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Reiseplanung

Autokauf in den USA: Warum sich das für Touristen selten lohnt

Autokauf in den USA (illustrative KI-Grafik)
Dieses Bild wurde KI-generiert und ist fiktionalisiert. Auf meiner Website finden sich fast 22.000 selbst fotografierte Bilder.

Veröffentlicht am 23. August 2026ca. 7 Min. Lesezeit

Hinweis: Der folgende Erfahrungsbericht stammt aus dem Jahr 1994 und ist eher historisch als hochaktuell zu lesen. Im Grundsatz zeigt er aber ganz gut, warum sich Autokauf für die meisten Reisenden auch heute noch selten lohnt.

Der Kauf eines Autos in den USA ist für Nicht-Amerikaner kompliziert und nur in den seltensten Fällen sinnvoll. Wenn überhaupt, kommt so etwas nur bei mehrmonatigen Aufenthalten aus Kostengründen infrage. Sonst fährt man mit einer Miete fast immer einfacher und unter dem Strich meistens besser.

Kurz & knapp

Für wen: Nur bei mehrmonatigen Aufenthalten überhaupt eine Überlegung wert.

Papierkram: Versicherung, title card und registration fees kosten Zeit und Nerven.

Alternative: Ein Mietwagen ist fast immer die einfachere und am Ende oft auch günstigere Wahl.

1994 haben wir uns der Prozedur Autokauf/-verkauf unterzogen - der folgende Erfahrungsbericht ist entsprechend historisch, zeigt aber im Grundsatz gut, warum ich das Thema heute noch skeptischer sehe als damals.

Voraussetzungen für deutsche Touristen

Grundsätzlich gilt: Es gibt kein Gesetz, das Ausländern - egal ob mit Touristenstatus oder ESTA - den Autokauf in den USA verbietet. Praktisch braucht man aber ein paar Dinge, ohne die es nicht klappt:

  • Reisepass als Ausweisdokument beim Kaufvertrag und bei der Zulassung.
  • Eine verifizierbare US-Adresse für Registrierung, Versicherung und den Versand der Nummernschilder - eigene Ferienadresse, die von Freunden/Bekannten oder notfalls die des Händlers.
  • Führerschein: ein US-Führerschein ist für den Kauf selbst nicht nötig, der deutsche (EU-)Führerschein reicht für Versicherung und Zulassung in aller Regel aus, ein internationaler Führerschein kann bei manchen Versicherern zusätzlich verlangt werden.
  • Versicherungsnachweis - ohne geht bei der title card nichts, siehe unten.
  • US-Telefonnummer - für Versicherer und Behörden hilfreich bis notwendig, eine Prepaid-SIM reicht meist aus.

Eine SSN (Sozialversicherungsnummer) ist für einen einmaligen Barkauf in der Regel nicht zwingend, kann aber bei manchen Versicherern oder für eine Finanzierung verlangt werden - beim Kauf gegen Bargeld ohne Kredit meist kein Hindernis (Quelle: Expatica).

Der Kauf: Augen auf beim Gebrauchtwagenhändler

Schon beim Kauf des fahrbaren Untersatzes lauern Gefahren und Tücken. Haben deutsche Gebrauchtwagenhändler hin und wieder einen zweifelhaften Ruf, gilt dies für ihre amerikanischen Kollegen umso mehr. Augen auf und nicht über den Tisch ziehen lassen!

Nach mehreren Probefahrten bei einigen Händlern in Normal (IL) und hilfreicher Beratung durch einen Ortskundigen entschieden wir uns für einen beigefarbenen Mercury, Baujahr 1982. Die Kiste war zwar schon alt, hatte aber noch nicht allzu viele Meilen auf der Uhr (gehörte einem Rentner-Ehepaar) und war mit 1200 USD günstig. Außerdem hatte das Auto Charakter - wo immer wir hinkamen, waren uns interessierte Blicke sicher, oft hörten wir Sätze wie "You drive a cool car, man."

Unser 1994 gekaufter beigefarbener Mercury, Baujahr 1982

Durchgezogene Ledersitzbank vorne, Handschaltung am Lenkrad und ein tiptop gepflegter Innenraum mit Holzdekor - nette Retro-Features, auf die man bei einem modernen Mietwagen natürlich vergeblich hofft.

Innenraum des 1982er Mercury mit Ledersitzbank und Lenkradschaltung

Mehr aus dieser vier Monate langen Hochzeitsreise gibt es im Reisebericht Honeymoon Tour 1994.

Versicherung: nicht am falschen Ende sparen

Ja, eine Versicherung braucht man auch in Amerika. Beim Versicherungsschutz sollte man nicht am falschen Ende sparen - vor allem bei Personenschäden, wenn Schmerzensgeld vor amerikanischen Gerichten verhandelt wird, könnte es sonst später ganz übel werden.

Wir haben uns die Gelben Seiten geschnappt, rumtelefoniert und Konditionen bzw. die prinzipielle Bereitschaft zu versichern eruiert. Das Alter des Fahrers kann dabei zum Problem werden, wenn man unter 25 ist. Man sollte eine amerikanische Adresse vorweisen können, gegebenenfalls auch die von Freunden - nach Absprache kann auch die Adresse des Händlers herhalten. Der Vertrag sollte eine Laufzeit von mindestens sechs Monaten haben, gegebenenfalls sind Rückzahlungen bei früherem Verkauf möglich.

Zulassung: die title card und die registration fees

Kein Autokauf (und vor allem -verkauf) ohne title card, was in etwa dem deutschen Kfz-Brief entspricht. Um diese zu bekommen, braucht man den Kaufvertrag und einen Versicherungsnachweis. Bis man das begehrte Dokument in den Händen hält, können einige Wochen vergehen. Für die Zustellung per Post sollte ebenfalls eine Adresse im Inland angegeben werden.

Beim Motor Vehicle Department (MVD), wo man die title card beantragt, müssen registration fees bezahlt werden. Die konkrete Höhe ist von zahlreichen Faktoren abhängig, es gibt Online-Tools zum Kalkulieren. Für einen fiktiven, in Nevada zugelassenen, 10 Jahre alten Ford mit Neupreis 40.000 USD habe ich zum Beispiel 118 USD Gebühren errechnet.

Berechnung der Kfz-Zulassungsgebühren in den USA

Nummernschilder - und die Wartezeit dank temporärer Tags überbrücken

Braucht man auch, und diese kosten auch in Amerika Geld. Unsere kamen erst Wochen später, und wir haben sie uns nach Moab (UT) nachschicken lassen - ausgestellt wurden sie in Normal (IL).

Amerikanisches Nummernschild

Die gute Nachricht: Man muss auf die endgültigen Nummernschilder nicht warten, um losfahren zu dürfen. Auch 2026 gibt es in allen 50 Bundesstaaten weiterhin temporary tags - vorläufige Kennzeichen, meist als Papierschild hinten am Auto, teils inzwischen auch digital oder als vom Händler direkt ausgedrucktes Kennzeichen. Bei einem Händlerkauf stellt der Händler das Tag direkt aus, bei einem Privatkauf bekommt man es beim MVD/DMV vor Ort gegen Kaufvertrag und title-Unterlagen. Die Gültigkeitsdauer variiert je nach Bundesstaat spürbar - von wenigen Tagen bis zu 90 Tagen, in Illinois (wo wir unser Auto zugelassen hatten) sind es zum Beispiel bis zu 90 Tage (Quelle: CarRegFee, Stand 2026). Mit einem gültigen temporären Tag darf man in allen Bundesstaaten fahren, nicht nur in dem, in dem das Auto zugelassen wurde - genau das haben wir 1994 genutzt, um mit dem Wagen quer durchs Land zu fahren, während die echten Nummernschilder hinterherreisten und schließlich in Moab auf uns warteten.

Der Verkauf: Zeitdruck lieber verbergen

Für den Verkauf sollte man ein paar Tage einkalkulieren. Und: Lieber nicht die Händler wissen lassen, dass der Flug zurück bald geht und man unter Zeitdruck steht!

Wir haben versucht, das Auto privat zu verkaufen, und in Normal (IL) auf dem Campus der ISU Flugblätter verteilt - sogar in Kneipen und Geschäften. Außer einigen "Vorstellungsgesprächen" und ergebnislosen Probefahrten hat uns das aber leider nichts eingebracht. Am Ende mussten wir etwas unter Wert bei einem Händler verkaufen.

Checkliste: Wenn du dich doch für den Autokauf entscheidest
  1. Fahrzeughistorie prüfen. Per VIN (Fahrgestellnummer) einen Bericht bei Carfax oder AutoCheck ziehen - zeigt Unfälle, Vorbesitzer und ob ein sauberer title vorliegt, keine salvage- oder rebuilt title aus einem Totalschaden.
  2. Probefahrt plus unabhängige Inspektion. Vor dem Kauf eine freie Werkstatt eine pre-purchase inspection machen lassen (meist 100-150 USD) - deutlich günstiger als eine böse Überraschung mitten in der Wüste.
  3. Kaufvertrag (bill of sale) schriftlich. VIN, Kilometerstand, Kaufpreis und Datum festhalten, von beiden Seiten unterschreiben lassen.
  4. Versicherung zuerst abschließen. Ohne Versicherungsnachweis gibt es keine title card - Konditionen vorher telefonisch bei mehreren Anbietern einholen.
  5. Title card beim MVD/DMV beantragen. Kaufvertrag und Versicherungsnachweis mitbringen, mit einigen Wochen Bearbeitungszeit rechnen.
  6. Registration fees bezahlen. Höhe vorab online kalkulieren, um nicht überrascht zu werden.
  7. Nummernschilder besorgen. Kommen oft erst mit Verzögerung - für die Zustellung eine erreichbare Adresse (z.B. Poste-Restante-Lösung oder Adresse von Bekannten) einplanen.
  8. Verkauf rechtzeitig einplanen. Mehrere Tage Puffer vor dem Rückflug einkalkulieren und dem Käufer/Händler nichts von der eigenen Zeitnot verraten.

Die einfachere Alternative: Mietwagen

Wer heute über einen längeren USA-Aufenthalt nachdenkt und den Aufwand und die Risiken eines Kaufs/Verkaufs scheut, findet auf der Seite Mietwagen Hinweise zu Langzeitmieten samt der dort ungleich einfacheren Versicherungsfragen.

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