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Hovenweep National Monument (UT)

(Letzte Änderung: 4.02.2019 @ 11:58)

Es gibt viele gottverlassene Ecken in den USA, insbesondere im (Süd-)Westen. Das wenig besuchte Hovenweep National Monument im äußersten Südosten Utahs liegt definitiv in so einer.

Für diesen Landstrich ist "einsam" noch geprahlt, Käffer wie Aneth oder Mexican Hat elaborieren zu urbanen Zentren, eine Hauptverbindungsstraße (Nord-Süd) ist teilweise gravel (UT 261 aka Moki Dugway), Supermärkte à la Safeway, Albertsons, Walmart: weitgehend Fehlanzeige. Gourmets werden ihre geliebten Fastfood-Genusstempel ebenfalls lange suchen.

Nicht die Zivilisation mit all ihren vorwiegend konsumorientierten Reiz(überflutung)en macht die Four Corners Area interessant, sondern die Fülle landschaftlicher und kultureller Sehenswürdigkeiten, wobei das Hovenweep National Monument eher letzterer Kategorie zuzuordnen ist.

Mein erster Besuch im Hovenweep National Monument im Jahr 1994 war zufälliger Natur. Wir waren mit Zelt unterwegs und suchten verzweifelt einen campground, den wir unbedingt noch vor dem Losbrechen eines monumentalen thunderstorms erreichen wollten.

Die Gegend ist so abgelegen, dass wir uns seelisch schon auf eine Nacht im Auto eingerichtet hatten, bis wir relativ unvermittelt eine Beschilderung Richtung Hovenweep entdeckten und dort dann kurz vor Einbruch der Dämmerung ankamen.

Damals entstand bei fantastischem Licht dieses Regenbogenfoto:

Hovenweep National Monument Rainbow

Hovenweep (übersetzt: "verlassenes Tal") ist schwer zu (be-)greifen. Das National Monument besteht aus sechs prähistorischen Siedlungen mit Ruinen aus der Anasazi-Zeit. Diese waren die Heimat von ca. 2500 Menschen in damaliger Zeit.

Die Ruinen sind nicht über eine Parkstraße miteinander verbunden, sondern liegen etwas verstreut über zwei Staaten, was einen gründlichen Besuch nicht gerade einfacher macht. Holly Canyon, Hackberry Canyon, Cutthroat Castle und Goodman Point befinden sich in Colorado, Cajon und Square Tower in Utah.

Square Tower ist die main unit des Parks, wo auch das Visitor Center liegt. Hier findet man beeindruckende Ruinen am Rande eines kleinen Canyons. Es gibt 30 Kivas und neben dem namensgebenden Square Tower einige weitere imposante Gebäude: Hovenweep Castle, Hovenweep House, Rim Rock House, Twin Towers und das Stronghold House.

Sehr schön ist der Blick auf den Sleeping Ute Mountain im Hintergrund. Er ist ein Heiligtum der Indianer.

Hovenweep National Monument Rainbow

Während die Square Tower Unit noch halbwegs stark frequentiert wird, ist bei Holly, Cutthroat und Hackberry endgültig Schluss damit. Diese liegen an einer unbefestigten Straße, die im Falle von Holly auf den letzten Metern etwas ruppig ist und ein Fahrzeug mit high clearance voraussetzt.

Die Holly Unit ist von den drei zuletzt Genannten m.E. die interessanteste, auch, wenn ich das nicht aus historischer Perspektive beurteilen kann, sondern rein aus fotografischer.

Hovenweep National Monument Rainbow

Wie im Bild oben zu sehen, besteht Holly aus zwei Komplexen, dem Tilted Tower und dem Boulder House. Beide hatten ursprünglich mehrere Stockwerken, die aber irgendwann in den Canyon gestürzt sind, an dessen Rand sie stehen.

Horseshoe & Hackberry erreicht man, wenn man von Holly aus ein Stückchen zurückfährt, beim ausgeschilderten Trailhead parkt und dann dem gut sichtbaren Pfad folgt. Dieser führt zunächst zu den Horseshoe-Ruinen, zu dem das aus vier hufeisenförmig angeordneten Bauten bestehende Horseshoe House gehört ...

Hovenweep National Monument Rainbow

... und weiter zu den Hackberry-Ruinen, von denen nur ein größeres Gebäude gut erhalten ist.

Hovenweep National Monument Rainbow

Hiking

Am Visitor Center startet ein ca. drei Kilometer langer loop trail, der weiter entlang des Little Ruin Canyon verläuft und Zugang zu den einzelnen Ruinen des Square Tower Districts gibt. Diesen einfachen Weg kann ich sehr empfehlen.

Horseshoe & Hackberry erreicht man über eine kurzen Pfad (ca. eine Meile one way).

Abgesehen davon gibt es einen acht Meilen langen (roundtrip) Backcountry Trail, der die Square Tower Unit mit der Holly Unit verbindet. Diesen habe ich 1994 gemacht. Er vermittelt einen hervorragenden Eindruck von der wilden, durch viele kleine Canyons durchzogenen Landschaft.

Weitere Infos finden Sie auf der Website des Hovenweep NM.

Camping

Wie glücklich waren wir, dass man bei der Square Tower Unit auf einem gepflegten Campingplatz (31 sites) sein Zelt aufschlagen kann!

Auch dreizehn Jahre später - dieses Mal mit einem RV - konnten wir diesen campground gut gebrauchen. Wie es aussieht, ist dort meistens vacancy.

Directions

Square Tower und Cajon liegen im äußersten Südosten Utahs. Holly, Horseshoe & Hackberry und Cutthroat schon jenseits der Grenze nach Colorado.

Holly, Horseshoe und Hackberry liegen ungefähr vier Meilen nordöstlich des Square Tower Visitor Centers und das Cutthroat Castle ca. acht Meilen. Cajon etwa neun Meilen südwestlich.

Hier findet sich ein Lageplan.

GPS-Koordinaten Hovenweep NM

(WGS84, Dezimalgrad, Umrechner: hier):

GPS Visitor Center (Square Tower Unit): 37.38615, -109.07486
GPS Holly Unit: 37.39958, -109.04196
GPS Horseshoe Ruins: 37.4089, -109.02961
GPS Hackberry Units: 37.40803, -109.02462
GPS Abzweig zu Holly, Hackberry & Horseshoe: 37.423237, -109.034325

Good to know

Holly, Hackberry und Horseshoe liegen an einer unbefestigten Straße, die high clearance voraussetzt. Der Abzweig war im Oktober 2018 nicht richtig beschildert. Es stand dort lediglich ein großes Schild, das auf das Canyons of the Ancients National Monument hinwies. Siehe GPS-Koordinaten oben.

"Hovenweep" ist Ute und bedeutet so viel wie "Ödes Tal".

My Visits

1994, 2007 und 2018 habe ich die Square Tower Unit besucht (1994 auch Holly per pedes, s.o. unter Hiking). 2018 zusätzlich Holly, Horseshoe und Hackberry. Das Cutthroat Castle war leider geschlossen.

My Rating

Der Reiz dieses National Monuments ist für mich definitiv die Mischung aus Anasazi-Kultur und Abgelegenheit.

Sie werden hier garantiert keinen Touristenbus vorfinden. Weder einen mit Japanern noch mit Deutschen, Holländern oder Franzosen. Dafür spricht Platz 306 von 377 in der offiziellen NPS-Besucherstatistik des Jahres 2017 (Quelle: irma.nps.gov). Es waren ca. 40.000 Unerschrockene, die es hierher verschlagen hat, was für Südwest-USA-Verhältnisse geradezu ein Witz ist (Zion National Park zum Vergleich: gut 4,5 Millionen!).

Genießen Sie Einsamkeit und Stille!

Für mich (mindestens) drei Sterne.