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Reiseplanung

Wohnmobil mieten in den USA: RV-Klassen, Kosten und was Anfänger wissen müssen

Unser eigenes Wohnmobil auf der ersten USA-RV-Tour 2005

Veröffentlicht am 3. September 2026ca. 10 Min. Lesezeit

2005 haben wir zum ersten Mal ein Wohnmobil in den USA gemietet - ein Itasca Spirit auf Ford-E-350-Basis, abgeholt bei einem kleinen Vermieter namens JC's in Livermore, Kalifornien (der Beginn steht im Reisebericht, das Foto oben ist vom allerersten Abend auf dem Campingplatz). Aus diesem einen Trip mit zwei kleinen Kindern sind seitdem weitere RV-Reisen geworden. Wer sich das zum ersten Mal traut, hat meist dieselben Fragen: Welcher Vermieter, welche Größe, brauche ich einen besonderen Führerschein, und was macht man eigentlich mit dem Abwassertank?

Kurz & knapp

Führerschein: Ein normaler PKW-Führerschein reicht - RVs unter 26.000 Pfund (praktisch alle Mietfahrzeuge) brauchen keine besondere Klasse.

Kosten: Bei den großen Ketten realistisch 130-300 USD/Tag plus Kilometerpaket, Ausstattungs-Kit und oft eine Einwegmiet-Gebühr - Nebenkosten nicht unterschätzen.

Übernachten: Nicht nur Campingplätze - viele Walmart-Filialen erlauben eine Nacht kostenlos auf dem Parkplatz, und auf BLM-/Forest-Service-Land ist kostenloses "Boondocking" ohne jede Infrastruktur bis zu 14 Tage erlaubt.

Versicherung: Die Kreditkarten-Vollkasko vom normalen Mietwagen gilt bei RVs meist nicht - vorher schriftlich klären, sonst drohen 1.000-1.500 USD Selbstbeteiligung im Schadensfall.

RV-Klassen und Vermieter

Amerikanische Wohnmobile werden in drei Klassen eingeteilt: Class A sind die großen, busähnlichen Fahrzeuge mit flacher Front - beeindruckend, aber auch am schwierigsten zu fahren und zu parken. Class C, wie unser Itasca, ist der Klassiker für Touristen: auf einem Transporter-Fahrgestell aufgebaut, erkennbar am charakteristischen Überbett über dem Fahrerhaus, deutlich handlicher als Class A. Class B sind Campervans auf normalem Van-Fahrgestell - wendig wie ein großer Transporter, aber entsprechend beengt.

Die größten Vermieter mit landesweitem Netz sind Cruise America und El Monte RV, beide mit Class-C-Flotten in praktisch jeder größeren Stadt und Einwegmieten zwischen vielen Stationen. Daneben gibt es kleinere, oft etwas hochwertiger ausgestattete Anbieter wie Road Bear RV, sowie - wie bei unserer ersten Tour - lokale, familiengeführte Vermieter, die sich vor allem in Kalifornien noch finden. Wer lieber von privat mietet, wird bei Plattformen wie Outdoorsy oder RVshare fündig (ähnlich wie Airbnb, nur für Wohnmobile) - oft günstiger und individueller, aber ohne das landesweite Servicenetz der großen Ketten im Pannenfall.

Sonderfall RV-Überführung: stark reduziert, aber unflexibel

Weil Wohnmobile nach einer One-Way-Miete oft leer zur Ausgangsstation zurückgebracht werden müssen, bieten Vermieter genau diese Überführungsfahrten reisenden Kunden mit teils bis zu 95 % Rabatt auf Zeit- und Kilometerpreis an - Cruise America listet solche One-Way Specials direkt auf der eigenen Seite, ebenso El Monte, Road Bear oder Apollo. Noch günstiger geht es über spezialisierte Vermittlungsportale wie Imoova oder Transfercar, die Überführungsfahrten verschiedenster Vermieter bündeln - dort sind Tagespreise von nur 1-5 USD keine Seltenheit, teils sogar inklusive einer vollen Tankfüllung, allerdings meist gegen eine Vermittlungsgebühr von 35-50 USD. Der Haken: Start- und Zielort sowie ein enges Datumsfenster stehen fest, die Miete lässt sich nicht verlängern, die Anzahlung ist meist nicht erstattungsfähig, und das Angebot wechselt laufend - nur für Reisende mit flexibler Route und flexiblen Daten eine echte Option, dafür aber ein erhebliches Sparpotenzial (Quellen: Cruise America, Imoova).

Kosten: mehr als nur der Tagespreis

Der reine Tagespreis für ein Class-C-Wohnmobil liegt bei den großen Vermietern grob zwischen 130 und 300 USD, in der Hauptsaison (Juni-August) und rund um Feiertage deutlich mehr. Dazu kommen typischerweise: ein Kilometerpaket oder eine Gebühr von 0,35-0,45 USD pro gefahrener Meile, ein Pflicht-"Kit" für Küche/Bett/Bad (Geschirr, Bettwäsche, Campingstühle - oft 100-150 USD pauschal), Generatorstunden falls genutzt, sowie bei One-Way-Mieten (Abholung und Rückgabe an verschiedenen Orten) eine oft happige Zusatzgebühr. Wer früh bucht, vor allem für die Sommermonate, sichert sich nicht nur die besseren Preise, sondern überhaupt erst eine Auswahl an Fahrzeugen und Stationen (Quellen: BestRVRentalCompanies, LatestCost).

Zur Buchung selbst: Bei Cruise America, dem größten Anbieter, muss der Fahrer mindestens 21 Jahre alt sein, einen gültigen Führerschein und eine auf denselben Namen ausgestellte Kreditkarte (keine Debit- oder Prepaid-Karte) vorweisen. Fällig werden eine Anzahlung von rund 300 USD bei Buchung sowie eine Kaution von mindestens 500 USD, die bei Rückgabe erstattet wird, sofern das Fahrzeug sauber und unbeschädigt ist (Quelle: Cruise America). Bei anderen Vermietern können Mindestalter und Kautionshöhe leicht abweichen, generell aber in ähnlicher Größenordnung liegen.

Versicherung: Kreditkarte hilft hier meist NICHT

Wichtiger Unterschied zum normalen Mietwagen: Die kostenlose Kfz-Vollkasko, die viele Kreditkarten für Mietwagen mitbringen (siehe Beitrag Kreditkarten in den USA), schließt Wohnmobile in aller Regel ausdrücklich aus. Ohne die Zusatzversicherung des Vermieters haftet man bei einem Schaden oft mit einer Selbstbeteiligung von 1.000-1.500 USD, ein umfassenderes Vollkasko-Paket beim Vermieter kostet dafür zusätzlich grob 30-50+ USD pro Tag. Wer glaubt, über die eigene Kreditkarte oder eine Auslandsreise-Versicherung abgesichert zu sein, sollte das vor der Reise schriftlich bestätigen lassen statt sich auf Vermutungen zu verlassen (Quelle: Bakpak Guide).

Führerschein und Fahren

Die gute Nachricht zuerst: Für praktisch jedes Miet-RV reicht ein normaler PKW-Führerschein. Ein Class-C- oder sogar ein kleineres Class-A-Wohnmobil bleibt in aller Regel unter der 26.000-Pfund-Grenze, ab der in den USA eine Sonderregelung (nicht zwingend ein CDL, aber teils eine andere Führerscheinklasse) greifen würde - für rein private Nutzung, wie bei einer Urlaubsreise, ist das ohnehin meist irrelevant (Quelle: Outdoorsy).

Fahrerisch braucht es trotzdem etwas Eingewöhnung: weite Kurven, ein deutlich größerer toter Winkel, und vor allem die Höhe - Brücken, Parkhäuser und besonders Tankstellen-Vordächer haben schon viele RV-Neulinge überrascht. Die Fahrzeughöhe steht meist gut sichtbar im Cockpit, diese Zahl sollte man sich einprägen, bevor man das erste Mal unter ein Vordach fährt. Ein normales Auto-Navi kennt diese Höhe nicht - für längere RV-Touren lohnt sich eine RV-taugliche Navi-App, die Höhen-, Gewichts- und Längenbeschränkungen einrechnet (mehr zur Navigation allgemein im Beitrag Karten und Navigation in den USA). Rückwärtsfahren gehört ebenfalls zu den Dingen, die man am besten am ersten Abend auf einem leeren Parkplatz übt, nicht zum ersten Mal auf einer engen Campsite. Ein Punkt aus eigener Erfahrung: Ein RV-Motor entwickelt bei Hitze - etwa in der Mojave-Wüste im Hochsommer - ordentlich Wärme, die auch in den Innenraum abstrahlt. Selbst auf höchster Klimastufe wird es dann eng für Mensch und Maschine, mehr Pausen und ausreichend Wasser einplanen.

Weniger bekannt, aber gerade für Städtereisen mit RV-Abstecher relevant: Einige Tunnel, vor allem rund um New York City wie der Lincoln Tunnel, verbieten die Durchfahrt mit gefülltem Propantank komplett, andere verlangen vorher eine kurze Kontrolle mit abgestelltem Gasfluss. Wer eine Tunnel-Durchfahrt plant, sollte sich vorher informieren oder notfalls eine Alternativroute über eine Brücke wählen (Quelle: Forest River Forums).

Ver- und Entsorgung unterwegs: schwarz vor grau

Ein RV hat in der Regel drei Tanks: Frischwasser, Grauwasser (Küche/Dusche) und Schwarzwasser (Toilette). Volle Tanks werden an Dump Stations entleert - die gibt es auf fast jedem Campingplatz, oft auch an Rastplätzen. Der Ablaufschlauch wird an den Auslass angeschlossen, dann öffnet man zuerst das Schwarzwasser-Ventil (Toilettenabwasser), danach erst das Grauwasser-Ventil - das seifige, relativ saubere Grauwasser spült dabei gleich den Schlauch durch. Handschuhe benutzen, und den Ablaufschlauch nie mit dem Schlauch fürs Frischwasser verwechseln. Strom gibt es an ausgestatteten Stellplätzen meist als 30- oder 50-Ampere-Anschluss, Propangas für Herd/Kühlschrank/Heizung wird an eigenen Propan-Stationen (oft bei Tankstellen oder Campingplätzen) nachgefüllt.

Übernachten: Campingplatz, Parkplatz oder Boondocking

Klassische Campingplätze - staatlich oder privat - sind ausführlich im Beitrag Camping in den USA beschrieben. Für RV-Fahrer gibt es aber noch zwei weitere, in den USA fest etablierte Übernachtungsformen ganz ohne Campingplatz.

Die pragmatische Variante: Viele Walmart-Filialen erlauben es RVs, eine Nacht kostenlos auf dem Parkplatz zu stehen - das ist allerdings keine landesweit einheitliche Regel, sondern liegt im Ermessen der jeweiligen Filialleitung und wird zunehmend von lokalen Verordnungen eingeschränkt. Vor Ort beim Store kurz nachfragen (oder vorher anrufen) ist Pflicht, nicht einfach unangemeldet aufschlagen. Wo es erlaubt ist, gilt: eine Nacht, kein Aufbau von Markise/Stühlen, kein Generator, keine Abwasserentsorgung auf dem Parkplatz - sonst ist die Kulanz schnell wieder vorbei (Quelle: Go Camping America). Ähnlich kulant zeigen sich oft auch Raststätten-Ketten wie Cracker Barrel oder größere Truck Stops.

Die zweite, unter Amerikanern sehr verbreitete Variante nennt sich Boondocking (auch dry camping oder dispersed camping): kostenloses Übernachten fernab jeder Infrastruktur, ganz ohne Strom-, Wasser- oder Abwasseranschluss, auf den riesigen öffentlichen Flächen der Bureau of Land Management (BLM) und der US Forest Service (USFS) - vor allem im Westen der USA gibt es davon Millionen Hektar. Erlaubt ist das Parken meist bis zu 14 Tage innerhalb von 28 Tagen an derselben Stelle, danach muss man sich mehrere Kilometer weiterbewegen. Campiert wird nur an bereits erkennbar genutzten Stellen abseits der Straße, nicht wild irgendwo im Gelände, und ohne jede Infrastruktur vor Ort sollten Frischwasser- und Batteriekapazität des RVs entsprechend eingeplant werden (Quelle: Bureau of Land Management).

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