Crazy Horse Memorial (SD)
(Letzte Änderung: 22.05.2026 @ 13:10)
Crazy Horse Memorial zwischen Denkmal und Debatte
Wie soll man das Crazy Horse Memorial deuten?
Ist es der indigene ideologische Gegenentwurf zu Mount Rushmore? Vergeltung für die Entweihung des heiligen Berges durch die Präsidentenköpfe? Oder lediglich ein sichtbarer Ausdruck gewachsenen indigenen Selbstbewusstseins? Vielleicht ein Zeichen von Größenwahn? Oder schlicht und ergreifend ein beeindruckendes Kulturdenkmal in einer insgesamt geschichtsträchtigen Region?
Wahrscheinlich von allem ein wenig und noch einiges mehr.
Die Rede ist von einer gewaltigen, im Bau befindlichen, Skulptur zu Ehren des Oglala-Lakota Häuptlings Crazy Horse. Crazy Horse sitzt auf einem stolzen Pferd und reitet mit ausgestrecktem Arm in die Schlacht am Little Bighorn River, in der General Custer und sein 7. Kavallerie-Regiment vernichtend geschlagen wurden.
Die Ausmaße des Bauvorhabens sind gewaltig. Alle Präsidentenköpfe am Mount Rushmore zusammen sind in etwa so groß wie der Pferdekopf alleine. Die Skulptur soll 195 m lang und 172 m hoch werden. Das Resultat wäre dann nichts Geringeres als das größte Denkmal der Welt.
Mit dem Bau wurde im Jahr 1948 (!) begonnen. Damals auf Initiative des Lakota-Ältesten Henry Standing Bear und unter Leitung des 1982 verstorbenen Bildhauers Korczak Ziolkowski. Die Fertigstellung der Skulptur ist auch heute noch Zukunftsmusik, aber der Bauzustand ist inzwischen deutlich weiter als bloß Gesicht plus Modell: Das Gesicht ist seit langem herausgearbeitet, der ausgestreckte linke Arm ist klar erkennbar, und die linke Hand wurde laut Crazy Horse Memorial im Juni 2023 offiziell eingeweiht. Aktuell arbeiten die Mountain Carvers vor allem mit weiteren Sägeschnitten am oberen Arm auf der Rückseite der Skulptur.
Lakota-Geschichte, Monumentalbau und Black Hills
Aber selbst die unfertige Skulptur zieht Besucher aus aller Welt in ihren Bann und hat sich zu einer bedeutenden Touristenattraktion und Einnahmequelle entwickelt. Laut offizieller Website kommen mittlerweile mehr als eine Million Besucher pro Jahr. Meine Fotos stammen allerdings vom Besuch 2010 und zeigen daher nicht den heutigen Bauzustand.
Wer das Gesicht von Crazy Horse aus der Nähe sehen will, muss z.B. einen kostenpflichtigen Shuttle-Service in Anspruch nehmen. (Oder ein langes Tele sein Eigen nennen.) Das Memorial umfasst einen Campus beachtlicher Größe mit Welcome Center, Indian Museum, Restaurant, Gift Shop usw. Die darüber generierten Einnahmen und weitere private Mittel finanzieren den Bau, der in den Händen einer gemeinnützigen Stiftung liegt.
Man könnte denken, dass indigene Communities geschlossen hinter dem Memorial als gemeinsamem Identifikationssymbol stehen. Mitnichten. Es gibt auch aus Lakota-Kreisen und anderen indigenen Stimmen deutliche Kritik: Die Felsskulptur gelte ebenfalls als spirituelle Entweihung der heiligen Black Hills und obendrein als massive Umweltzerstörung. Außerdem wird in Frage gestellt, ob die Skulptur im Sinne von Crazy Horse wäre, der sich nie abbilden, nicht einmal fotografieren, lassen wollte.
Eines ist sicher: Es handelt sich um ein wahrhaft monumentales Vorhaben. Eine seriöse Fertigstellungsprognose wagt inzwischen kaum jemand; gebaut wird in Etappen, und Besucher sehen hier eben kein fertiges Denkmal, sondern ein Projekt, das sich über Jahrzehnte hinweg sichtbar weiterentwickelt.
Directions
GPS-Koordinaten Crazy Horse Memorial
(WGS84, Dezimalgrad, Umrechner: hier)
GPS Crazy Horse Memorial: 43.836667, -103.624167
Anfahrt
Das Crazy Horse Memorial liegt in der touristisch stark frequentierten Black Hills Region im Südwesten von South Dakota.
Das Memorial liegt sechs Meilen nördlich von Custer (SD) und 17 Meilen südwestlich von Mount Rushmore.
Das Memorial wird privat finanziert und ist bis heute nicht fertig. Gerade dieser unfertige Monumentalcharakter gehört irgendwie zum Ort dazu.
My Visits
Das Crazy Horse Memorial habe ich 2010 besucht.
Eines ist klar: Das Memorial ist schon heute beeindruckend. Allein von der Größe her.
Ideologisch betrachtet bin ich mir noch nicht ganz sicher, wie ich es bewerten soll. Für und Wider halten sich in etwa die Waage.
Unabhängig von der individuellen Einschätzung ist das Memorial einen Besuch wert, um sich einen Eindruck zu verschaffen, welch kolossales Bauwerk im Südwesten South Dakotas entsteht.
![]()
![]()
![]()
![]()
![]()