headerbildmobil1 headerbildmobil2 headerbildmobil3 headerbildmobil4 headerbildmobil1
Logo

USA A-Z

(Letzte Änderung: 9.07.2017 @ 10:04)

Valet Parking

Wir kurvten schon eine Weile rum und langsam mischte sich unter die allgemeine Genervtheit ein Anflug von Verzweiflung. Wo zum Henker ist hier die verdammte self-parking garage? Auch das Navi zeigte sich mit dieser Frage überfordert. Nach ein paar weiteren Runden durch die Nachbarschaft hatte ich endgültig die Nase voll und stellte die Karre unmittelbar vor dem Haupteingang des Vdara in Las Vegas ab.

Goldrichtige Entscheidung! Endlich verstanden, wie das hier läuft!

Wie sich herausstellte, hat das Vdara gar keine Selbstparkmöglichkeiten. Es gibt nur valet parking - und dafür parkt man eben direkt vor dem Haupteingang, wo dienstbeflissenes Personal sogleich herbei stürmt, um nach dem Begehr des kostbaren Gastes zu fragen. Einchecken? Prima, dann bitte hier einordnen, Wagen aus, Schlüssel her, der Rest wird erledigt.

Der Rest besteht aus Koffer aus dem Wagen hieven, auf einen mit Goldoptik verzierten Gepäckwagen stapeln, damit in die Lobby verschwinden und dem Gast versprechen, dass man alles unversehrt aufs noch zuzuteilende Zimmer geliefert bekommt.

So viel Herzensgüte möchte natürlich belohnt werden, also bekommen der Kofferpacker und -lieferant pro Gepäckstück einen Dollar Trinkgeld. Ist halt so üblich. Wobei - Moment - wir hatten sage und schreibe 18 Gepäckstücke, da in unserem Kofferraum komplettes Chaos herrschte und wir auf Campingtour waren. 18 USD Trinkgeld? Nö, das ist ein bisschen heftig, also drastische Reduzierung auf drei USD. Zu wenig? Vielleicht, aber dafür habe ich ja auch tatkräftig mit selbst angepackt. Macht man nicht? Vielleicht, seitdem ich Downton Abbey gucke, kommen mir selbst ein paar Zweifel. Auf jeden Fall birgt valet parking Potential für einige Fettnäpfchen.

Alles schön und gut, aber was ist, wenn man mal eben auf die Schnelle später an seinen Wagen möchte, weil man darin etwas vergessen hat? Oder den Wagen fahren möchte? Dann muss man seinen Zettel vorzeigen, woraufhin ein wieder eilfertiger Bote (in Stoßzeiten im Laufschritt) in die Parkgarage eilt und den Wagen vorfährt. Das kann aber auch in sehr gut organisierten Hotels, zu dem das Vdara bestimmt gehört, zehn Minuten dauern. Beim Warten fragt man sich dann mehr als einmal, ob es nicht für alle Beteiligten einfacher wäre, wenn der Gast höchstpersönlich die Hoheit über sein Gefährt hätte und diese nicht beim Einchecken dem Dienstpersonal opfert.

So richtig warm bin ich mit dieser Form des Parkens nie geworden und versuche sie nach Möglichkeit zu umgehen - geht aber eben nicht immer. Wahrscheinlich ist valet parking eine höchst amerikanische Erfindung, um möglichst viele Arbeitsplätze im Servicebereich zu schaffen (so wie die "Grüßonkel" bei Wal-Mart oder die Tütenpacker und Zum-Auto-Bringer im Supermarkt), die für kleingärtnerhafte europäische Gemüter gewöhnungsbedürftig ist. Vermutlich stellen sich Amerikaner auch nie die Frage, ob ihr Auto stets wohlbehalten und unversehrt abgeliefert wird.