Veröffentlicht am 2. September 2026ca. 8 Min. Lesezeit
Amerikanische Supermärkte sind im Vergleich zu Deutschland riesig - für europäische Touristen manchmal zunächst geradezu erschlagend groß. Da steht man dann staunend vor 50 Müslisorten und 35 Chipssorten und fragt sich, wer das alles kaufen soll. Vor allem die Obst- und Gemüseabteilung hat oft Erlebnischarakter. Aber jenseits des Staunens lohnt sich auch der praktische Blick: Welche Ketten begegnen einem eigentlich, und wie kommt man an die oft deutlich günstigeren Mitgliederpreise?
Ketten kennen: Walmart/Target für alles, Trader Joe's für günstige Roadtrip-Snacks ohne Sparkarten-Trick, Whole Foods für Bio zu höheren Preisen - dazu je nach Region weitere Ketten.
Sparkarte nicht vergessen: Bei Kroger, Safeway & Co. ist der Regalpreis oft nicht der Preis, den Mitglieder zahlen - die kostenlose Anmeldung dauert nur wenige Minuten und bringt oft auch Rabatt an der Tankstelle.
Bezahlung: Bei unverarbeiteten Lebensmitteln fällt in den meisten Bundesstaaten gar keine Sales Tax an; kontaktlos zahlen funktioniert praktisch überall.
Die wichtigsten Ketten
Walmart und Target findet man praktisch überall im Land - riesige Auswahl, günstige Preise, neben Lebensmitteln auch alles von Kleidung bis Campingzubehör (siehe auch der Tipp dazu im Beitrag USA-Reisetipps). Je nach Region begegnen einem daneben unterschiedliche Supermarktketten: An der Westküste und im Westen etwa Kroger-Töchter wie Ralphs (Südkalifornien) oder Fred Meyer (Nordwesten), im Westen und Südwesten Safeway/Albertsons, im Südosten die für ihren freundlichen Service bekannte Kette Publix, in Texas die beliebte Regionalkette H-E-B.
Trader Joe's ist ein Sonderfall und bei vielen Reisenden ein echter Favorit: kompaktes, kuratiertes Sortiment mit vielen Eigenmarken, überraschend günstig und ganz ohne Sparkarten-Spielchen - ideal, um sich schnell und preiswert mit Roadtrip-Proviant einzudecken. Wer genau hinschaut, entdeckt einen deutschen Bezug: Trader Joe's gehört zur Aldi-Nord-Familie. Die Schwesterfirma Aldi Süd betreibt unter dem Namen Aldi inzwischen selbst fast 2.700 Filialen in den USA (Stand 2026) - meist etwas kleiner und schlichter als der deutsche Aldi, aber sofort wiederzuerkennen. Whole Foods (seit 2017 zu Amazon gehörend) ist preislich das andere Extrem: großes Bio-Sortiment, aber spürbar teurer - wer ohnehin ein US-Amazon-Prime-Konto hat, bekommt dort an der Kasse per App-Scan zusätzliche Rabatte auf Aktionsware.
Sparkarten (Loyalty Cards): oft bares Geld wert - und Rabatt an der Tankstelle
Bei vielen großen Ketten - allen voran Kroger und seinen Regionalmarken sowie Safeway/Albertsons - ist der am Regal ausgezeichnete Preis nicht der Preis, den Karteninhaber an der Kasse zahlen. Der Unterschied kann durchaus mehrere Dollar pro Einkauf ausmachen. Die Anmeldung ist kostenlos und funktioniert auch für Touristen ohne festen US-Wohnsitz: Bei Kroger lässt sich online in wenigen Minuten eine sogenannte Alt ID anlegen, ganz ohne physische Karte - die zugehörige Nummer einfach an der Kasse ins Zahlenfeld eingeben oder dem Kassierer nennen. Bei Safeway registriert man sich für das forU-Programm direkt am Kartenterminal im Laden mit einer beliebigen zehnstelligen Telefonnummer (auch die eigene deutsche Nummer funktioniert als Kennung). Wer keine Lust auf Anmeldung hat, kann an der Kasse auch einfach freundlich fragen - Personal oder wartende Kunden haben oft eine Karte griffbereit, die für den einmaligen Einkauf mit gescannt wird (Quelle: Kroger, Safeway).
Praktisch für den Roadtrip: Dieselbe Karte sammelt an vielen Standorten auch Treibstoffpunkte, einlösbar an Kroger- bzw. Safeway/Albertsons-eigenen Tankstellen (teils auch bei teilnehmenden Chevron/Texaco/Shell-Stationen) für bis zu 1 USD Rabatt pro Gallone, meist gedeckelt auf rund 35 Gallonen pro Tankfüllung - bei einem vollen Tank kann das durchaus 20-30 USD sparen (mehr zum Tanken generell im Beitrag Tanken in den USA). Ein Wermutstropfen der Digitalisierung: Viele der besten Angebote sind inzwischen "digitale Coupons", die vor dem Bezahlen erst in der App oder im Online-Konto angeklickt werden müssen - der am Regal beworbene Preis gilt an der Kasse sonst nicht automatisch. Wer die App nicht installieren will, bekommt trotzdem die Basis-Mitgliederpreise, verpasst aber einzelne Extra-Rabatte.
Apropos Obst und Gemüse: Bio-Produkte finden sich auch in amerikanischen Supermärkten unter dem Label organic inzwischen deutlich häufiger als früher. Von deutscher Selbstverständlichkeit kann aber noch nicht überall die Rede sein; das hängt stark von Region, Kette und Nachbarschaft ab.
Dazu kommt ein Trend, der sich in den letzten Jahren klar verfestigt hat: Schon lange gibt es in vielen Supermärkten eine gut sortierte Deli-Theke, wo man frische Wurst- und Käsewaren, Salate und auch Fleischgerichte kaufen kann. Hinzu kommen in vielen größeren Märkten ganze Essensstationen mitten im Laden, wo man z.B. Chinese oder Mexican food, Suppen, Salate usw. ähnlich wie in einem Buffet-Restaurant zum Mitnehmen zusammenstellen kann. All das trägt dem Umstand Rechnung, dass viele Amerikaner entweder gar nicht groß kochen wollen oder Essen lieber unkompliziert mitnehmen - praktisch übrigens auch für Reisende, die sich unterwegs schnell und ohne Restaurantbesuch versorgen wollen.
Trends kommen und gehen allerdings. Vorbei die Zeiten, als an der Kasse angeboten wurde, die Einkäufe bis zum Kofferraum des auf dem riesigen Parkplatz abgestellten SUVs zu bringen. Die großen Parkplätze und SUVs gibt es zwar immer noch, aber das Servicepersonal für derartigen Tütenliefer-Schnickschnack scheint in den letzten Jahren doch deutlich abgespeckt worden zu sein.
Tüten sind mittlerweile übrigens vielerorts aus Papier oder kosten extra. Die Frage "Paper or plastic?" wird viel seltener gestellt als früher, nicht zuletzt weil etliche Bundesstaaten, Countys oder Städte Einweg-Plastiktüten zurückgedrängt oder verteuert haben.
Auch haben nur noch die wenigsten Märkte 24/7 auf. Früher konnte man häufiger morgens um 3 Uhr den Großeinkauf erledigen. Auch da scheint die Erkenntnis gereift zu sein, dass für das Unternehmen Aufwand und Ertrag bei solchen Sperenzchen doch in ungünstigem Verhältnis stehen.
Praktisch für unterwegs
Die Preise am Regal sind in den USA grundsätzlich Nettopreise. Bei unverarbeiteten Lebensmitteln zum Selbstzubereiten fällt in den meisten Bundesstaaten aber gar keine Sales Tax an - über 30 Staaten befreien klassische Supermarkt-Einkäufe komplett davon. Fertiggerichte, warme Speisen von der Deli-Theke oder Essen zum sofortigen Verzehr gelten dagegen fast überall als steuerpflichtig, ebenso Snacks/Süßigkeiten in einigen Bundesstaaten. Mehr zur Systematik (und den Ausnahmen) im Beitrag Sales Tax in den USA. Bezahlt wird praktisch überall kontaktlos per Karte oder Smartphone, Details dazu im Beitrag Kreditkarten in den USA. Bei Alkohol im Supermarktregal wird an der Kasse fast immer ein Ausweis verlangt (21 Jahre Mindestalter) - in manchen Bundesstaaten dürfen normale Supermärkte zudem gar keine Spirituosen verkaufen, dafür gibt es dann separate liquor stores. Und wer für den nächsten Fahrtag vorsorgen will: Der Kühlbox-Trick aus dem Beitrag USA-Reisetipps lässt sich mit einem kurzen Supermarkt-Stopp perfekt kombinieren.