Orient Tour 2025
(Letzte Änderung: 2.01.2026 @ 12:57)
Tag 2 Teil 1: 13.10.2025Heute verlassen wir Fès. Es reicht auch, ehrlich gesagt. Die Stadt ist super-sehenswert, 99% der Leute super-freundlich. Aber das Chaos in der Medina geht einem nach zwei Tagen auf den Zeiger, uns jedenfalls. Trotzdem unter dem Strich eine hochinteressante, nicht missenswerte Erfahrung. Dass wir die Stadt in unsere Rundreise aufgenommen haben, war eine gute Entscheidung.
Wir sind super-pünktlich beim Frühstück um zehn vor acht, nachdem wir bereits am gestrigen Abend beim Auschecken und Bezahlen geklärt haben, dass das so früh möglich ist. Klappt auch, auch wenn es für unsere Gastgeber ein ziemlicher Kaltstart zu sein scheint. Sie sind noch ziemlich verschlafen, es liegt auch noch etwas Bettzeug im Foyer, gerade werden die Tische eingedeckt. Kein Problem für uns. Dass wir die einzigen Gäste sind, die so früh auf der Matte stehen, muss eigentlich nicht extra erwähnt werden. Das Frühstück lässt aber auch heute nichts zu wünschen übrig: Mini-Omelett, Joghurt, Kuchen, Brot etc.
Um halb neun, auf die Minute pünktlich, bringt uns der Junge, der uns am ersten Tag abgeholt hat, zum Taxi am Rande der Medina. Wie selbstverständlich trägt er unser Gepäck, obwohl das gar nicht nötig ist. Ist ihm aber nicht auszureden, scheinbar Ehrensache. Wir sind gerührt und schenken im 20 Dirham, die er nicht erwartet hat, über die er sich aber sehr freut.
Unser Fahrer ist heute schweigsamer als bei der Hinfahrt - auch noch müde, wie es scheint. Er liefert uns bei Auto Union ab, ein paar Minuten stadteinwärts vom Flughafen aus gesehen. Wir müssen ein wenig suchen, bis wir den kleinen Laden finden, der Fahrer bleibt selbstverständlich, bis wir sicher an Ort und Stelle sind. Finden wir auch sehr zuvorkommend. Wir verabschieden uns herzlich.
Bei Auto Union gehen die Formalitäten ruckzuck. Wir haben keinen ausgedrückten Voucher, also whatsAppe ich der Dame die PDF-Datei. Dafür müssen wir kurz ins WLAN - alles kein Problem. So habe ich auch eine Notfallnummer, falls irgendetwas unterwegs passieren sollte. Man kann ja nie wissen. Ein Mitarbeiter, der sogar gar nicht übel Deutsch spricht, bringt uns zum Wagen, der auf einem Parkplatz steht, den man für ein Baustellengrundstück halten könnte. Überall liegen Schutt und Müll herum, nicht sehr einladend.
Eine halbe Stunde später sitzen wir in einem kleinen, sehr gepflegten MG und können starten. Google Maps auf Rabat und los geht´s. Zunächst durch ein Wohngebiet, dann auf die Autobahn. Wir fahren gleich die erste Tanke an, denn der Wagen ist nur zu ungefähr 20 Prozent voll, und tanken für 400 Dirham voll. Nix Selbstbedienung, hier gibt es noch die guten alten Tankwarte. Unterwegs ein paar Mautstationen, an denen bar gezahlt wird, ansonsten fahren wir ohne Stopp zwei Stunden durch bis in den Großraum Rabat.
Rabat ist die Hauptstadt von Marokko, eine 4,5 Mio.-Einwohner-Stadt, die zweitgrößte nach Casablanca in Marokko. Hier residiert auch der König. Gibt es deswegen an jedem Kreisverkehr Verkehrskontrollen? Oder wegen des gerade stattfindenden internationalen Springreitturniers? Wir können noch nicht wissen, dass diese häufigen Kontrollen in Marokko Standard sind und nichts mit Rabat und dem Königssitz zu tun haben. Der Verkehr ist übrigens ziemlich gesittet - kein Problem für uns Mitteleuropäer. Definitiv nicht wilder als in deutschen Großstädten.
Rabat macht übrigens auf den ersten Blick einen sehr aufgeräumten, beinahe mondänen Eindruck. Hübsch begrünte Haupteinfallsstraßen, schicke Häuser und Parkanlagen.
Unser Ziel ist noch nicht das Hotel, sondern Chellah. Dabei handelt es sich um eine mittelalterliche befestigte muslimische Nekropole und antike archäologische Stätte - absolute Touristenattraktion und seit UNESCO-Welterbe. Erst fahren wir einmal daran vorbei, weil ich auf der mehrspurigen Straße den Spurwechsel nicht rechtzeitig gebacken kriege, aber im zweiten Anlauf klappt es. Zum Glück finden wir gerade noch einen Stellplatz auf dem nicht sehr großen Parkplatz.
Nachdem wir Eintritt gezahlt haben, betreten wir die Stäte durch das monumentale Bab Chellah, das große Tor mit seinen achteckigen Türmen und dem strategisch günstigen Durchgang.
Vor dem Tor hat sich eine Schauspielgruppe postiert. Sie warten auf einen Reisebus, und kaum naht dieser, fangen sie an zu tanzen und zu musizieren. Wer´s mag ...
Wir machen einen Rundgang durch die Anlage und viele Fotos von den Ausgrabungen. Los geht es mit dem Artisans' Quarter" (Handwerker-Viertel). Es bestand aus Geschäften und Werkstätten.
Die Chellah Ruinen sind Teil einer früheren Siedlung und dabei teils römischen und teils islamischen Ursprungs. Sie galt im 13. und 14. Jahrhundert auch als bedeutende Totenstadt. Einige Gräber sind noch zu sehen.
Im Grunde flaniert man über einen Friedhof.
Das hypermoderne Gebäude im Hintergrund ist so etwas wie das Wahrzeichen von Rabat - man sieht es von überall, schon auf der Autobahn bei der Anfahrt aus zig Kilometern Entfernung: der gewaltige Mohammed VI-Turm.
Der Turm ist 250 m hoch und wurde erst im Jahr 2023 fertiggestellt. Die Form ist angelehnt an Raketen in Cape Canaveral (USA).
Ziemlich diesig zur Mittagszeit. Und mollig warm bei knapp 30° C.
Noch ein paar Eindrücke: