Veröffentlicht am 10. September 2026ca. 8 Min. Lesezeit
Wer eine USA-Reise plant, hat meistens Wetter und Nebensaison im Blick - amerikanische Feiertage dagegen fallen häufig hinten runter. Dabei können ein paar Tage Verschiebung den Unterschied machen zwischen freier Fahrt und stundenlangem Stau, zwischen einem ruhigen Nationalpark-Trail und einem überfüllten Parkplatz, der schon um 8 Uhr morgens voll ist.
Der nächste große Termin ist gar nicht mehr weit weg: Thanksgiving, Ende November, gilt als der mit Abstand verkehrsreichste Tag des ganzen Jahres. Grund genug, sich die wichtigsten US-Feiertage einmal systematisch anzusehen - und zwar nicht nur die üblichen Verdächtigen, sondern auch, was an diesen Tagen tatsächlich zu- und aufhat.
Die vier reisekritischsten Termine: Memorial Day (letzter Montag im Mai), 4th of July, Labor Day (erster Montag im September) und allen voran Thanksgiving (vierter Donnerstag im November).
Thanksgiving ist die Ausnahme: Kein anderer Tag im Jahr bewegt so viele Reisende gleichzeitig - und am Tag selbst hat praktisch alles zu, inklusive Supermärkten.
Nationalparks: An allen vier Terminen (plus den Tagen drumherum) mit deutlich mehr Andrang rechnen, insbesondere bei den ohnehin beliebten Parks.
Praxis-Tipp: Campingplätze, Mietwagen und Unterkünfte für diese Wochenenden früh reservieren - nicht erst, wenn man schon im Land ist.
Die vier reisekritischsten Feiertage im Überblick
Von den elf offiziellen US-Feiertagen (federal holidays) haben die meisten auf den Alltag von Touristen kaum Einfluss - Behörden und Banken schließen, der Rest läuft normal weiter. Vier Termine stechen aber heraus, weil an ihnen ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung selbst unterwegs ist:
- Memorial Day - letzter Montag im Mai (2027: 31. Mai), der inoffizielle Start der Sommersaison.
- 4th of July - Unabhängigkeitstag, immer am 4. Juli, unabhängig vom Wochentag (2027: fällt auf einen Sonntag, staatlich nachgeholt am 5. Juli).
- Labor Day - erster Montag im September (2027: 6. September), das inoffizielle Ende der Sommersaison.
- Thanksgiving - vierter Donnerstag im November (2026: 26. November, 2027: 25. November), der verkehrsreichste Tag des Jahres.
Dazu kommen Weihnachten (25. Dezember) und der Jahreswechsel, an denen es zwar weniger um Highways und Nationalparks, dafür aber massiv um Flugpreise und Geschäftsöffnungszeiten geht.
Thanksgiving: der verkehrsreichste Tag des Jahres
Thanksgiving ist kein Wochenend-Feiertag wie die anderen drei, sondern fällt immer auf einen Donnerstag - trotzdem (oder gerade deswegen) ist es der mit Abstand größte Reisetermin der USA. Der amerikanische Automobilclub AAA rechnete für Thanksgiving 2025 mit fast 82 Millionen Menschen, die 50 Meilen oder mehr zurücklegen, ein neuer Rekord. Die US-Flugsicherheitsbehörde TSA meldete für den Sonntag nach Thanksgiving 2025 mit rund 3,13 Millionen kontrollierten Reisenden den bis dahin verkehrsreichsten Tag in ihrer über zwanzigjährigen Geschichte.
Am dichtesten ist der Verkehr traditionell am Dienstag und Mittwoch vor Thanksgiving sowie am Sonntag danach, wenn die meisten Familienbesuche zu Ende gehen. Wer in diesem Zeitraum durch die USA fährt, sollte also nicht ausgerechnet an einem Mittwochnachmittag eine lange Strecke einplanen.
Memorial Day: der inoffizielle Sommerstart
Memorial Day ehrt gefallene US-Soldaten, ist aber im Alltag vor allem als Startschuss der Sommersaison bekannt - danach öffnen viele saisonale Campingplätze, Attraktionen und Poolbereiche für die nächsten Monate durchgehend. Für Nationalparks bedeutet das ein sprunghaftes Ansteigen der Besucherzahlen: Der Zion-Nationalpark etwa hat an diesem Wochenende wiederholt Rekordbesuche gemeldet, ähnlich sieht es in Sequoia & Kings Canyon aus.
Wer an diesem Wochenende einen beliebten Park besucht, sollte entsprechend früh am Tag anreisen - die Parkplätze an den Hauptattraktionen sind oft schon am späten Vormittag voll.
4th of July: Unabhängigkeitstag
Der 4. Juli wird als Kalendertag gefeiert, unabhängig davon, auf welchen Wochentag er fällt - Feuerwerk und Paraden finden am eigentlichen Datum statt, auch wenn Behörden an einem verschobenen Ersatztag geschlossen haben. In Großstädten wie Washington D.C. oder New York ist an diesem Abend mit großräumigen Straßensperrungen rund um die Feuerwerks-Locations zu rechnen. 2026 war der Andrang wegen des 250. Jahrestags der Unabhängigkeitserklärung (America250) an vielen historischen Stätten noch einmal deutlich höher als sonst.
Nicht überall geht es dabei hoch her: Bei einem Besuch in Moab, Utah, genau am 4. Juli habe ich selbst erlebt, wie wenig man von dem hohen Feiertag im Alltag mitbekommt - außer einer kleinen abendlichen Parade mit etwas Feuerwerk im City Park lief der touristische Betrieb ganz normal weiter (mehr dazu im Reisebericht USA Südwesten Extended 2007). In kleineren Ortschaften und auf dem Land ist der Unabhängigkeitstag oft deutlich unaufgeregter als sein Ruf.
Labor Day: das Ende der Hauptsaison
Labor Day markiert das Gegenstück zu Memorial Day und gilt als informelles Ende der Sommersaison - viele saisonale Einrichtungen schließen danach oder fahren ihre Öffnungszeiten zurück. Gerade deshalb ist das Labor-Day-Wochenende selbst noch einmal ein Verkehrs- und Reise-Höhepunkt, quasi der letzte große Sommer-Trip vor dem Herbst.
Das habe ich selbst zu spüren bekommen: Bei einer Reise entlang der kalifornischen Küste hatte ich für das Labor-Day-Wochenende keinen Campingplatz reserviert und musste an den ersten beiden Stationen unterwegs feststellen, dass schlicht alles belegt war - erst der dritte, ein privater Platz, hatte noch eine freie Stelle (nachzulesen im Reisebericht USA Vintage Extended 1994, Southern California Coast). Seitdem reserviere ich für dieses Wochenende grundsätzlich vorab.
Was an diesen Tagen wirklich geschlossen hat
Die USA gelten gemeinhin als Land, in dem nie etwas zumacht - an zwei Tagen im Jahr stimmt das nicht: Thanksgiving und Weihnachten. An Thanksgiving selbst schließen praktisch alle großen Supermarktketten (u.a. Walmart, Target, Costco, Aldi, Trader Joe's) sowie die meisten Kaufhäuser komplett, auch wenn am darauffolgenden Black Friday dann wieder umso mehr los ist. An Weihnachten wiederholt sich dasselbe Bild, hier bleiben zusätzlich auch Ketten wie Whole Foods oder Costco geschlossen. Fast-Food-Ketten wie McDonald's oder Dunkin' halten an beiden Tagen dagegen meist offen, wenn auch mit eingeschränkten Öffnungszeiten je nach Filiale.
An Memorial Day, 4th of July und Labor Day ist davon nichts zu spüren - Supermärkte, Restaurants und die meisten Geschäfte haben normal geöffnet, oft sogar mit Sonderangeboten rund um den Feiertag. Einzig Behörden, Banken und Postämter bleiben an allen elf federal holidays konsequent zu.
Der Sonderfall: Feiertage, die man gar nicht auf dem Schirm hat
Neben den vier großen Terminen gibt es einige Feiertage, die im Reisealltag kaum auffallen - bis man selbst hineinläuft. Bei einem Besuch des State Capitol in Springfield, Illinois, habe ich mich einmal gewundert, warum die Straßen um das Gebäude so leer waren und wieso ich direkt davor parken konnte - bis mir klar wurde, dass gerade Columbus Day war (mehr dazu im Reisebericht USA Südosten Roadtrip 2019). Das Gebäude selbst war zwar zugänglich, eine geführte Tour gab es aber erst eine Stunde später. Gerade bei Regierungsgebäuden, Gerichten oder anderen behördennahen Sehenswürdigkeiten lohnt sich also ein kurzer Blick auf den Kalender, bevor man extra einen Umweg einplant.
Praktische Konsequenzen für die eigene Reiseplanung
Die wichtigste Regel: Wer eine der vier großen Feiertags-Wochenenden in der Reisezeit hat, sollte Unterkünfte, Campingplätze und - bei stark nachgefragten Nationalparks - auch Timed-Entry-Reservierungen früh buchen. Details zu den Parks, die inzwischen eine Reservierung verlangen, gibt es im Beitrag Timed-Entry-Reservierungen bei Nationalparks. Wer die Wahl hat, plant größere Fahrstrecken lieber auf die Tage vor oder nach dem eigentlichen Feiertag statt mittendrin - das gilt besonders für Thanksgiving, wo der Mittwoch davor traditionell einer der schlimmsten Fahrtage im ganzen Jahr ist.
Wer dagegen einen ruhigeren Trip sucht, kann diese Termine auch gezielt meiden: Die Woche nach Labor Day etwa ist in vielen Nationalparks spürbar leerer als der Sommer selbst, bei ähnlich gutem Wetter. Mehr zur generellen Vorbuch-Frage gibt es im Beitrag Reiseplanung USA: Was vorbuchen, was spontan geht?