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(Letzte Änderung: 12.06.2026 @ 16:05)
Politik
Nein - hier geht es nicht um gut oder schlecht. Nicht um Einzelpersonen. Sondern ausschließlich um eine sachliche Darstellung, wie das politische System in den USA funktioniert. Warum gibt es nur zwei relevante Parteien? Wieso kann man die Wahl gewinnen, wenn man weniger Stimmen auf sich vereint hat als der politische Gegner? Welche Bedeutung haben die Zwischenwahlen (mid terms)? Usw.
Das Zweiparteiensystem
In den USA dominieren seit weit über hundert Jahren zwei Parteien: die Republican Party (Republikaner, oft als "GOP" - Grand Old Party - bezeichnet) und die Democratic Party (Demokraten). Andere Parteien wie die Libertarians oder die Green Party treten zwar regelmäßig an, gewinnen aber so gut wie nie Sitze auf Bundesebene.
Ein wesentlicher Grund dafür liegt im Wahlsystem selbst: Bei Wahlen zum Repräsentantenhaus, zum Senat und auch beim Electoral College (siehe unten) gilt in der Regel das Prinzip "The Winner Takes It All" - wer in einem Wahlkreis oder Bundesstaat die meisten Stimmen erhält, bekommt den Sitz bzw. alle Wahlleute, alle anderen Stimmen verfallen ohne weitere Wirkung. In einem solchen System ("first-past-the-post") ist es für kleinere Parteien extrem schwer, überhaupt Sitze zu gewinnen - eine Stimme für eine dritte Partei wird häufig als "verschenkte Stimme" wahrgenommen. Dieser Effekt ist in der Politikwissenschaft als Duvergersches Gesetz bekannt und begünstigt strukturell ein Zweiparteiensystem.
Gewaltenteilung: Präsident, Kongress und Supreme Court
Die USA sind eine präsidiale Demokratie mit einer strikten Trennung von drei Gewalten:
- Exekutive: Der Präsident bzw. die Präsidentin (aktuell vier Jahre Amtszeit, maximal zwei Amtszeiten) leitet die Bundesregierung und die Bundesbehörden.
- Legislative: Der Kongress besteht aus zwei Kammern - dem Repräsentantenhaus (435 Abgeordnete, Sitzverteilung nach Bevölkerung der Bundesstaaten, Wahl alle zwei Jahre) und dem Senat (100 Sitze, zwei pro Bundesstaat unabhängig von dessen Größe, Amtszeit sechs Jahre).
- Judikative: Der Supreme Court (Oberster Gerichtshof) mit neun auf Lebenszeit ernannten Richtern überprüft Gesetze auf ihre Vereinbarkeit mit der Verfassung.
Diese drei Gewalten kontrollieren sich gegenseitig ("checks and balances"): Der Präsident kann Gesetze des Kongresses per Veto blockieren, der Kongress kann ein Veto mit Zweidrittelmehrheit überstimmen, und der Supreme Court kann Gesetze und Regierungshandeln für verfassungswidrig erklären.
Das Electoral College: Wahlsieg ohne Mehrheit der Stimmen
Der Präsident wird nicht direkt von den Bürgern gewählt, sondern indirekt über das Electoral College (Wahlmännergremium). Jeder Bundesstaat verfügt über eine Anzahl von Wahlleuten, die der Summe seiner Sitze im Repräsentantenhaus und im Senat entspricht; zusätzlich erhält der District of Columbia (Washington, D.C.) drei Stimmen. Insgesamt gibt es 538 Wahlleute, für den Sieg sind 270 Stimmen nötig.
In 48 von 50 Bundesstaaten gilt das Prinzip "winner takes all": Wer in einem Bundesstaat die meisten Stimmen erhält, bekommt sämtliche Wahlleute dieses Staates - unabhängig davon, wie knapp das Ergebnis ausfällt. Nur Maine und Nebraska vergeben einen Teil ihrer Wahlleute nach Kongresswahlbezirken.
Dieses System kann dazu führen, dass ein Kandidat die Präsidentschaftswahl gewinnt, obwohl er landesweit weniger Stimmen erhalten hat als der Gegenkandidat ("popular vote" vs. "electoral vote"). Das ist in der US-Geschichte mehrfach vorgekommen, zuletzt 2016 (Donald Trump gewann das Electoral College, Hillary Clinton erhielt landesweit mehr Stimmen) und 2000 (George W. Bush vs. Al Gore). Die offizielle, federführende Behörde für das Electoral College ist die National Archives and Records Administration (archives.gov).
Zwischenwahlen (Midterms)
Zwei Jahre nach jeder Präsidentschaftswahl finden die sogenannten Midterms statt - benannt danach, dass sie genau in der Mitte der vierjährigen Amtszeit des Präsidenten liegen (z. B. 2022, 2026, 2030). Bei den Midterms werden gewählt:
- alle 435 Sitze des Repräsentantenhauses,
- etwa ein Drittel der 100 Senatssitze (die Senatoren haben sechsjährige, gestaffelte Amtszeiten),
- zahlreiche Gouverneursposten sowie Sitze in einzelstaatlichen Parlamenten.
Die Midterms gelten oft als Stimmungstest für die amtierende Regierung, da der Präsident selbst nicht zur Wahl steht. Historisch verliert die Partei des amtierenden Präsidenten bei Midterms häufig Sitze im Kongress. Das Ergebnis kann erheblichen Einfluss darauf haben, wie leicht oder schwer der Präsident in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit Gesetze durch den Kongress bringen kann.
Wahltermin und Föderalismus
Der "Election Day" für Bundeswahlen (Präsidentschaftswahl und Kongresswahlen) ist gesetzlich auf den Dienstag nach dem ersten Montag im November festgelegt. Viele Details der Wahldurchführung - etwa Öffnungszeiten der Wahllokale, Briefwahlregeln oder die Ausgestaltung der Stimmzettel - werden jedoch von den einzelnen Bundesstaaten selbst geregelt. Das ist ein gutes Beispiel für den Föderalismus der USA: Auch jenseits der Politik begegnet einem das im Reisealltag immer wieder, etwa bei sehr unterschiedlichen Regelungen zur Sales Tax von Bundesstaat zu Bundesstaat.
Häufige Fragen zur US-Politik
Das Wahlsystem (vor allem das "Winner takes it all"-Prinzip bei Kongress- und Präsidentschaftswahlen) macht es für kleinere Parteien extrem schwer, Sitze zu gewinnen. Dadurch konzentrieren sich Wähler und Spender langfristig auf die beiden aussichtsreichen Parteien.
Ja. Entscheidend ist nicht die landesweite Gesamtstimmenzahl ("popular vote"), sondern die Mehrheit im Electoral College (270 von 538 Wahlleuten). Da fast alle Bundesstaaten ihre Wahlleute komplett an den jeweiligen Landessieger vergeben, kann ein Kandidat das Electoral College gewinnen, auch wenn er bundesweit weniger Stimmen erhalten hat als sein Gegenkandidat. Zuletzt geschehen 2016 und 2000.
Die Zwischenwahlen finden zwei Jahre nach der Präsidentschaftswahl statt. Dabei wird das gesamte Repräsentantenhaus neu gewählt, ein Drittel des Senats sowie viele Gouverneursposten. Sie gelten als wichtiger Stimmungstest für die amtierende Regierung, auch wenn der Präsident selbst nicht zur Wahl steht.
Durchaus - in Wahljahren sind Wahlwerbung (Plakate, Anzeigen, TV-Spots) und gelegentlich auch Wahlkampfveranstaltungen mit lokalen Verkehrseinschränkungen sichtbar. Für Reisende ändert sich dadurch praktisch nichts an der Reiseplanung; das Thema kann aber im Gespräch mit Einheimischen präsent sein.