. Also U-Turn und zurück, das hat keinen Sinn. Zurück beim unteren Viewpoint ist die Sicht hier jetzt auch exakt Null.
Wir fahren zu dem nächsten Shuttle-Parkplatz und fragen einen Busfahrer, wie er die Lage sieht. Grundsätzlich schwierig wettertechnisch mit dem höchstgelegenen Vulkansee São Miguels. Das Mikroklima wäre kaum vorhersehbar, außerdem herrsche heute Weather Warning Orange. Vielleicht besser Morgen. Heute hätte es exakt zwei Nebellücken gegeben. Eine davon haben wir erlebt.
Tja, ist dann eben so. Wir rollen den Berg wieder runter und kommen wieder in sonnige Gefilde.
Auf geht’s zurück nach Povoação, wo wir nicht lange fackeln, sondern gleich zum Dinner losmarschieren. Wir suchen im Ortskern, werden erst nicht fündig, was ein uns passendes Restaurant angeht, finden jedoch die sehr hübsche zentrale Plaza.
Um diese gruppieren sich diverse Restaurants. In diesem landen wir:
Meine Pasta mit Gemüse und Anjas Caesar Salad sind spottgünstig (8 EUR bzw. 5 EUR) und sehr lecker. Den frischen Käse als Vorspeise lassen wir stehen. Sehr gewöhnungsbedürftig. Eine Mischung aus Ziegenkäse und Mozzarella. Nicht unser Geschmack. Die Bedienung könnte übrigens freundlicher sein, jedenfalls einige der Damen, die zu unserem Tisch kommen.
Ach, noch ein Bild von unserem Pool – darf nicht fehlen.
Fazit: toller, erlebnisreicher Tag mit einer spitzenmäßigen Urwaldwanderung als Höhepunkt.