headerbildmobil1 headerbildmobil2 headerbildmobil3 headerbildmobil4 headerbildmobil1
Logo

Border Field state park (CA)

(Letzte Änderung: 30.10.2018 @ 17:32)

Schon merkwürdig, dass der Besuch eines "einfachen" State Parks so intensiv nachwirken kann. Wenn ich Freunden, Bekannten oder Kollegen von meinen Erlebnissen in den USA erzähle, lasse ich die Anekdote mit dem Border Field State Park selten aus. Aber der Reihe nach.

Wir schreiben das Jahr 2007. Unsere Reise durch den Südwesten war fast vorbei. Ein paar Tage an der Küste sollten es noch sein und San Diego stand ganz oben auf der Liste. Für diese Stadt haben wir seit unserem ersten Besuch 1991 ein Faible. Allerdings kannten wir San Diego schon recht gut und waren ein wenig auf der Suche nach Neuem. Der Border Field State Park passte da ganz gut ins Konzept, den hatten wir bislang nämlich immer ausgelassen.

Also fuhren wir den Interstate 5 Richtung Süden. Down Mexico way sozusagen. Meine Erwartungen an den Park waren sehr bescheiden. Irgendetwas militärisch Angehauchtes wahrscheinlich. Vielleicht ein Museum, etwas patriotisch Gefärbtes über die amerikanisch-mexikanische Vergangenheit oder so. Evtl. ein entfernter Blick auf die abgeschottete Grenze zwischen den beiden ungleichen Nachbarn, deren Beziehung auch durch das immense Problem illegaler Einwanderung in die USA und den ausufernden Drogentransfer von Süden nach Norden erheblich belastet ist.

Wir kamen an und ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen. Die als problematisch geltende Grenze bestand nicht - wie ich erwartete - aus turmhohen Mauern, Stacheldrahtverhauen und ganzen Heerscharen der Border Patrol, sondern aus einem Zaun aus Metalllatten! Und zwar einem von äußerst fragwürdiger Qualität. Je weiter man zum Wasser kommt, desto größer werden die Lücken zwischen den einzelnen, nur scheinbar provisorisch, in den Sandboden gerammten Latten. Das war´s.

Nachfolgend ein Beweisbild, welches übrigens den Strand auf der amerikanischen Seite zeigt: Grenzzaun

Richtig, ich habe die Aufnahme von Mexiko aus gemacht. Hat keinen wirklich gestört.

Die einzigen Interessenten meines Grenzübertritts waren einige zwielichtige mexikanische Gestalten, die eruieren wollten, ob ich denn mexikanische Freunde (Freundinnen?) haben möchte. "Do you like Mexico? Do you want to make Mexican friends?" Oder etwas zum Rauchen. Aha - nein danke. Rauchen tue ich nicht und bezaubernde Frauen habe ich schon drei Exemplare in der eigenen Familie.

Entweder der tiefe, polizeitaktisch ausgefuchste Plan übersteigt meine Vorstellungskraft oder diese "Grenze" verdiente Stand 2007 den Namen nicht. Hier noch ein Blick rüber nach Mexiko:

Tijuana Grenze USA Mexiko

Relativierend sei angemerkt, dass sich die Border Patrol wahrscheinlich wenig für mich interessiert hat, weil ich offensichtlich nicht zur eigentlichen Klientel potentiell illegaler Einwanderer gehöre. Man wird schon zur Kenntnis genommen haben, dass ich initial von den USA aus nach Mexiko "eingereist" bin und nicht andersrum. Nach dem Motto: "Lass den Spinner mal machen. Juckt uns nicht. Der kommt eh wieder."

In der FAZ erschien vor einigen Jahren ein interessanter Artikel zum Thema:

"Am Wochenende spielen oft Kinder zwischen den Eisenstreben, manchmal schlagen ganze Familien auf der amerikanischen Seite ihr Lager auf, eine Geste trotziger Missachtung. Die Grenzer lassen es geschehen. Nur wenn einer aus dem Süden plötzlich nach Norden sprintet, der Skyline von San Diego entgegen, jagen sie hinterher. Manche Flüchtlinge, erzählen die Männer mit den schusssicheren Westen, rennen einfach den Strand entlang, andere paddeln auf Surfbrettern hinüber. Hin und wieder werden Ertrunkene angespült, einmal haben sie einen gerettet, der sich an einen Basketball klammerte. "Die meisten Mexikaner können nicht schwimmen", sagt ein Grenzer, „wenn sie im Meer von einem Sog erfasst werden, war´s das." Nachts ist hier besonders viel los - auch mit dem zweiten Zaun. Die Verstärkung war nötig, sagt man uns, weil am Grenzzaun ein reger Handel mit Drogen und Geld vonstatten gegangen sei. Manche hätten sogar Babies herübergereicht." (Quelle: faz.net, 4.11.2009)

Rückblickend betrachtet würde ich damalige Experimente heute nicht mehr machen und auch niemandem empfehlen. So etwas kann auch als Provokation ausgelegt werden und unangenehme Konsequenzen haben. Die Leute von der Border Patrol haben einen harten Job, nehmen diesen berechtigter Weise sehr ernst und können bestimmt auf Touristen verzichten, die sich einen Spaß machen.

Abgesehen davon wurde die Grenze - wie im obigen Artikel zur Sprache kommt - am Border Field State Park im Jahr 2008 durch einen zweiten Zaun verstärkt. Wie das in der Praxis aussieht, weiß ich nicht.

Grenze hin oder her: Der Park schützt einen naturbelassenen Strandabschnitt inmitten schöner Dünen- und Marschlandschaft. Allerdings wird Schwimmen nicht empfohlen (rip currents). Bemerkenswerter Weise haben sich damals auf amerikanischer Seite alle dran gehalten, während das zehn Meter weiter links in Mexiko keinen Menschen störte und fröhliches Treiben im Wasser herrschte.

Natürlich gibt es bei diesem State Park im äußersten Süden Kaliforniens auch eine historische Implikation: Am 2. Februar 1848 wurde der Friedensvertrag zwischen Mexiko und den USA unterzeichnet (Treaty of Guadalupe Hidalgo). Im Jahr 1849 wurde im heutigen Border Field die neue Landesgrenze zwischen beiden Staaten markiert.

Wenn Sie den Border Field State Park besuchen möchten, dann am besten am Wochenende. Seit einiger Zeit gibt es aus Budgetgründen Restriktionen für Besucher:

"The entrance gate to Border Field is closed Monday - Friday. There is no vehicle access on those days.  California State Parks is implementing service reductions in order to meet Department budget cuts over the next few fiscal years.  Service reductions include limiting vehicle access to the park; however, the park remains accessible to pedestrians, bicyclists, and equestrians." (Quelle: www.parks.ca.gov)

Directions

Der Border Field SP liegt ca. 15 Meilen südlich von San Diego. Offiziell gehört der Park wohl zu Imperial Beach.

Wenn man Pech hat und Exit 2 (Dairy Mart Road) vom Interstate 5 Richtung Süden verpasst, gibt es nur noch eine Möglichkeit abzufahren. Sonst landet man unweigerlich am Grenzübergang und findet sich south of the border wieder.

Also Aufpassen! Mir wäre das 2005 um ein Haar passiert.

GPS-Koordinaten Border Field SP

(WGS84, Dezimalgrad, Umrechner: hier)

GPS Border Field SP: 32.5428, -117.1214 

My Visits

Wie ich oben mehrfach erwähnt habe, betrifft meine Beschreibung der Grenze das Jahr 2007. Damals war ich das bislang einzige Mal vor Ort.

My Rating

Der Border Field SP hat einen schönen Strand. Dieser ist ein paar Meilen weiter nördlich (Silver Strand State Beach) aber mindestens genauso schön. Nichts Besonderes also.

Gallery

Diese Gallery besteht aus 11 Farbbildern. Die Bilder stammen aus dem Jahr 2007.