Veröffentlicht am 19. August 2026ca. 6 Min. Lesezeit
Wir kurvten schon eine Weile rum, und langsam mischte sich unter die allgemeine Genervtheit ein Anflug von Verzweiflung. Wo zum Henker ist hier die verdammte self-parking garage? Auch das Navi zeigte sich mit dieser Frage überfordert. Nach ein paar weiteren Runden durch die Nachbarschaft hatte ich endgültig die Nase voll und stellte die Karre unmittelbar vor dem Haupteingang des Vdara in Las Vegas ab. Goldrichtige Entscheidung, wie sich herausstellte: Das Vdara hat gar keine Selbstparkmöglichkeit, es gibt nur valet parking - und dafür parkt man eben direkt vor dem Haupteingang, wo dienstbeflissenes Personal sogleich herbeieilt.
Ablauf: Auto am Eingang übergeben, Ticket gut aufbewahren, beim Abholen wieder vorzeigen.
Trinkgeld: 3-5 USD beim Abholen sind Standard, in Luxushotels oder bei Stress/schlechtem Wetter auch 5-10 USD.
Kosten: Trinkgeld und die oft separat berechnete Parkgebühr sind zwei unterschiedliche Dinge.
Alternative: Wo vorhanden, ist Self-Parking meist günstiger als Valet.
Wie funktioniert Valet Parking?
Bei vielen US-Hotels, vor allem in Innenstädten und an Casino-Resorts wie in Las Vegas, ist Valet Parking nicht nur ein Zusatzservice, sondern schlicht die einzige Möglichkeit zu parken - eine eigene self-parking garage für Gäste gibt es dort oft gar nicht. Man fährt direkt bis vor den Haupteingang, ein Mitarbeiter nimmt den Schlüssel entgegen und händigt dafür ein Ticket (den claim ticket) aus. Das Auto verschwindet dann in der hoteleigenen Parkgarage, und man selbst geht zum Check-in.
Braucht man den Wagen zwischendurch noch einmal, zeigt man an der Valet-Station einfach das Ticket vor - ein Mitarbeiter holt das Auto dann aus der Garage. Gerade zu Stoßzeiten kann das durchaus zehn Minuten und länger dauern, auch in gut organisierten Häusern. Wer öfter ein- und ausfährt, sollte diese Wartezeit mit einplanen.
Kofferträger gehören oft zum gleichen Service dazu: Das Gepäck wird aus dem Wagen genommen, auf einen Gepäckwagen gepackt und mit in die Lobby oder direkt aufs Zimmer gebracht. Wer wie wir mit chaotisch vollgepacktem Kofferraum unterwegs ist (bei uns waren es einmal 18 Gepäckstücke von einer Campingtour), darf beim Trinkgeld dafür ruhig etwas selbst mit anpacken und muss nicht sklavisch der Ein-Dollar-pro-Gepäckstück-Regel folgen.
Wie viel Trinkgeld ist beim Valet Parking üblich?
Beim Abholen des Wagens ist ein Trinkgeld erwartet, auch wenn Valet Parking im Zimmerpreis oder als Resort-Gebühr bereits enthalten ist - der Service selbst bleibt für die Mitarbeiter trinkgeldabhängig. Nach den Tipping-Richtlinien des Emily Post Institute liegt die übliche Spanne bei 2 bis 10 US-Dollar, wobei 5 Dollar als Standardbetrag gilt; die American Hotel & Lodging Association empfiehlt ebenfalls 5 Dollar beim Erhalt des Autos (Quelle: HotelSlash, Stand Mai 2026).
In der Praxis heißt das: 3-5 Dollar sind bei einem normalen Hotel eine sichere Bank. In Luxushäusern, bei besonders hektischem Betrieb oder wenn das Personal bei schlechtem Wetter im Laufschritt unterwegs ist, dürfen es auch 5-10 Dollar sein. Getippt wird üblicherweise bar direkt beim Übergeben des Autos an den Fahrer - manche Gäste geben zusätzlich schon bei der Abgabe des Wagens ein kleineres Trinkgeld, notwendig ist das aber nicht.
Bei mehrtägigem Aufenthalt mit denselben Valet-Teams kann man entweder bei jeder Fahrzeugübergabe einzeln tippen oder am Ende einen größeren Betrag für den gesamten Aufenthalt geben. Wie Trinkgeld in anderen Situationen gehandhabt wird - vom Restaurant bis zum Housekeeping - steht ausführlich im Beitrag zum Trinkgeld in den USA.
Trinkgeld ist nicht die Parkgebühr
Wichtig zu unterscheiden: Das Trinkgeld für den Valet-Mitarbeiter ist etwas anderes als die eigentliche Parkgebühr, die viele Hotels zusätzlich berechnen. Diese Gebühr kann pro Nacht anfallen, manchmal ist sie schon in einer separaten resort fee enthalten, manchmal wird sie getrennt an der Rezeption abgerechnet. Wie hoch sie ausfällt, schwankt stark von Hotel zu Hotel und von Stadt zu Stadt - am zuverlässigsten findet man die genaue Höhe direkt bei der Buchung oder beim Check-in, etwa im Kleingedruckten der Hotel-Website oder auf Nachfrage an der Rezeption.
Self-Parking als Alternative
Nicht jedes Hotel zwingt einen zum Valet Parking. Wo eine eigene self-parking garage vorhanden ist, lohnt sich meist ein Blick auf den Preisunterschied - Self-Parking ist in der Regel günstiger, und man spart sich sowohl die Parkgebühr-Differenz als auch das Trinkgeld. Dafür übernimmt man selbst die Kontrolle über das Fahrzeug und muss nicht wie beim Valet zehn Minuten auf die Vorfahrt warten. Wer die Wahl hat, sollte bei der Buchung oder beim Check-in gezielt nach beiden Optionen fragen.
Praktische Tipps
Das Ticket sollte man immer griffbereit aufbewahren - ohne den claim ticket gibt es das Auto nicht zurück. Wertsachen gehören grundsätzlich nicht ins Auto, wenn es aus der Hand gegeben wird, und ein kurzer Blick auf bereits vorhandene Kratzer oder Dellen vor der Übergabe schadet nicht, falls es später Diskussionsbedarf gibt. Für das Trinkgeld lohnt es sich, ein paar kleine Scheine bereitzuhalten - an der Valet-Station selbst gibt es dafür in der Regel keine Wechselmöglichkeit.
So richtig warm geworden bin ich mit dieser Form des Parkens persönlich nie und umgehe sie nach Möglichkeit - geht aber eben nicht immer. Wahrscheinlich ist valet parking eine höchst amerikanische Erfindung für Häuser, in denen Komfort, Show und Servicegedanke wichtiger sind als die kleingärtnerhafte europäische Sehnsucht, das eigene Auto stets selbst unter Kontrolle zu behalten.