Ballarat Ghost Town (CA)
(Letzte Änderung: 12.06.2026 @ 21:12)Ballarat Ghost Town und Goldrausch-Geschichte
Wer kommt auf die Idee freiwillig im Panamint Valley, mitten in der Mojave Desert, zu leben? Unter absolut lebensfeindlichen Bedingungen. Dort, wo von Mitte Mai bis in den November die Temperaturen dauerhaft im dreistelligen Fahrenheitbereich liegen und kein Grashalm wächst. Noch dazu in Unterkünften, die im Prinzip menschenunwürdige Verschlage sind, und bei täglicher schwerer körperlicher Arbeit.
Da muss die Motivation schon sehr groß sein.
Die Rede ist nicht von gestressten Neurotikern, die mal ganz zurück auf Null und sich selbst und die Welt unter Extrembedingungen erfahren wollen, sondern von Goldschürfern, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts in der letzten Phase des Goldrauschs das große Glück suchten und sich beseelt von dem Gedanken an Reichtum und einer späten Entlohung aller Mühen und Entbehrungen durch den toten Wüstenboden gruben.
Die Gründung Ballarats fiel in diese Zeit. 1897 entstand die Stadt als Nachschubstation und Basislager für die in den Argus, Panamint und Slate Ranges verstreuten Bergwerke, vor allem für die Ratcliff Mine und die World Beater Mine im Pleasant Canyon östlich der Stadt.
Ballarat hielt in seiner Blütephase bis 1905 für ca. 400-500 Einwohner drei Hotels, eine Schule, ein Gefängnis, ein Leichenschauhaus, eine Poststation, eine Wells Fargo Station, keine Kirche, dafür aber sage und schreibe sieben (!) Saloons bereit. Man kann sich lebhaft vorstellen, um welche Art Nachschub es primär ging (neben der wirklich existentiellen Trinkwasserversorgung).
Der Niedergang Ballarats begann, als 1905 die Ratcliff Mine den Betrieb einstellte. Viele Einwohner verließen die Stadt, die zwar noch einige Jahre weiter als Versorgungsstation diente, im Jahr 1917 aber endgültig zur ghost town mutierte, als auch das post office seine Pforten schloss.
Als ich im Jahr 2015 Ballarat besuchte, erwartete ich eine richtige Geisterstadt vorzufinden und war ein wenig enttäuscht, dass das so nicht stimmt. Ganz verlassen wirkte der Ort nicht, eher wie eine sehr staubige Mischung aus Relikten, Schrottplatz und Wüstenstopp.
Auf dem Gelände der einstigen mining boomtown stehen noch einige Überreste aus längst vergangenen Tagen. Kaum zu glauben, dass es Menschen gab, die in dieser unwirtlichen Gegend dauerhaft sesshaft waren. Wie eingangs erwähnt, die Motivation muss extrem hoch gewesen sein sich hier durchzubeissen.
Panamint Valley, Minen und Wüstenflair
Directions
GPS-Koordinaten Ballarat Ghost Town
(WGS84, Dezimalgrad, Umrechner: hier)
GPS Ballarat Ghost Town: 36.046829, -117.226738Anfahrt
Ballarat Ghost Town liegt am Fuße der Panamint Range. Die von der CA 178 abgehende geschotterte Zufahrt ist 3,6 Meilen lang und in der Regel auch mit einem normalen Pkw befahrbar, sollte aber vor der Abfahrt trotzdem noch einmal bei Inyo County bzw. über aktuelle Conditions geprüft werden.
Wichtig: Die klassische Weiterfahrt nördlich von Ballarat über die Lower Wildrose Road / Trona-Wildrose Road Richtung Wildrose und Death Valley ist derzeit keine gute Idee, sondern laut Death Valley National Park komplett unpassierbar und voraussichtlich bis Sommer 2027 geschlossen. Ballarat eignet sich aktuell also eher als Stichstraße ab CA 178.
Good to know
Der Name Ballarat stammt von dem australischen Einwanderer George Riggins in Anlehnung an die reichen Goldvorkommen in Victoria in seiner Heimat.
Historisch war Ballarat vor allem Versorgungsstation für die Minen in der Panamint Range; heute ist der Ort vor allem wegen seiner Lage und seiner ziemlich schrägen Wüstenatmosphäre interessant.
My Visits
Zwischen den Trona Pinnacles und dem Death Valley gelegen veranlasste mich Ballarat 2015 zu einem kurzen Abstecher. Vermutlich wird es der einzige Besuch bleiben.
Die ghost town-Atmosphäre ist für meinen Geschmack nur bedingt vorhanden, sodass ich einen Besuch eher als kurzen Wüstenabstecher sehe. Mit Wohlwollen:
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