Veröffentlicht am 24. August 2026ca. 6 Min. Lesezeit
Selbst im schon etwas fortgeschritten-zarten Alter von 13 schlägt unsere älteste Tochter Lisa-Marie das Angebot im Restaurant, Malstifte und eine Rätselseite zu bekommen, selten aus. Annalena (11) sowieso nicht. Beide haben schätzen gelernt, dass das in Amerika wie selbstverständlich vom Kellner angeboten wird und gut gegen die Langeweile hilft, wenn man auf die Mac & Cheese wartet und die Eltern müde in den Seilen hängen.
Alltag: Kinder gehören in den USA selbstverständlich zum öffentlichen Leben dazu, Restaurants und Hotels sind entsprechend eingestellt.
Kleinkinder: Nach eigener Erfahrung eines der einfachsten Länder für Reisen mit kleineren Kindern.
Teenager: Die größere Herausforderung ist eher das Pubertätsalter als das Kleinkindalter.
Ausgesprochen kinderfreundlicher Alltag
Kinder bzw. Familien mit Kindern werden in Amerika ausgesprochen zuvorkommend behandelt. Dass da, wo Kinder sind, auch mal Tohuwabohu herrscht, scheint niemanden zu jucken. Auch machen Amerikaner entwaffnend offen Komplimente über fremde Kinder: "Your girls are just wonderful." "Good girls." So etwas hört man immer wieder mal und hat den Eindruck, dass es ehrlich und einfach nett gemeint ist.
Ich würde Deutschland ganz sicher nicht als per se kinderfeindliches Land bezeichnen, aber in Amerika gehören Kinder im Alltag oft noch selbstverständlicher zum Tagesgeschäft dazu - ähnlich wie in Südeuropa, wo niemand auf die Idee kommen würde, die Sprösslinge im Hochsommer um 21 Uhr ins Bett zu schicken, wenn der Rest der Großfamilie noch beim Barbecue ist.
In Amerika sind Eltern mit Kindern in der Regel willkommene Gäste - wer Kinder verantwortungsvoll großzieht, genießt schon mal einen Vertrauensvorschuss. Museen sind oft ausgesprochen kindgerecht gestaltet, Kinder übernachten in Hotels im Zimmer der Eltern meist kostenlos mit, Kinderermäßigungen gibt es allüberall.
Kinderfreundlich trotz dünnerer Familienpolitik
Über gesellschaftliche Rollenbilder, Karriere und Familienpolitik könnte man an dieser Stelle leicht eine Grundsatzdebatte lostreten. Tatsache ist aber: Der praktische Umgang mit Kindern wirkt in den USA im Alltag oft entspannter und zugewandter, obwohl die politischen Rahmenbedingungen für Familien objektiv betrachtet vielfach schlechter sind als bei uns. Kindergeld, längere staatlich abgesicherte Elternzeit oder subventionierte Kitaplätze wie in Deutschland sind in den USA deutlich dünner gestrickt oder viel stärker Privatsache. Ganztagesbetreuungen sind oft sehr teuer und finanziell längst nicht von allen zu stemmen. Um damit klarzukommen, wird improvisiert: mit Nanny-Sharing, Großfamilie, Nachbarschaftshilfe oder privat organisierten Betreuungsmodellen. In Bezug auf Kinder sind Amerikaner häufig einfallsreich, kompromissbereit und flexibel - und unter dem Strich ist Amerika mentalitätsmäßig und im praktischen Umgang ein höchst kinder- und familienfreundliches Land, wovon man auch als reisende Familie mit Kindern etwas mitbekommt.
Reisen mit (kleinen) Kindern: geht das überhaupt?
Nun zu einem anderen Aspekt der Kinderthematik: Kann oder sollte man mit kleineren Kindern überhaupt in die USA reisen? Du liebe Güte, was durften wir Rabeneltern uns alles anhören, weil wir es wagten, unsere nulljährige jüngste Tochter auf eine fünfwöchige Rundreise im Wohnmobil mitzunehmen und mit ihr in heiße Wüsten und auf hohe Berge zu fahren. Und die Dreijährige gleich mit. Doppelt schlimm.
Annalena feierte ihren ersten Geburtstag Ende Juli 2005 im Joshua Tree Nationalpark, bei 45 Grad im nicht vorhandenen Schatten. Mal abgesehen davon, dass es vielleicht eine Schnapsidee war, im Hochsommer in die Mojave-Wüste zu fahren, verrate ich hier das überraschende Endresultat: Sie hat überlebt. Sie ist durchgekommen. Weder verdurstet, verhungert, an Höhenkrankheit gestorben, unter sozialer Vereinzelung gelitten noch in der gottverlassenen Einsamkeit verloren gegangen. Nicht einmal stundenlange Fahrten bei voll aufgedröhnter Klimaanlage haben nachhaltige seelische oder körperliche Schäden hinterlassen.
Was ich damit sagen will: Natürlich sind nicht alle Kinder gleich, natürlich kann es auch mal nerven, wenn man im Urlaub in den USA gemeinsame längere Wanderungen knicken kann und stattdessen öfters mal am Strand Sand sieben, Spielplätze ansteuern, Windeln wechseln, Klamotten waschen oder sich in allgemeiner Geduld und Gelassenheit üben muss - aber für mich sind die USA, vom Kostenfaktor abgesehen, eines der einfachsten Länder für einen Urlaub mit kleineren Kindern.
Teenager sind die eigentliche Herausforderung
Schwieriger wird es nach unserer Erfahrung eher mit etwas älteren Kindern im Pubertätsalter. Denen klarzumachen, dass heute schon wieder "Wildnis" angesagt ist und nicht langes Ausschlafen, Pool und Dauerbespaßung, kann viel anstrengender sein als jede Wüstenhitze mit einem Baby. Aber auch diese Episode geht vorüber.